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Zitronenmelisse - Kräutersteckbrief

Zitronenmelisse - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Melissa officinalis

Die Zitronenmelisse ist eines der klassischen Küchen- und Heilkräuter, die in keinem Garten oder auf dem Balkon fehlen darf. Das milde, zart nach Zitronen duftende Aroma, macht die Zitronenmelisse zu einem der beliebtesten und vielseitigsten Gewürzkräuter. Die in der Melisse enthaltenden Inhaltsstoffe helfen außerdem bei nervöser Unruhe oder bei Magenbeschwerden.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Zitronenmelisse

Herkunft und Vorkommen der Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse stammt ursprünglich aus dem warmen Süden und Südosten von Europa. Mittlerweile wird die einstige Wildpflanze kultiviert und ist deshalb auch in Mittel- und Westeuropa sowie weithin bis nach Westasien sowie im gesamten Mittelmeerraum anzutreffen. In diesen Gebieten kommt die Melisse teilweise auch wild wachsend vor, da sie relativ geringe Ansprüche an den Standort hat und sich mittels unterirdischer Wurzelausläufer und per Selbstaussaat leicht ausbreitet.

Systematik der Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse oder auch einfach nur Melisse (Melissa officinalis) ist ein Vertreter der Familie der Lippenblüter (Lamiaceae) sowie der botanischen Unterfamilie Nepetoidaea. Die Melisse ist damit Angehöriger einer Familie, die sehr viele bekannte Nutz- bzw. Heilkräuter wie dem Salbei, dem Rosmarin oder dem Thymian beinhalten.

In der näheren Verwandtschaft ist die Melisse ein Angehöriger der gleichnamigen Gattung der Melissen (Melissa). Diese Gattung hat mit lediglich vier Arten nur wenige Vertreter. Melissa officinalis ist gleichzeitig der bekannteste Vertreter.

Von der Melisse gibt es noch zwei Unterarten, die sich in ihrer Wuchshöhe sowie im Duft unterscheiden. Die angenehm duftende und nicht so hoch wachsende Art ist Melissa officinalis ssp. officinalis, die unangenehm duftende wird als Melissa officinalis ssp. altissima bezeichnet.

Synonyme Namen der Zitronenmelisse sind: Melisse, Zitronenkraut, Bienenkraut, Citronella, Gartenmelisse, Frauenwohl oder Wanzenkraut.

Merkmale der Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse ist eine ausdauernde bzw. mehrjährige krautige Pflanze. Die Wuchshöhe von Zitronenmelissen ist abhängig von der Art der Kultivierung und der jeweiligen Unterart. Pflanzen in Kübelkultur werden meist nur 30 bis 60 cm hoch, wohingegen freiwachsende Zitronenmelissen im Garten bis zu 1,20 m hoch werden können.

Charakteristisch für Zitronenmelisse ist der zitronenartige Duft der Blätter, der wahrgenommen werden kann, wenn man vorsichtig die Blätter entlang streift oder die Blätter zwischen den Fingern zerreibt. Bei der Unterart Melissa officinalis ssp. altissima ist der Duft jedoch weniger angenehm ausgeprägt. Verantwortlich für den Duft sind mikroskopisch kleine Öldrüsen, die die ätherischen Öle enthalten und entsprechend absondern.

Die Blätter der Melisse weisen eine eiförmige Form auf, sind dabei am Rand gezahnt und in der am Blattende leicht gespitzt. Optisch sind die saftig grünen Blätter der Zitronenmelisse denen von Brennnesseln sehr ähnlich. Nichtsdestotrotz sind die bis zu fünf cm langen und drei cm breiten Blätter leicht behaart. Die Blätter sitzen an dem vierkantigen und aufrecht wachsenden Stängel, der leicht behaart oder kahl sein kann.

Unterhalb des Bodens bildet die Melisse ein ausgedehntes Wurzelwerk, Rhizom genannt. Auf diese Weise vermehrt sich die Zitronenmelisse neben der Selbstaussaat von allein. Die Wurzeln liegen flach und haben eine leicht bräunliche bis weißliche Färbung.

Die Blütezeit der Zitronenmelisse liegt meist zwischen Anfang Juni bis Ende August. Dort zeigen sich die typisch filigranen Lippenblüten. Die Farbe der bis zu sieben quirlständigen, zwischen den Blattachsen erscheinenden Blüten ist meist weiß, kann jedoch auch violette, rosa oder blaue Farbtöne enthalten. Nach der Blütezeit bilden sich kleine eiförmige Nussfrüchte, die die deutlich braunen Samen enthalten.

Nach erfolgreicher Befruchtung, insbesondere durch Bienen - der Name Melisse stammt übrigens aus dem griechischen Wortschatz und wird mit Honigbiene (griech: melitta) übersetzt - bilden sich Samenfrüchte. Die Melisse, die auch den volkstümlichen Namen Bienenkraut trägt, ist also eine gut besuchte Bienenweide.



Zitronenmelisse – Aussaat und Pflege

Die Zitronenmelisse ist eine pflegeleichte Pflanze, die nur wenige Ansprüche stellt. Das Kraut gedeiht sowohl an halbschattigen Standorten wie auch an vollsonnigen, wobei das namensgebende Zitronenaroma an Plätzen in der Sonne stärker ausgebildet wird.

Der Boden für Zitronenmelisse sollte locker und humusreich sein. Phasen kurzer Trockenheit übersteht die Zitronenmelisse ohne Probleme. Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanze regelmäßig gegossen wird; Staunässe aber vermieden wird.

Die Vermehrung von Zitronenmelisse kann auf dreierlei Weise erfolgen: Aussaat, Stecklinge oder Teilung des Wurzelstocks. Bereits im Spätwinter können die Samen der Zitronenmelisse in die Erde gebracht werden. Allerdings nur in Pflanzschalen im warmen Haus. Wichtig ist, dass die Samen nicht mit Erde bedeckt werden, da die Melisse ein Lichtkeimer ist. Bis sich die erste Sprößlinge zeigen, vergehen mitunter zwei bis drei Wochen. Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat im Freiland bzw. auf dem Balkon ist Ende Mai, wenn die Zeit der Fröste vorbei ist. Im Freiland sollten Abstände von wenigstens 20x20cm eingehalten werden.

Melisse kann auch hervorragend in Kräuterspiralen angebaut werden. Die Pflanze sollte hier in einer Zone mit nährstoffreicher, humoser Erde gepflanzt werden. Das Kraut ist ein guter Nachbar zu den meisten anderen Kräuter, mit Ausnahme des Wermuts.

Alternativ kann man im Frühjahr, wenn bereits existente Pflanzen großzügig zurückgeschnitten werden sollten, aus dem Rückschnitt Stecklinge ziehen. Die Stecklinge werden bis auf die obersten grünen Blätter von anderen Blättern entfernt und in Anzuchterde gepflanzt.

Eine andere Art der Vermehrung ist die Teilung. Zitronenmelisse bildet ähnlich wie Schnittlauch ganze Horsten, die man mühelos verjüngen kann, indem man die Pflanze ausgräbt und den Wurzelstock teilt und anderenorts wieder einpflanzt.

Viel Pflege benötigt die Zitronenmelisse über das Jahr gesehen kaum. Regelmäßig gießen, im Frühjahr und Herbst mit Kompost düngen sind die wesentlichen Maßnahmen. Auch im Winter sind keine weiteren Vorkehrungen notwendig. Lediglich Pflanzen, die in Töpfen und nicht direkt im Garten in der Erde wachsen, sollten abgedeckt werden oder zum Überwintern an einen kühlen, hellen Platz im Haus untergebracht werden.

Mögliche Krankheiten, von denen die Melisse befallen werden kann, sind der Mehltau sowie der Rost. Beim Mehltau zeigen sich auf den Blätter die typischen weißen Beläge. Braunrote Flecken auf Zitronenmelissen deuten hingegen auf Rost, eine Pilzerkrankung, die zahlreiche Kräuter betrifft, vor allem in sehr feuchten Sommern. Im Fall vom Rost helfen meist keine Hausmittel, sondern nur ein großzügiger Schnitt der Pflanze.

Außerdem ist die Zitronenmelisse eine wachstumsfreudige Pflanze, die ohne Weiteres bis zu drei Mal im Jahr kräftig gestutzt werden kann und immer wieder neu austreibt. Der Rückschnitt kann entweder als Steckling verwendet werden oder für die Verwendung als Küchen- oder Teekraut getrocknet werden (siehe Kräuter richtig trocknen). Optimal für den Rückschnitt ist der Zeitpunkt vor der Blüte, die Blätter sind am aromatischsten, weil die Pflanze ihre Energie noch nicht in die Blüten übergegangen ist.

Melisse und ihre Verwendung

Vielen ist die Zitronenmelisse vor allem als Tee bekannt – pur oder gemischt mit anderen Kräutern. Aber auch als schmackhafte Zutat mit einer dezenten frischen Note ist die Zitronenmelisse in zahlreichen Gerichten nicht zu verachten.

Zitronenmelisse in der Küche

Die Melisse kann in der Küche als Gewürzkraut gut eingesetzt werden und erfreut sich steigender Beliebtheit. Das Kraut mit ihrem zart krautigen, leicht zitronigen Geschmack ist eine Bereichung für viele Speisen.

Zitronenmelisse ist ein ausgezeichnetes Kraut für Fisch. Am besten kommt das Aroma der Zitronenmelisse zur Geltung, wenn die Blätter schonend verarbeitet werden, indem sie z.B. in einem Päckchen zusammen mit dem Fisch im Ofen gegart werden. Wesentllich kräftiger kommt das Aroma zum Tragen, wenn die zerkleinerten Blätter erst kurz vor dem Servieren zum Essen dazugegeben werden.

Ebenso harmoniert Zitronenmelisse zu frisch zubereiteten Salaten – egal, ob Blattsalate oder fruchtige Obstsalate. Hier sind jedoch zugunsten des Aromas frisch von Pflanze gezupfte Blätter dem getrockneten Kraut vorzuziehen.

Immer mehr im Kommen sind zudem Rezepte für Marmelade, Gelees und Konfitüren, die auf Zitronenmelisse als Zutat setzen. Auch für andere Süßspeisen wie Melissen-Sorbet oder Melisseneis ist das Kraut ganz hervorragend geeignet.

Da sich die Melisse zum Trocknen relativ gut eignet, kann man das Kraut ganzjährig nutzen. Die Stängel werden nach Abschneiden in kleinen Sträußchen zusammengebunden und „kopfüber“ an einem dunklen, luftigen Ort aufgehängt. Schon nach wenigen Wochen sind die Blätter durchgetrocknet und können genutzt werden. Allerdings ist das Aroma etwas weniger intensiv gegenüber dem frischer Blätter.

Zitronenmelisse als Heilkraut

Große Aufmerksamkeit genießt die Zitronenmelisse seit Jahrhunderten als Heilkraut. Bereits Ärzte in der Antike wussten um die beruhigende, stimmungsaufhellende Heilwirkung der Zitronenmelisse. Populär war die Zitronenmelisse auch bei Hildegard von Bingen.



Heutzutage ist die Zitronenmelisse immer noch Bestandteil vieler Kräuterapotheken. Vor allem in Form von Melissentee wird die Pflanze als Hausmittel verwendet. Einsatz findet die Zitronenmelisse bei

  • allgemeinen Magen-Darm-Problemen
  • Appetitlosigkeit
  • Krämpfen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit in der Schwangerschaft

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die beruhigende Wirkung der Zitronenmelisse, weshalb sie bei Schlafstörungen hilfreich sein kann – pur oder in Kombination mit anderen schlaffördernden Kräutern wie Baldrian oder Lavendel.

Ein Tee aus Zitronenmelisse ist zudem ein altes Mittel gegen krampfartige Menstruationsbeschwerden oder wenn sich eine Erkältung mit leichtem Fieber und Husten ankündigt.

Erwiesen wurde zudem die antivirale Wirkung der Zitronenmelisse, getestet wurde dabei vor allem auf das Herpes Simplex-Virus.

Ebenso probat ist Melissentee in der äußerlichen Anwendung bei Insektenstichen. Dazu wird eine Mullwindel in den Tee getunkt und um die Einstichstelle gewickelt. Einreibungen mit dem Tee sind ebenfalls wirksam bei Muskelverspannungen, bestehendem Muskelkater oder zur Vorbeugung selbigens.

Im Handel werden zudem Wannenbäder – vor allem Entspannungsbäder, die Zitronenmelisse enthalten. Allerdings lohnt sich hier ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe, denn aufgrund des hohen Preises für reines Melissenöl werden oft auf synthetische Inhaltsstoffe verwendet.

Zitronenmelisse kaufen - Was gibt es zu beachten?

Zitronenmelissenpflanzen sollten beim Kauf kräftig gewachsen sein. Viele schnell hochgezogene Pflanzen weisen kraftlose, hängende Stengel auf, die im Normalfall aufrecht stehend und stabil sein sollten. Achten Sie auch darauf, dass die Blätter keine weißen oder rostbraunen Stellen zeigen, die ein Hinweis auf bereits bestehende Pflanzenkrankheiten sein können. Auch sollte das typische Aroma der Zitronenmelisse zu duften sein.

Getrocknete Melissenblätter finden sich eignentlich in allen guten Kräuterläden, Apotheken und Onlineshops. Da der Anbau von Melisse nicht sonderlich aufwändig ist, sind die Preise für die Blätter meist auch recht niedrig. Getrocknete Melissenblätter werden meist für Teezubereitungen oder als Badezusatz verwendet.

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