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Kräuter für die Verdauung - Übersicht und Tipps

Kräuter wie Kümmel, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut oder Wermut werden in der Naturheilkunde schon seit langem zur Anregung der Verdauung oder bei spezifischen Krankheiten des Verdauungstrakts verwendet. Sie sind für viele Menschen heute eine schonende und vor allem natürliche Alternative zu synthetischen Medikamenten. Wissenschaftlich ist es zudem anerkannt und bewiesen, dass einige Heilkräuter tatsächlich mit ihren enthaltenden Wirkstoffen auf einzelne Verdauungsprozesse einwirken können. Wir stellen in unserem Artikel Kräuter für die Verdauung die wichtigsten Pflanzen vor, geben einen Überblick über die Nahrungsverwertung in unserem Körper und zeigen am Ende einige Rezepte für Verdauungstees.

Verdauungstrakt und die Wirkung von Inhaltsstoffen auf die Verdauung

Viele Kräuter verfügen über Inhaltsstoffe, die die Verdauung anregen und Beschwerden lindern kann. Heilkräuter, die beispielsweise Bitterstoffe enthalten, können die Fettverbrennung anregen und unliebsame Beschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen verhindern oder zumindest abschwächen.

Kümmel lindert Völlegefühl

Kümmelfrüchte und -blätter lindern u.a. Völlegefühl und Blähungen

Verdauung kurz erklärt

Wenn wir von Verdauung sprechen, so müssen bezeichnen wir alle Schritte von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten. Der erste Schritt passiert dabei bereits im Mund. Die Nahrung wird im Mund zerkleinert, mit Speichel angereichert und wandert als Nahrungsbrei durch die Speiseröhre in Richtung Magen. Im Magen sind zahlreiche Säuren und Enzyme vorhanden, die die Nahrung für die folgenden Verdauungsorgane aufbereiten und bereits spalten und schließlich in Richtung Magenpförtner befördert. Von dort aus gelangt die vom Magen behandelte Nahrung in den Dünndarm.

Im Dünndarm angekommen, wird der Speisebrei mit Sekreten aus Bauchspeicheldrüse und mit Gallensäften angereichert, wodurch die Nahrungsbestandteile weiter aufgeteilt werden. Die Leber spielt hier eine zentrale Rolle, da sie der Ort ist, wo die Galleflüssigkeiten produziert werden. Überschüssige Gallensäfte werden in der Gallenblase gespeichert und können bei Bedarf abgegeben werden. Die Gallensäuren dienen vorrangig dem Abbau von Fetten. Die Bauchspeicheldrüsensekrete hingegen ist für die Spaltung von Eiweißen, Kohlehydraten und auch einigen Fetten verantwortlich.

Vom Dünndarm aus gelangt der Großteil der gespalteten Nahrungsbestandteile (Eiweiße, Kohlehydrate, Vitamine) schließlich in den Blutkreislauf und versorgt den Organismus so mit Energie. Der restliche Speisebrei gelangt weiter in Dickdarm. Dort befinden sich zahlreiche Mikroorganismen, die weitere Stoffe aus dem Nahrungsbrei entziehen. Im Mastdarm schließlich wird der restlichen Nahrung das Wasser entzogen und in den Enddarm zur Ausscheidung weitertransportiert.

Der menschliche Verdauungstrakt

Der Verdauungstrakt des Menschen (Foto: eveleen007/fotolia.com)

verdauungsfördernde Inhaltsstoffe in Heilkräutern

Wir wissen nun, dass zahlreiche Organe an der Zerlegung der Nahrung beteiligt sind. Es sind vornehmlich Enyzme, Sekrete und Verdauungssäfte, die die Nahrung spalten. Inhaltsstoffe wie Bitterstoffe oder pflanzliche Säuren wie die Caffeoylchinasäure können die Stoffwechselaktivität anregen oder die Produktion solcher Verdauungssäfte ankurbeln. Auch sind einige Heilkräuter in der Lage, die Durchblutungsaktivität der Magenschleimhäute anzuregen, wodurch die Magenperistaltik verbessert wird.

Viele naturheilkundliche Verdauungsmittel enthalten vor allem Bitterstoffe, die u.a. in Löwenzahn, Wermut oder Tausendgüldenkraut vorhanden sind. Chemisch sind diese Stoffe nicht klassifizierbar, da sie sich ausschließlich dadurch auszeichnen, dass sie einen bitteren Geschmack haben. Das Interessante an den Bitterstoffen ist, dass sie nahezu gesamtheitlich wirken. Bitterstoffe haben vor allem folgende Wirkung auf unseren Organismus:

  • Anregung des Speichelflusses bei der direkten Einnahme
  • Erhöhung der Magen- und Darmperistaltik
  • Verbesserung der Fettverdauung durch Anregung der Leber
  • Verbesserung des allgemeinen Leberstoffwechsels
  • gallenflussfördernd

Neben den Bitterstoffen können auch einige ätherischen Öle vieler Heilpflanzen einen positiven Effekt auf die Verdauung ausüben. Beispielsweise enthalten Kräuter wie Anis, Kümmel, Pfefferminze, Oregano oder Kurkuma einige Ölverbindungen, die die Magensaftproduktion anregen oder den Gallenfluss steigern können. Ätherische Öle können u.a. folgende Auswirkungen auf die Verdauung haben:

  • krampflösend bei Magen- und Darmbeschwerden
  • Anregung des Gallenflusses und Erhöhung der Galleproduktion
  • Linderung bei Blähungen (blähungswidrig)
  • Regulierung der Magensaftproduktion
  • Verbesserung der Magen- und Darmperistaltik

verdauungsanregende Kräuter

Der Naturheilkunde stehen zahlreiche Kräuter zur Verfügung, die für unterschiedliche Verdauungsbeschwerden verwendet werden können. Welche Heilkräuter angewendet werden können, soll die nachstehende Übersicht in der Tabelle darstellen.

Heilkrautverantwortliche InhaltsstoffeVerwendung bei
AndornBitterstoffeMagenkrämpfe, verdauungsfördernd, Völlegefühl, Blähungen
Anisätherische Öle (Anethol)Blähungen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, leichte Magenkrämpfe
BeifußBitterstoffe, ätherische Öleverdauungsfördernd, Verstopfungen, Appetitlosigkeit, Fettverdauungsstörung
BenediktinerkrautBitterstoffe, ätherische ÖleFettverdauungsstörungen, Völlegefühl
Gelbwurzätherische Öle, Kaffeesäureallgemeine Verdauungsbeschwerden, Entzündungen der Gallenblase, Übelkeit, Darmsanierung
Kümmelätherische Öle (u.a. Myrcen, Phellnadren)Magenkrämpfe, verdauungsfördernd, Völlegefühl, Blähungen
LöwenzahnBitterstoffe, SchleimstoffeGallenflussstörungen, Frühjahrskur, allgemeine Verdauungsbeschwerden
MariendistelSilymarinLeberentgiftung, Leberstörungen, Gallenbeschwerden
Pfefferminzeätherische Öle (u.a. Menthol), FlavonoideGallenflussstörungen, Magenstärkung, Gärungsbeschwerden, Übelkeit
Rosmarinätherische Öle (u.a. Campher), Bitterstoffeallgemeine Verdauungsbeschwerden, Leberschwäche, Krämpfe der Gallenblase
SchafgarbeBitterstoffe, ätherische Öle (Proazulen), CaffeoylchinasäureGallenbeschwerden, Gallengangsstörungen, Blähungen, Leberstoffwechsel
SchöllkrautAlkaloide, FlavonoideGallengangsstörungen, Erhöhung der Galleproduktion, Magenkrämpfe, Darmkrämpfe
TausendgüldenkrautBitterstoffe (Swertiamarin), ätherische Öle (u.a. Carvacrol), Alkaloide (Gentianin)Appetitlosigkeit, Durchfall, Gallenbeschwerden, Anorexie, Magenkrämpfe
WermutBitterstoffe, ArtemisinGallenbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung, Leberbeschwerden, Fettverdauungsstörungen

Es gibt sicherlich zahlreiche weitere Kräuter und Heilpflanzen, wie Ingwer, Galgant oder Erdrauch, die auch ihre Berechtigung in der Behandlung diverser Verdaungsstörungen haben. Die in der Übersicht genannten dürften aktuell jedoch die gebräuchlichsten Pflanzen darstellen.

Typische Kräuter bei Gallenbeschwerden sind Löwenzahn, Wermut und Schöllkraut, die jedoch für unterschiedliche Therapien verwendet wird. Löwenzahn gilt beispielsweise als sanftes Mittel bei Störungen des Gallenflusses. Die Bitterstoffe animieren die Leber zur Produktion von Galleflüssigkeiten. Vor allem Menschen, denen die Gallenblase operiert worden ist, trinken vor den Mahlzeiten Löwenzahntee. Schöllkraut hingegen wird meist bei entzündlichen und krampfartigen Beschwerden der Gallenblase verwendet. Wermut gilt als universelle Bitterstoffdroge bei Leberbeschwerden und Fettverdauungsstörungen, wobei auch hier vor allem der Gallenfluss angeregt wird.

Typische Wildkräuter wie Beifuss würzen nicht nur fettreiche Speisen mit einem typischen Aroma. Sie regen auch gleichzeitig die Fettverdauung an. Das Kraut enthält Bitterstoffe und ätherische Öle, die die Produktion von Galle ankurbelt, Verstopfungen verhindert und vor allem unliebsamen Beschwerden wie Völlegefühl die rote Karte zeigen können. Beifuss wird jedoch auch als reines Heilkraut verwendet und in einigen Teemischungen beigefügt.

Beifuss als Verdauungskraut

Beifuss ist häufig Gewürz und Heilpflanze in Einem

Eine Besonderheit ist darüber hinaus die Mariendistel. Die in der Heilpflanze enthaltenden Silymarine sind in der Lage, giftige Substanzen in der Leber mittel- bis langfristig unschädlich zu machen. Außerdem sorgt die Einnahme von Mariendistelpräparaten und -tees dafür, dass sich Leberzellen schneller neu bilden und gleichzeitig die Durchblutungseigenschaften verbessern. Mariendistel wird daher häufig bei Leberkuren angewendet und kann langfristig dafür sorgen, dass die Verdauungsfunktionen intakt bleiben.

Rezepte für Verdauungstees

Kräuter, die die Verdauung ankurbeln können, werden heute meist in Form von Aufgüssen oder Tees dargereicht. Einer der bekanntesten Aufgüsse, der häufig bei Verdauungsbeschwerden getrunken wird, ist der Schwedenbitter. Darunter ist ein alkoholischer Auszug zahlreicher Heilpflanzen zu verstehen, der reich an Bitterstoffen ist. Verdauungstees hingegen enthalten meist nur wenige Kräuter, die für bestimmte Heilzwecke verwendet werden.Der Vorteil liegt darin, dass neben den enthaltenden Wirkstoffen auch gleichzeitig Flüssigkeit aufgenommen wird, die die Verdauungsaktivitäten zusätzlich unterstützen. Wir stellen Ihnen einige Verdauungstees vor, die sich leicht zusammenmischen lassen.

Verdauungstee bei fettreichen Speisen

Deftige und fettreiche Gerichte wie Eisbein, Pizza oder Aufläufe können bei einigen Menschen Beschwerden wie Blähungen, krampfartige Schmerzen, Völlegefühl oder Abgeschlagenheit hervorrufen. In solchen Fällen hat der Verdauungstrakt allerhand zu tun und ist mit der zu verdauenden Nahrung überfordert. Kräuter wie Wermut, Beifuß, Tausendgüldenkraut, Kümmel und Pfefferminze haben sich hier bewährt und können das Allgemeinbefinden deutlich verbessern.

Ein guter Tee der die Fettverbrennung ankurbelt, kann aus folgenden Heilkräutern gebraut werden:

  • 30 % Wermut
  • 30 % Pfefferminze
  • 20 % Kümmel
  • 20 % Beifuß

Zubereitung: Ein gehäufter Teelöffel der Kräutermischung wird mit 200 ml heißem Wasser übergossen und für etwa 10 Minuten ziehen gelassen. Nach dem Abseihen empfiehlt es sich den Tee immer vor oder während der Mahlzeit schluckweise zu trinken. Bei bestehenden Gallebeschwerden oder bekannten Lebererkrankungen sollte die Einnahme mit einem behandelnden Arzt besprochen werden.

Tees bei Störungen der Galle

Gallenbeschwerden können sich auf verschiedene Art und Weise bemerkbar machen. Beispielsweise kann eine ungenügende Produktion von Galle oder auch die Entfernung der Gallenblase eine Fettverdauungsstörung hervorrufen, die sich u.a. durch Übelkeit, Durchfall oder Schmerzen im Oberbauch äußern. Bewährt haben sich neben Artischocke und Gelbwurz vor allem Kümmel, Schafgarbe und Löwenzahn.

Für einen Galletee bei leichteren Beschwerden werden folgende Zutaten benötigt:

  • 15 %Kümmel
  • 30 % Schafgarbe
  • 30 % Löwenzahn
  • 25 % Pfefferminze

Zubereitung: Etwa 1 bis 1 ½ Teelöffel der Mischung werden mit kochend heißem Wasser übergossen. Der Sud sollte etwa 8 bis 10 Minuten ziehen. Der Tee sollte dann bestenfalls vor oder während den Mahlzeiten getrunken werden. Mehr als drei Anwendungen pro Tag sollten nicht erfolgen.

Grundsätzlich sollte jedoch geklärt werden, ob Gallensteine vorliegen. Wird nämlich die Galleproduktion durch die Einnahme galletreibender oder gallefördernder Medikamente angeregt, kann das die Symptome bei Steinen stark verschlechtern. Bei ungeklärten Symptomen ist daher der Gang zum Arzt unerlässlich.

Einfacher Verdauungstee

Leidet man allgemein unter Völlegefühl nach dem Essen, kann man mit einem einfachen Verdauungstee wieder auf die Beine kommen. Kräuter, die die Magentätigkeit und die allgemeine Verdauung anregen, sind vor allem die klassischen Doldenblütler Anis, Kümmel und Fenchel. Kümmel regt die Galle an, unterstützt somit die Fettverbrennung und kann leichter Übelkeit entgegenwirken. Anis hingegen wirkt blähungswidrig und unterstützt die Aktivitäten im Magen.

Fenchel, Kümmel und Anis

Eine Mischung aus Fenchel, Kümmel und Anis kann die Verdauung anregen (Foto: Heike Rau / fotolia.com)

Für einen einfachen können die drei Kräuter im gleichen Verhältnis gemischt werden:

  • 33,3 % Fenchel
  • 33,3 % Anis
  • 33,3 % Kümmel

Ein Fenchel-Kümmel-Anis Tee sollte etwa 8 - 10 Minuten ziehen. Er kann direkt nach den Mahlzeiten in kleinen Schlückchen getrunken werden.


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