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Kräuter gegen Geschwüre - Möglichkeiten und Gefahren

Geschwüre sind bereits seit dem Altertum meist lästige und teilweise auch gefährliche Bekannte. In alten Kräuterbüchern finden sich viele Rezepte gegen Geschwüre, was darauf hinweist, dass dies kein seltenes Phänomen war. Auch heute noch klagen viele Menschen über Hautgeschwüre, Magengeschwüre oder Schleimhautgeschwüre, wofür jedoch in den meisten Fällen schlechte Ernährung oder Infektionskrankheiten verantwortlich sind. Geschwüre lassen sich heute in den allermeisten Fällen gut behandeln. In vielen Fällen können auch Heilkräuter dabei helfen, Beschwerden zu lindern und den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Hintergrundinformationen zu Geschwüren

Was sind Geschwüre?

Geschwüre, im medizinischen Wortschatz als Ulcus bezeichnet, sind im engeren Sinne Defekte der Haut oder Schleimhaut, die meist durch Infektionen, Durchblutungsstörungen oder durch Autoimmunerkrankungen hervorgerufen werden. Die Beschwerden, die ein Geschwür auslösen kann, können sehr unterschiedlich sein. Es können eher harmlose Varianten sein, wie eine Aphthe (Geschwüre der Mundschleimhaut, z.B. an der Lippe), schmerzhafte und hoch ansteckende Varianten (z.B. Weicher Schanker) oder auch Varianten, die ein vielfältiges Beschwerdebild zeigen können, z.B. Magengeschwüre. Die meisten der Geschwüre sind heute gut behandelbar, andere hingegen können chronisch verlaufen und in seltenen Fällen sogar Krebsgeschwulste verursachen.

Die Ursachen, die zur Bildung von Geschwüren führen, können vielfältig sein. Magengeschwüre werden z.B. meist durch eine Überproduktion an Magensäure in Folge ungesunder Ernährung oder Tabakrauch verursacht. Auch können hierfür bestimmte Bakterien, z.B. Heliobacter pylori, oder auch Histamine für Magengeschwüre verantwortlich sein. Kleinere Geschwüre, wie z.B. Aphthen können durch Verletzungen der Mundschleimhaut sowie durch Besiedlung bestimmter Bakterien verursacht werden.

Diagnose von Geschwüren

Geschwüre sind entweder optisch wahrnehmbar oder müssen durch bestimmte bildgebende Verfahren gesichert werden. Mögliche Geschwüre, die sich im Körperinneren befinden (z.B. Magengeschwüre, Darmgeschwüre), werden meist durch bestimmte Spiegelungsverfahren (Magen-Darm-Spiegelung) erkundet. Mitunter werden auch Gewebeproben entnommen, um bösartige Tumore auszuschließen.

Heilkräuter gegen Geschwüre

Im Mittelalter sowie zur frühen Neuzeit gab es eine ganze Reihe an Pflanzen bzw. Kräutern, die zur Behandlung von Geschwüren eingesetzt wurden. In alten Kräuterbüchern finden sich durchaus viele Kräuter, die auf unterschiedliche Weise angewendet und empfohlen wurden. Einige von diesen Kräutern wurden wissenschaftlich widerlegt, d.h. dass diese Kräuter keinen wirklichen Effekt bzw. Linderung bewirken. Andere Kräuter wurden jedoch tatsächlich daraufhin untersucht, Leiden bei bestimmten Geschwüren zu lindern. Ein allgemeines Heilkraut gegen allerlei Geschwüre gibt es jedoch nicht.

Relevante Inhaltsstoffe

Eine bestimmte Gruppe von Inhaltsstoffen wird recht häufig im Zusammenhang mit Geschwüren genannt: die Flavonoide. Heute sind etwa mehr als 4000 Stoffe bekannt, die zur Gruppe der Flavonoide gehören. Einige dieser Flavonoide sind in der Lage, bestimmte Situationen, die Geschwüre bilden oder verstärken können, zu unterdrücken. Beispielsweise können diese Stoffe dafür sorgen, dass die Histaminbildung der so genannten Mastzellen gemindert wird. Ebenso können einige Stoffe das Wachstum von Heliobacter pylori hemmen und darüberhinaus freie Radikale, die auch eine Rolle bei der Bildung von Geschwüren bilden, binden.

Zu den bekannten Flavonoiden gehören u.a. Anthocyane, Kaempferol, Luteolin, Quercetin, Rutin und Ternantin. Quercetin ist in vielen bekannten Heilkräutern anzutreffen, so z.B. im Johanniskraut, der bitteren Schleifenblume, der Ringelblume oder im Schnittlauch. In einigen Studien konnte herausgefunden werden, dass Quercetine die Läsionen der Magenschleimhaut im Vorfeld verhindern können und die Entwicklung von Heliobacter pylori hemmen kann.

Eine weitere Stoffgruppe, die bei der Bildung und Beschwerdelinderung von Magengeschwüren helfen kann sind die Saponine. Sie verhalten sich wie eine Seife, was durch die Eigenschaft als Tensid zurückzuführen ist. Die vor Geschwüren schützenden Eigenschaften der Saponine sind nicht auf Regulierung von Magensäure zurückzuführen, sondern eher darauf, dass sie in der Lage sind, die Magenschleimhäute zu schützen. Saponine in größeren Mengen finden sich im Ehrenpreis, in der Ringelblume oder auch in der Kastanie.

Einige Hausmittel vorgestellt

Kräuter gegen Aphthen

Aphthen sind ein recht häufiges Problem. Sie sind in aller Regel lästig, aber nicht weiter besorgniserregend. Meist kommen sie bei körperlichem Stress oder einem allgemein schlechten Immunsystem zum Vorschein. Gute Hausmittel sind die Herstellung einfacher Gurgellösungen. Kräuter, die hier Verwendung finden, sind u.a. Ackerschachtelhalm, Blutwurz, Brennnessel, Thymian, Ringelblume oder Kamille. Diese Kräuter werden mit heißem Wasser übergossen und werden für etwa 15 bis 20 Minuten ziehen gelassen. Der Behälter oder die Tasse sollte verschlossen werden, so dass die Inhaltsstoffe sich nicht verflüchtigen können. Gegurgelt werden kann, wenn der Sud lauwarm ist. Die Kräuter sollten vorher vom Gurgelwasser getrennt werden.

Kräuter gegen Hautgeschwüre

Hautgeschwüre können in Folge mangelnder Blutversorgung, anderer Erkrankungen oder auch bei Allergien entstehen. Menschen mit vielen Krampfadern können ebenfalls geschwüranfällig sein. Äußere Geschwüre der Haut sind ebenfalls in jedem Fall von einem Arzt begutachten zu lassen, da sich auch Infektionen oder bösartige Veränderungen der Haut dahinter verstecken können, die einer gezielten Behandlung bedürfen. Nach medizinischer Abklärung können einige Hausmittel jedoch dabei helfen, die Beschwerden zu lindern und den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Volksmedizinisch sind viele häufig anzutreffende Wildkräuter verwendbar. Hierzu zählen z.B. der Beifuss, das Barbarakraut, die Ringelblume sowie das Johanniskraut. Aus Beifuss, Barbarakraut und Ringelblume lässt sich z.B. ein Absud (Köcheln der Pflanzenteile für etwa 10 Minuten) herstellen, der später für die Waschung des Geschwürs verwendet wird. Es sollte darauf geachtet werden, dass so wenig Keime wie möglich an das Geschwür gelangen. Auch die häufige Verwendung von Ringelblumensalbe kann die Heilung von Hautgeschwüren deutlich beschleunigen.

Kräuter gegen Magengeschwüre

Magen- und Darmgeschwüre sind eine recht häufige Erscheinung unserer Zeit. Es gibt durchaus viele Heilkräuter, die einige Beschwerden lindern können. Dazu zählen u.a. Beinwell, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wachholder, Kamille oder Salbei. Diese können in Form von Tees oder Tinkturen eingenommen werden. Ein weiteres häufig verwendetes Hausmittel bei Magengeschwüren ist Leinöl, dessen Wirkung auch wissenschaftlich bestätigt wurde. Empfohlen werden etwa 2 bis 3 Esslöffel Leinöl täglich. Leinöl hat zudem eine hohe Schutzwirkung Magengeschwüre entstehen zu lassen. Generell gilt es jedoch fette Speisen, Alkohol, Tabakrauch und geräucherte Produkte weitestgehend zu meiden.

Magengeschwüre sollten grundsätzlich nicht ohne fachliche Begleitung eines Arztes oder Naturheilkundlers behandelt werden. Bei Auftreten von Bluterbrechen oder schwarz gefärbtem Stuhl ist sofort ein Arzt zu konsultieren, da mit hoher Wahrscheinlichkeit ein offenes Geschwür vorliegt.

Vorsicht bei Selbstbehandlung

Betroffene, die ein Geschwür haben, sollten keinesfalls ohne medizinische Fachbegutachtung ein Geschwür behandeln. Einige Geschwüre, wie z.B. der weiche Schanker, sind sogar meldepflichtige Erkrankungen, die neben einer umfassenden Behandlung auch einer Beratung bedürfen. Bei akuten Fällen sollte immer ein ärztlicher Rat eingeholt werden.


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