Logo Kräuterbuch

Kräuter als Wunderwaffe gegen Schädlinge

Viele Gärtner kennen das Problem: Mit großer Mühe wird der eigene Garten umgegraben, bepflanzt von Unkraut befreit und gedüngt. Wie aus dem Nichts vergnügen sich plötzlich Schädlinge an Blumen, Gemüse und Obstpflanzen. Dazu zählen unter anderen Schnecken, Blattläuse, Thripsen, Pilze, Milben oder Raupen. Im Gartenfachhandel gibt es durchaus jede Menge an Insektiziden zu kaufen, die einen mögen helfen, andere hingegen sind eher nutzlos. Doch warum immer die chemische Keule verwenden, wenn es auch Möglichkeiten gibt, die Schädlinge auf natürlichem Wege Herr zu werden?

Wirksame Inhaltsstoffe halten Schädlinge fern

Sicherlich werden Sie sich fragen, was an Kräutern so besonderes ist und warum ausgerechnet sie Schädlinge fernhalten sollen. Um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten, muss man sich ein klein wenig mit den Inhaltsstoffen der Kräuter und ihrer Existenz auseinandersetzen.

Die Natur hat es eingerichtet, dass nahezu jede Art im Laufe der Evolution bestimmte Abwehrmechanismen entwickelt hat, um zu überleben. Das gilt für die Pflanzenwelt genauso wie für die Tierwelt. Ein einfaches Beispiel aus der Tierwelt ist die Wespe. Würde die Wespe nicht über ihren Abwehrstachel verfügen, wäre sie eine für viele insektenfressende Tiere eine leichte Beute. Ihr Stachel schützt sie also vor vielen Fressfeinden. Ähnlich wie bei den Tieren schützen sich auch viele Pflanzen vor Fressfeinden. Einige Pflanzen haben eher äußere Schutzmechanismen, wie z.B. die Rose oder der Weißdorn, welche Dornen entwickelt haben, um z.B. von größeren Pflanzenfressern wie Kühen oder Ziegen verschont zu werden. Andere Pflanzen, und darunter zählen viele Kräuter, haben ganz spezielle Inhaltsstoffe, die sie vor Fressfeinde schützen. Diese Inhaltsstoffe können ganz unterschiedliche Wirkungen haben. Einige Substanzen wehren Insekten durch ihren Duft ab, andere Stoffe sind giftig und führen dem Fressfeind Verletzungen oder sogar den Tod zu. Es gibt jedoch auch Inhaltsstoffe, die für Insekten zum Beispiel einfach nur ungenießbar sind.

Ein wohl bekanntes Kraut mit wirksamen Inhaltsstoffen ist die Brennnessel. Jeder kennt das lästige Brennen, das einem wiederfährt, wenn man mit der nackten Haut über die Pflanze gestrichen ist. Betrachtet man eine Brennnessel genauer, fallen sofort die spitz zulaufenden Brennhaare auf. Diese Brennhaare wirken in etwa wie eine medizinische Spritze. Diese Haare sind mit Methansäure (Ameisensäure), Acetylcholin, Histamin und Serotonin gefüllt und verursachen bei Berührung zunächst einen brennenden Schmerz. Für den Schmerz ist im übrigen der Stoff Acetylcholin verantwortlich. Nach kurzer Zeit bilden sich auf der Haut Quaddeln, die erst nach einiger Zeit wieder verschwinden.

Zu den wirksamen Inhaltsstoffe, die in Kräutern vorkommen, zählen u.a. die Tannine und Elagtannine. Diese verursachen einen bitteren Geschmack, der den meisten Insekten nicht bekommt. Als ebenfalls hochwirksame Stoffe gegen Fressfeinde zählen die Senfölglykoside. Diese schmecken scharf, riechen stechend und setzen zudem weitere giftige Stoffe frei(so genannte Isothiocyanate).

Einige Pflanzen haben sogar Inhaltsstoffe, die die Vermehrung von Mikroorganismen wie Pilzen oder Bakterien hemmen oder stoppen können. Diese als Phytolexine bezeichneten Stoffe werden unmittelbar dann von der Pflanze produziert, wenn eine Infektion mit Mikroorganismen stattgefunden hat. Zu den Phytolexinen gehören Stoffgruppen wie die Flavonoide, Alkaloide oder Isoflavone. Genau diese Stoffe sind es im Übrigen auch, die u.a. für die Heilkraft einiger Kräuter verantwortlich sind.

Kräuter gegen Schädlinge

Mediterrane Duftkräuter

Einige mediterrane Duftkräuter wie Lavendel, Oregano, Salbei und Thymian setzen Duftstoffe frei, die Schädlinge wie Blattläuse abschreckend wirkt. Kräuter wie der Lavendel werden beispielsweise sehr gern in die Nähe von Rosen bepflanzt, um Läuse abzuwehren. Verantwortlich sind hier die ätherischen Öle des Lavendels.

Der Salbei hilft auf der anderen Seite gegen unwillkommene Gäste wie Kohlweißlinge, Raupen, Schnecken und mitunter auch gegen Läuse. Salbei (Salvia officinalis) wird in einigen Naturgärten vor allem als natürliche Abwehr gegen Schnecken eingesetzt, die das Aroma des Krautes nicht mögen. Hier sind es vor allem Stoffe wie der Thujon, den die Schädlinge nicht bekommen



Kräuter gegen Mehltau

Zugegebenermaßen lässt sich der Mehltau durch Kräuter nicht bekämpfen. Durch gezielte Anpflanzung kann man allerdings dafür sorgen, dass er gar nicht erst entsteht. Als geeignete Kräuter bzw. Pflanzen gelten Kerbel, Knoblauch und Schnittlauch. Haben Sie jedes Jahr anfällige Pflanzen zu beklagen, können Sie z.B. Schnittlauch dazwischen einpflanzen. Insofern der Mehltau noch nicht sonderlich fortgeschritten ist, ist die Einpflanzung von Schnittlauch oder Knoblauch in direkter Nähe der betroffenen Pflanze dennoch einen Versuch wert. Grundsätzlich sollten Sie bei Befall mit Mehltau sämtliche Stickstoffdüngung unterlassen, da Sie dem Pilz dadurch jede Menge Nahrung verschaffen. Viele Pilze wie Mehltau oder Rost sind meist auch ein Indikator, dass die Böden oder Erden etwas überdüngt sind.

Kräuterjauchen und Kräuterauszüge mit Brennnessel

Brennnesseljauchen und Brennnesselauszüge finden in einigen Gärten recht häufig Verwendung. Sie gelten als hervorragendes natürliches Pflanzenschutzmittel, welches sich für viele Anwendungen nutzen lässt. Auf viele Insekten, darunter Blattläuse, Thripsen und auch Raupen, wirkt die Jauche abschreckend. Für die Herstellung einer Jauche sollten etwa 1 kg Brennnesselblätter auf 10 Liter Wasser in einem Eimer angesetzt werden. Der Ansatz sollte so lange im Eimer verweilen, bis der sich bildende Schaum auflöst und das Wasser eine eher dunkle Farbe angenommen hat. Um den Geruch, der zwangsläufig entsteht, zu minimieren, eignen sich Urgesteinsmehl oder Zeolithmehl ganz hervorragend.

Um die Kräuterjauche nun auf ihre Pflanzen anzuwenden, muss sie verdünnt werden. Pure Jauche kann auch Schäden an ihren Pflanzen zur Folge haben. Als bestes Mischungsverhältnis wird meist 1:10 empfohlen, d.h. auf 1 Einheit Jauche kommen 10 Einheiten Wasser. Die Jauche kann als Gießwasser verwendet werden und direkt auf die Pflanzen aufgetragen werden.

Bitte bedenken Sie, dass Sie nicht nur einen wirksamen Pflanzenschutz verwenden, sondern auch gleichzeitig einen schwachen Stickstoffdünger. Brennnesseln sind reich an Stickstoff. Diesen Sachverhalt sollten Sie stets auch bei der Anwendung im Hinterkopf behalten, da es bei unsachgemäßer Anwendung auch zu Überdüngungen kommen kann. Dann sind vielleicht die Schädlinge weg, aber auch Ihre Pflanzen.

Im Übrigen eignen sich auch andere Pflanzen wie der Ackerschachtelhalm für die Herstellung von Jauchen, Brühen und Auszügen.


Sie wollen uns etwas mitteilen? Dann freuen wir uns auf Ihren Kommentar.

Weitere Kräuterartikel, die Sie interessieren könnten: