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Kräuter trocknen

Viele Kräuterliebhaber bauen ihre eigenen Kräuter auf dem Balkon oder im Garten an. Wenn die Ernte an Kräutern so üppig ausfällt, dass sie frisch nicht verwertet werden können, versucht man die Pflanzen zu konservieren, um sie für den späteren Genuss zu verwenden. Eine einfache und beliebte Methode ist dabei das Trocknen von Kräutern. Allerdings eignen sich nicht alle Kräuter, da einige beim Trocknen ihr Aroma teilweise oder sogar vollständig verlieren. Auch entscheidet die Art und Weise des Trocknens sowie die Aufbewahrung darüber, wie lange die Kräuter ihr Aroma behalten. Wir stellen Ihnen einige Tipps vor und zeigen, welche Kräutersorten Sie getrocknet genießen können.

Ernte, Vorbereitung und Trocknung der Kräuter

Kräuter sind zwar meistens recht anspruchslose Pflanzen, die gegenüber Blühpflanzen oder Gemüse weniger Pflege bedürfen. Dennoch gibt es einige kleine Besonderheiten zu beachten, wenn Kräuter getrocknet werden sollen.

Die Ernte der Kräuter

Beim Ernten der Kräuter sollte der für die jeweilige Pflanze beste Zeitpunkt zum Ernten gewählt werden. Viele Kräutersorten entwickeln vor ihrer eigentlichen Blütephase das beste Aroma. Die Ausbildung der Blüten sowie die Bildung der späteren Früchte sind für die Pflanzen allerdings anstrengend, wodurch weniger Inhaltsstoffe gebildet werden. Die Folge ist, dass viele Kräuter deutlich an Aroma einbüßen, wenn Sie ihre Blütephase erreicht haben. Kräuter wie Oregano, Dill, Basilikum oder Schnittlauch sind hierfür bekannte Sorten. Es liegt also nahe, dass Ihre Kräuter nicht unbedingt zur Blütezeit geerntet werden sollten, sondern kurz vorher. Kräuter, die zur Blütezeit geerntet werden, lassen sich dennoch verzehren.

Übrigens: Kräuter sollten am besten an einem regenfreien Vormittag gepflückt werden. Achten Sie darauf, dass Ihre Kräuter wenigsten ein oder zwei Tage Sonnenlicht vor der Ernte gesehen haben. In den Abend- und Nachtstunden sowie an regnerischen Tagen ist das Aroma der Kräuter am geringsten



Säubern, Bündeln und Trocknen

Wenn Sie Ihre Kräuter trocknen wollen, sollten Sie darauf verzichten diese ausgiebig zu waschen. Dadurch verlieren sie indirekt wieder an Qualität, da es den Trocknungsvorgang deutlich verzögert. Nach dem Ernten können Sie die Kräuter jedoch durch Schütteln vom Staub befreien. Hierfür können Sie beispielsweise ein Sieb verwenden. Sollten Sie dennoch darauf bestehen die Kräuter zu waschen, ist es angebracht, das überschüssige Wasser mit Küchenrollenpapier vorzutrocknen. Versuchen Sie zudem die Pflanzen so wenig zu verkleinern wie möglich. Jede Zerkleinerung verletzt die Zellstruktur des Krauts, wodurch die ätherischen Öle und weiteren Inhaltsstoffe austreten können.

Kräuter an der Luft trocknen

Die wohl schonenste und gleichwohl beste Art ist die Kräutertrocknung an der Luft. Diese Art ist zwar am zeitaufwändigsten, lohnt sich jedoch vor allem dann, wenn die in der Kräutern enthaltenden Inhaltsstoffe bestmöglich konserviert werden sollen.

Für das Trocknen der Kräuter an der Luft werden folgende Materialien benötigt:

  • Garn
  • Gummi
  • Schere
  • aromadichte Behälter zum Aufbewahren

Wenn die Grundreinigung abgeschlossen ist, können die Kräuter in kleinen Bündeln für das Trocknen vorbereitet werden. Zum Trocknen sind warme, windgeschützte und schattige Plätze ideal. Direkte Sonneneinstrahlung sollte auf alle Fälle vermieden werden, Die Temperaturen sollten allerdings nicht über 35 °C liegen, da sonst die Gefahr besteht, dass sich die ätherischen Öle verflüchtigen. Bei der Pfefferminze gehen im Durchschnitt etwa 4 bis 6 % der Öle verloren, wenn die Trockentemperatur 45 °C beträgt. Für die Kräuterbündel können Sie Gummibänder oder stabiles Garn verwenden. Die Bündel sollten kopfüber und locker nebeneinander gehängt werden. Ideale Orte zum Trocknen sind überdachte Gartenhäuser, Dachböden, kleinere Speicher oder Trockenräume. Idealerweise sollte die Trocknungszeit nicht länger als 3 bis 4 Tage dauern.

Kräuter trocknen im Dörrautomat

Eine moderne Alternative ist die Trocknung der Kräuter in einem Dörrautomat bzw. Dörrgerät. Ein solcher Dörrautomat läuft in der Regel bei Temperaturen zwischen 30 und 70 °C und entzieht den Kräutern somit schonend die Feuchtigkeit. Optimal sind eher niedrige Temperaturen (zwischen 30 und 50 °C), da sonst die enthaltenden ätherischen Öle und damit das Aroma sonst schnell verloren gehen. Das Gerät sollte also im Optimalfall über eine Temperaturregelung verfügen.

Dörrautomaten sind vor allem dort geeignet, wo nur wenig Platz zum Kräuter trocknen vorhanden ist, und wo ein schnelles Ergebnis erzielt werden soll.

Kräuter im Backofen und in der Mikrowelle trocknen

Denkbar ist auch das Trocknen der Kräuter im Backofen oder in der Mikrowelle. Bedacht werden sollte jedoch, dass die Art der Trocknung bei den meisten Kräutern immer mit leichten Aromaverlusten einhergeht. Auch können sich weitere wertvolle Inhaltsstoffe wie z.B. Senföle oder Flavonoide verflüchtigen, die einerseits Geschmacksträger sein können und zum anderen für gewisse Heileffekte verantwortlich sind.

Für die Trocknung der Kräuter im Backofen sollte die niedrigstmögliche Temperaturstufe eingestellt werden. Im Optimalfall ist das der Temperaturbereich zwischen 30 und 50 °C. Die gewünschten Kräuter sollten zunächst vorzerkleinert werden und auf einen Backblech mit Backpapier ausgebreitet werden. Das Backblech sollte nicht zu voll sein. Damit die entstehende Feuchtigkeit sich verflüchtigen kann, sollte ein kleiner Spalt vom Backofen offen bleiben. Um die Kräuter im Ofen schonend zu trocknen, sollten etwa 3 Stunden eingeplant werden. Empfehlenswert ist es mit der niedrigsten Temperatur zu beginnen und etwa zur Hälfte der abgelaufenen Zeit diese leicht zu erhöhen (jedoch nie mehr als 50 °C).

Das Trocknen von Kräutern in der Mikrowelle ist eher weniger zu empfehlen. Ausnahmen sind einige mediterrane Kräuter wie Oregano, Thymian oder Majoran. Kommt eine Mikrowelle zum Einsatz, sollten die Kräuter jeweils mit etwas Küchenpapier bedeckt sein. Grundsätzlich sollte eher weniger Energie, d.h. eine geringe Wattzahl gewählt werden (nicht mehr als 300 Watt). Die Trocknung selber sollte in mehreren Zyklen stattfinden, da sonst zu viel Feuchtigkeit auf einmal und mit ihr sämtliches Aroma verloren geht. Die einzelnen Trocknungszyklen sollten 30 - 45 Sekunden nicht überschreiten. Empfehlenswert ist nach jedem Zyklus die Kräuter zu wenden.



Welche Kräuter sind für das Trocknen geeignet?

Nicht jedes Kraut eignet sich für das Trocknen. Einige Kräuter verlieren ihr Aroma vollständig beim Trocknen und können nur frisch verzehrt werden. Andere lassen sich nicht trocken, dafür aber tieffrieren, in Essig konservieren oder in einem Kräuteröl verarbeiten. Einige wenige Kräuter gewinnen durch das Trocknen sogar an Geschmack und Aroma dazu.

Nicht geeignete Kräuter

Kräuter wie Pimpinelle, Tripmadam, Borretsch, Liebstöckel (Maggikraut), Weinraute, Sauerampfer, Schwarznessel (Perilla) oder Kresse eignen sich nicht oder kaum für das Trocknen, da sie nach dem Pflücken kontinuierlich und ziemlich schnell an Aroma verlieren. Die Blätter enthalten dann auch nach schnellem Trocknen nur noch die Blattmasse ohne Geschmacks- oder Duftstoffe. Für diese Kräuter kommt nur das Tieffrieren in Frage.


Mäßig bis gut geeignete Kräuter

Einige Kräuter lassen sich zwar trocknen, allerdings benötigen diese eine schnellere Trocknung. Bei Kräutern wie Petersilie, Basilikum, Schnittlauch, Dill, Ysop und Zitronenmelisse besteht das Problem, dass man die Feuchtigkeit in den Pflanzen nur schwer los wird. Gut aufgehängt und an einem guten Ort sind diese Kräuter dennoch schnell zu trocknen und zu verwerten. Bei den meisten dieser Kräuter ist allerdings ein merklicher Aromaverlust zu spüren. Die Kräuter sollten nach dem Trocknen unverzüglich zerkleinert und in gut geschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden.

Hervorragend zum Trocknen geeignete Kräuter

Viele Kräuter, die aus den Mittelmeerländern oder Anatolien kommen eignen sich ganz hervorragend zum Trocknen. Hierzu gehören vor allem Kräuter wie Bohnenkraut, Lavendel, Majoran, Oregano, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei oder Thymian. Auch einige einheimische wie Beifuss, Herzgespann, Kamille, Waldmeister oder Zitronenverbene lassen sich hervorragend trocken. Bei Kräutern wie Oregano oder Majoran wird das Aroma sogar noch verbessert, wenn die Pflanzen getrocknet werden.

Bildnachweise:
sigrid rossmann / pixelio.de (oberes Bild)

Letztes Update: 19.08.2014

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