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Waldmeister

Waldmeister (Galium odoratum) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Der Waldmeister (Galium odoratum) ist ein sehr bekanntes Frühjahrskraut und wird häufig für Bowlen, Götterspeise und andere Süßspeisen verwendet. Weniger bekannt ist, dass das Waldmeisterkraut auch in der Heilkunde eingesetzt wird und dort Leberbeschwerden, Einschlafschwierigkeiten und sogar Migräne lindern kann. Doch trotz seiner vielfältigen Nutzung in Küche und Pflanzenheilkunde darf die auch als wohlriechendes Labkraut bezeichnete Pflanze nicht überdosiert werden.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Waldmeisters

Herkunft und Vorkommen des Waldmeisters

Der Waldmeister ist ein häufig vorkommendes Kraut in ausgedehnten Laubwäldern, wobei er vor allem in Buchenwälder gesammelt werden kann. Er kommt sowohl in Nord- und Mitteleuropa als auch bis nach Osteuropa und Westasien vor. Er ist zudem in Höhenlagen bis etwa 1.400 Metern Höhe anzutreffen.

Synonyme Namen des Waldmeisters (Galium odoratum) sind Walstro, Maikraut, Maiblume, geflecktes Labkraut, wohlriechendes Labkraut oder Herzfreund.

Systematik von Galium odoratum

Der Waldmeister (Galium odoratum) ist ein Vertreter der Rötegewächse (Rubiaceae), die in der Kräuterheilkunde eher selten in Erscheinung treten. Das Kraut ist mit Nutzpflanzen wie dem Kaffee oder dem Chinarindenbaum verwandt. Ferner gehört der Waldmeister zur Gattung der Labkräuter, die mit etwa 650 Arten sehr artenreich ist. Volksmedizinische Nutzung haben neben dem Waldmeister (auch als geflecktes Labkraut bekannt) u.a. das Kletten-Labkraut (Galium aparine), das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) sowie das Echte Labkraut (Galium verum).

Ein bekannter Beiname der sich von der botanischen Bezeichnung Galium odoratum ableitet ist wohlriechendes Labkraut. Dieser Name bezieht sich auf den intensiven Blütenduft der Pflanze.

Merkmale des Waldmeisters

Der Waldmeister ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 10 und 50 cm erreichen kann. Die Pflanze besitzt einen kriechenden Wurzelstock (Rhizom), der als Überdauerungsorgan und vegetatives Vermehrungsorgan dient.

Die Blätter des Waldmeisters sind sehr charakteristisch. Die lanzettlichen, rauen und zwischen 2 bis 5 cm großen Blätter sitzen an den vierkantigen Stängeln. Die Blätter sind in so genannten Quirlen angeordnet, was bedeutet, dass zwischen 6 und 8 Blätter an einem Blattknoten angeordnet sind. Die Blätter sind durch ein weißliches Segment in der Mitte geprägt, welches von der Blattspitze bis zum Blattknoten reicht.

Blätter vom Waldmeister (Galium odoratum)
Die meist acht Blätter (seltener 6 oder 7) sind kreisförmig in einer Quirle angeordnet

Waldmeister blüht meistens in der Zeit zwischen Anfang April und Anfang Juni. Die Blütedauer ist stark abhängig vom Standort und den jeweils herrschenden Wetterbedingungen. Während der Blütezeit bildet die beliebte Kräuterpflanze zierliche, sternförmige, weiße Blüten aus, die in einer so genannten Trugdolde sitzen. Die Kronblätter sind vierzählig und werden bis zu 8 mm breit. Jede Blüte enthält vier Staubblätter. Die Blüten haben einen charakteristischen und aromatischen Duft, der nach dem Welken intensiver wird.

Blüte von Waldmeister
Die kleinen und zierlichen weißen Blüten des Waldmeisters (Galium odoratum) strömen einen angenehmen Geruch aus

Aus den zwittrigen Blüten entwickeln sich zur Zeit der Fruchtreife Spaltfrüchte, die in zwei Teilfrüchte zerfallen. Die bis zu 3 mm langen Früchte enthalten Klettborsten, die sich an Tieren anhaften und so der Ausbreitung des Labkrauts dienen.

Waldmeister - Aussaat und Pflege

Waldmeister ist eine anspruchlose und pflegeleichte Pflanze, insofern sie einen optimalen Standort hat und immer mäßig bis gut feuchtgehalten wird. In vielen Gärten wird Waldmeister als Schmuck- und Duftpflanze kultiviert.

Standort: Waldmeister wächst bevorzugt an schattigen bis halbschattigen Standorten mit feuchten, leicht kalkhaltigen, nährstoffreichen Böden. Optimal ist der Anbau unter schattenspendenden Laubbäumen oder auf Balkonen mit Nord- oder Ostausrichtung.

Aussaat und Anbau: Die Aussaat erfolgt am besten zwischen Oktober und Februar. Das Kraut ist ein Kaltkeimer und benötigt über längere Zeit kalte Temperaturen und Frost, damit die Samen zu keimen beginnen. Je nach Zeitpunkt der Aussaat benötigen die Samen zwischen 20 und 100 Tagen, bis die ersten Keimblätter sichtbar werden. Wird die Pflanze auf dem Balkon kultiviert, reicht handelsübliche Blumenerde als Anzuchtmedium vollkommen aus. Im Garten sollte ein Pflanzabstand von mindestens 20 x 20 cm eingehalten werden, da anderenfalls Nährstoffkonkurrenz vorherrscht.

Die Kultivierung sollte immer über einen längeren Zeitraum erfolgen. Waldmeister kann sich dadurch einfach besser entwickeln, indem es vorteilhaftere Überdauerungsorgane (Rhizome) schafft und die Pflanze widerstandsfähiger macht. So hat man länger etwas vom Kraut ohne jedes Jahr neu anpflanzen zu müssen.

Wie viele einheimische Kräuter lässt sich Waldmeister auch im heimischen Garten oder auf dem Balkon anpflanzen. Da das Labkraut halbschattige bevorzugt sind westliche oder östliche Balkonlagen optimal. Bei Südlagen sollte ein sonnengeschützter Platz gewählt werden.

Düngung: Im ersten Jahr muss nicht gedüngt werden. Waldmeister ist ein Schwachzehrer und benötigt nur wenig Nährstoffe. Im zweiten Jahr sollte maximal nur ein leichter Dünger wie Kompost verwendet werden. Wächst Waldmeister auf dem Balkon in Blumenerde, kann im zweiten Jahr einmalig ein Flüssigdünger verwendet werden. Grundsätzlich ist gebrauchsfertige Blumenerde ohnehin vorgedüngt, sodass im ersten Jahr keine Düngung vonnöten ist. Voraussetzung ist jedoch, dass das Pflanzgefäß bzw. der Topf Pflanze genügend Platz bietet.

Gießen: Besonders wichtig ist die Wasserversorgung der Pflanze. Waldmeister sollte immer feucht (aber nicht nass) gehalten werden. Ein längeres Austrocknen der Erde muss unbedingt vermieden werden, da sonst auch der vegetative Teil der Pflanze (Rhizom) eingehen kann.

Ernte: Bei der Ernte von Waldmeister ist zu beachten, dass durch das Trocknen des Krauts das enthaltende Cumaringlykosid in Cumarin gespalten wird, wodurch sich der Geschmack leicht verändert. Gepflückt werden sollte der Waldmeister am besten vor dem Einsetzen der Blüte.

Krankheiten und Schädlinge: Galium odoratum ist eine recht anspruchslose und widerstandsfähige Pflanze. Bei sachgemäßer Pflege sind Krankheiten oder Schädlingsbefall nur selten zu beobachten. Bei zu geringen Pflanzabständen und längerer hoher Luftfeuchte können sich bräunliche bis ockerfarbene Beläge auf den Blättern bilden. Meist handelt es sich dann um falschen Mehltau. DIe Blätter sollten großflächig entfernt werden. Ein Befeuchten der Blätter sollte dann zunächst vermieden werden.

Überwinterung: Gegen Ende Oktober/Anfang November wird der Waldmeister auf den Winter vorbereitet. Pflanzen, die im Freiland nicht in Topfkultur gedeihen, werden mit Laub und Reisig vorsichtig abgedeckt. Waldmeister in Blumenkästen oder Pflanzkübeln wird zum Frost hin ins Treppenhaus geholt.

Waldmeister und dessen Verwendung

Waldmeister ist vielen als Kraut für süße Speisen und Getränke bekannt. Tatsächlich gibt es unzählige Rezepte für die Zubereitung der auch als Maiblume bekannten Pflanze. Weniger bekannt ist, dass der Waldmeister auch ein altbekanntes Heilkraut ist, welches in der Volksmedizin auch heute noch Verwendung findet.

Waldmeister als Gewürzkraut

In der Küche wird Waldmeister meist für Süßspeisen oder Getränke verwendet. Das Aroma des Krauts wird vor allem durch den Inhaltsstoff Cumarin beeinflusst. Es hat einen sehr eigenen Geschmack, der mit anderen Kräutern und Geschmäckern nicht vergleichbar ist. Pur kann man ihn als leicht bitter mit einem angenehm frischen Nachgeschmack vergleichen.

Waldmeister ist in vielen handelsfertigen Getränken als Geschmacksträger enthalten. Recht häufig finden sich daher Waldmeisterlimonaden, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind. Das Kraut ist jedoch auch in Form von Sirup sowie als Likör erhältlich. Möglich, und auch recht beliebt, ist die Verwendung der Pflanze in Cocktails oder Bowlen. Die berühmte Waldmeisterbowle (Maibowle), die aus Weißwein und Sekt zubereitet wird, wird häufig auf Feierlichkeiten getrunken.

Aber auch bei der Zubereitung von süßen Gerichten setzen Kenner auf das grüne Kraut aus dem Wald. Recht große Bekanntheit dürfte der Waldmeisterwackelpudding bzw. die Götterspeise haben, die durch ihre auffällige Farbe immer wieder ein Hingucker ist. Auch für Cremes, Torten, Muffins bzw. Cupcakes und Füllungen gibt es jede Menge Rezepte, für die vor allem der Waldmeistersirup verwendet wird. Für Süßspeisen lässt sich Waldmeister auch mit anderen Kräutern wie Pfefferminze, Stevia oder Gundelrebe kombinieren.

Wackelpudding aus Waldmeister
Waldmeisterpudding (Wackelpudding) mit Vanillesoße ist die wohl bekannteste Speise (Foto: tunedin/fotolia.com)

Bei der Herstellung handelsfertiger Getränke werden nicht selten synthetische Inhaltsstoffe verwendet, die den Geschmack von Waldmeister imitieren sollen. Grund ist, dass für den im Kraut enthaltenden Inhaltsstoff Cumarin Höchstwerte festgelegt wurden. Bei häufigem Gebrauch können durch dieses Cumarin Kopfschmerzen sowie Leberbeschwerden auftreten. Der gelegentliche Verzehr gilt als vollkommen unbedenklich. Kinder sollten jedoch nur selten und wenn, dann nur geringe Mengen waldmeisterhaltiger Speisen und Getränke zu sich nehmen.

Waldmeister als Heilpflanze

Der Waldmeister war bereits in der Antike sowie im Mittelalter als Heilkraut bekannt. Allerdings war sein Anwendungsspektrum meist auf äußerliche Beschwerden begrenzt. In alten Kräuterbüchern wird der Waldmeister u.a. als Walstro beschrieben. P. A. Matthioli (16. Jahrhundert) empfahl die Wurzel des Krauts zur Erlangung der Unkeuschheit, womit vermutlich eine gesteigerte Libido gemeint ist. Die Blüten der Pflanze wurden als Pulver zerstoßen bei Brandwunden verwendet. Die Blätter sowie die Blüten wurden auch für Fußbäder verwendet, um vermüdete Glieder zu beleben. Waldmeister wurde in verschiedenen Klöstern als Heilkraut angebaut.

Darstellung Waldmeister im mittelalterlichen Kräuterbuch
Heilkundliche Beschreibung des Waldmeisters (hier als Walstro) bezeichnet aus dem Buch von P.A. Matthioli

Die im Waldmeister enthaltenden Inhaltsstoffe wirken im Allgemein antientzündlich, antibakteriell, antioxidativ sowie teilweise antiviral (gegen Herpes Simplex). In einigen Studien wurde der Einsatz des Waldmeisters als mögliches Mittel bei Brandwunden erforscht. Dort konnte beobachtet werden, dass die Wirkung vieler Inhaltsstoffe (Gerbstoffe, Flavonoide, Cumarin) zu schnellerer Hautregeneration führten [1].

In der Volksmedizin wird das Waldmeisterkraut heute noch gelegentlich bei einigen Beschwerden bzw. Kuren eingesetzt. Bekannte Anwendungen sind kleinere Beschwerden bei Galle und Leber oder Magen- und Darmleiden (Magen- und Darmkrämpfe). Weitere Anwendungsgebiete sind aber vor allem die folgenden:

  • nervöse Unruhezustände
  • Einschlafstörungen
  • Migräne
  • Menstruationsbeschwerden
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Furunkel und Geschwüre
  • Wunden und Verletzungen der Haut

Eingenommen wird der Waldmeister häufig in Form eines Kräutertees. Für einen Waldmeistertee (250 ml) benötigt man 1 bis 2 Teelöffel frisches oder getrocknetes Kraut, welches mit heißem Wasser übergossen wird. Der Tee muss etwa 5 bis 7 Minuten ziehen. Waldmeistertee kann mit Honig gesüßt werden. Für eine Behandlung wird das Heilgetränk zwischen zwei bis drei Mal pro Tag für eine Dauer von etwa einer Woche eingenommen.

Hinweise zur Anwendung und Nebenwirkungen: Waldmeister nicht dauerhaft und über einen längeren Zeitraum konsumieren. Überdosierungen können zu Kopfschmerzen sowie unter Umständen zu Leberbeschwerden führen. Schwangere sollten vom Konsum waldmeisterhaltiger Getränke und Hausmittel absehen.

Waldmeister kaufen – Was gibt es zu beachten?

Da Waldmeister ein beliebtes Frühjahrskraut ist, vor allem für die Herstellung der berühmten Maibowle, kann man es recht häufig in Pflanzencentern und Baumärkten erwerben. Werfen Sie einen Blick auf die Erde, ob diese ausreichend feucht ist. Qualitativ hochwertige Waldmeisterpflanzen haben einen reichen Blattwuchs pro Pflanze. Große Abstände zwischen den Blattknoten sind in der Regel Kennzeichen für eine mindere Qualität.

Für die eigene Kultivierung aus Samen stellen die meisten namhaften Saatguthersteller entsprechendes Saatgut zur Verfügung. Da Waldmeister keine seltene und aufwändig zu gewinnende Pflanze ist, sollten die Samen für eine Tüte von 9 Gramm nicht mehr als 1,50 EUR kosten.

Für medizinische Anwendungen sowie für die Anwendung in der Küche können auch getrocknete Waldmeisterkräuter erworben werden. Einige Teehersteller (z.B: Milford) bieten auch Waldmeistertee in Teebeuteln an. Die Preise für lose Kräuter bewegen sich im Mittelfeld, da die Nachfrage für Frischpflanzen höher ist, und getrocknete Kräuter daher seltener hergestellt werden.

Literaturnachweise:

  • [1]: Kahkeshani, N. et al. (2013): Antioxidant and burn healing potential of Galium odoratum extracs. In: Research in Pharmaceutical Sciences, Vol. 8, S. 197-203.
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