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Vietnamesischer Koriander

Vietnamesischer Koriander (Persicaria odorata) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Vietnamesischer Koriander FotoDer vietnamesische Koriander zählt bei uns, trotz seiner herausragenden kulinarischen Eigenschaften, immer noch als Exot. In der südostasiatischen Küche ist das, auch als Rau Ram bezeichnete Gewürzkraut, kaum aus der Küche wegzudenken. In der traditionellen Heilkunde Vietnams und Malaysia wird der vietnamesische Koriander zudem als Heilpflanze genutzt und soll u.a. Verdauungsbeschwerden und Hautkrankheiten lindern.

Pflanzenmerkmale und Systematik des vietnamesischen Korianders

Herkunft und Vorkommen des vietnamesischen Korianders

Die Gebiete Südostasiens, allem voran Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam, werden als die Heimat des vietnamesischen Korianders bezeichnet. Sie ist eine typische Pflanze der Tropen, die folglich feuchte Standorte benötigt. Da die Pflanze nur geringe Ansprüche hat, ist sie heute auch in Malaysia und Teilen Südchinas verwildert anzutreffen.

Durch die zahlreichen vietnamesischen Migrationsbewegungen Mitte der 20. Jahrhunderts, gelang die Pflanze sowohl nach Nordamerika als auch nach Westeuropa, was wohl letzten Endes auch ihren Namen erklärt.

Systematik des vietnamesischen Korianders

Der vietnamesische Koriander (Persicaria odorata) zählt zur Familie der Knöterichgewächse und hat systematisch mit dem echten Koriander keine Gemeinsamkeiten. Bekannte Vertreter dieser Pflanze sind der bei uns als Wildkraut bekannte Sauerampfer oder auch der häufig in der Küche verwendete Buchweizen. In der engeren Einordnung zählt der vietnamesische Koriander direkt zur Leitgattung der Knöteriche (Persicaria), die mit über 150 Arten weltweit vertreten sind.

Neben Persicaria odorata wird der vietnamesische Koriander auch häufig unter der botanischen Bezeichnung Polygonum odoratum geführt. Es gibt aktuell keine konkrete botanische Einordnung, weswegen beide Bezeichnungen theoretisch korrekt sind. Pflanzenanatomisch sollte jedoch eher die Bezeichnung Persicaria odorata gewählt werden, da der vietnamesische Koriander zur Gattung der Knöteriche (Persicaria) gehört.

Merkmale des vietnamesischen Korianders

Der vietnamesische Koriander ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 bis 50 cm erreicht. Die Wurzeln des Krauts sind engmaschig im Boden verzweigt, rötlich bis leicht bräunlich gefärbt und eher flach verankert.

Die Blätter des vietnamesischen Korianders zeigen ein charakteristisches Aussehen. Die lanzettlich bis spitz zulaufenden Blätter haben sind mintgrün gefärbt und zeigen in der Mitte eine sichelförmige, rötliche Verfärbung. Bei jungen Pflanzen und selten auch bei erwachsenen Pflanzen kann die Verfärbung jedoch auch ausbleiben. Die leicht gelblichen Blattnerven verlaufen halbkreisförmig von Blattrand zu Blattrand. Die Stängel des Gewürzkrauts sind rötlich und haben eine runde Form.

Blätter des vietnamesischen Korianders

Die typischen lanzettlichen Blätter des vietnamesischen Korianders (Foto: sakdinon/fotolia.com)

Die Blüten des vietnamesischen Korianders ragen meist über den oberen Blattbereich heraus. Die leicht rosa bis purpur gefärbten Blüten zeigen sich bei uns meist zwischen Mitte Juli bis Mitte September. Schwüle Sommer begünstigen bzw. verlängern die Blütezeit mitunter. Die zwittrigen Blüten sind in ährigen Blütenästen angeordnet. Jede Blüte besteht aus fünf Hüllblätter und mehrere Staubblätter.

Zur Zeit der Fruchtreife entwickeln sich aus den Blüten die für die Gattung typischen Nussfrüchte aus. Die bräunlichen bis fast schwarzen Samen zeigen eine spitz zulaufende Form. In unseren Breiten bleibt die Fruchtreife allerdings aus. Über die Ausbreitung der Pflanze gibt es derzeit leider nur unzureichende Informationen.

Vietnamesischer Koriander – Anbau und Pflege

Auch wenn der vietnamesische Koriander eigentlich aus dem Südosten Asiens stammt, lässt er sich in unseren Breiten meist problemlos kultivieren. Hat er an einem Standort erst mal Fuß gefasst, ist er sehr pflegeleicht und braucht lediglich etwas mehr Wasser als andere Pflanzen. Eine stiefmütterliche Behandlung macht der auch als wohlriechenden Knöterich bezeichneten Pflanze meist nichts aus.

Standort: Bevorzugter Standort des vietnamesischen Korianders sind luftfeuchte, warme und sonnige bis halbschattige Plätze. An den Boden stellt die Pflanze wenige Ansprüche. Vietnamesische Koriander lieben jedoch feuchte und lockere Böden, die nährstoffreich und nicht als zu sandig sind. Für den Anbau zuhause sind handelsübliche Blumenerden zu empfehlen, die aufgrund des hohen Wasserbedarfs am besten mit Perliten oder Zeolithen durchmischt werden. Diese Substrate können Feuchtigkeit speichern und bei Bedarf wieder an die Pflanze abgeben.

Aussaat: Samen werden in unseren Breiten nicht angeboten, so dass eine Anleitung, wie sich der vietnamesische Koriander aus Samen ziehen lässt, nicht gegeben werden kann. In unseren Breiten ist so gut wie nicht möglich, dass die blühenden Pflanzen überhaupt Samen produzieren, da die Blüten in der Regel steril sind. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass der vietnamesische Koriander bestimmte Bestäuber benötigt, die letztendlich die Fruchtreife hervorrufen.

Anbau: In Westeuropa können ausschließlich frische Pflanzen erworben werden, die ausnahmslos aus Stecklingen gezogen werden. Der vietnamesische Koriander lässt sich leicht durch Teilung vermehren. Es genügen etwa 6 bis 7 cm lange Stecklinge des Krauts, die dann in einer organischen Anzuchterde aufgezogen werden. Es genügen meist einfache Pflanztöpfe, da die Wurzeln des Krauts nicht sonderlich tief in die Erde reichen. Eine Anpflanzung im Freiland sollte aufgrund der Frostempfindlichkeit nicht in Betracht gezogen werden, es sei denn das Kraut wächst in einem Treib- bzw. Gewächshaus, das auch im Sommer Temperaturen von wenigstens 10 °C garantiert.

Düngung: Da der vietnamesische Koriander in den meisten Fällen in Töpfen kultiviert wird, müssen von Zeit zu Zeit Nährstoffe zugeführt werden. Die Pflanzen haben einen relativ hohen Nährstoffbedarf. Es wird empfohlen alle vier bis sechs Wochen einen stickstoffbetonten, bestenfalls organischen Dünger, zu verwenden. Typische Nährstoffmangelerscheinungen sind gelbe Blattränder oder frische Blätter, die - trotz ausreichender Feuchtigkeit - schnell an Vitalität verlieren. (Siehe auch Artikel Kräuter richtig düngen)

Gießen: Eine der Grundbedingungen, damit der vietnamesische Koriander gut gedeiht, ist ausreichend Feuchtigkeit. Das tropische Gewürzkraut ist an feuchte Regionen gewöhnt und verträgt langandauernde Trockenheit nicht. Kurzfristige Trockenphasen von bis zu einem Tag werden in den meisten Fällen jedoch gut vertragen. Sowie die Blätter allerdings herunterhängen, sollte schnellstmöglich gegossen werden.

Vietnamesischer Koriander und Pflege

Der vietnamesische Koriander braucht viel Feuchtigkeit, um optimal gedeihen zu können

Überwinterung: Die Pflanze ist eine in den tropischen Regionen der Erde beheimatete Pflanze. Wie die meisten Tropenpflanzen ist der vietnamesische Koriander nicht winterfest. Er toleriert zwar sehr kurzfristige Frosterscheinungen. Bei längeren Frosttagen bzw. langanhaltenden Minustemperaturen geht die Pflanze jedoch ein. Zwischen Mitte Oktober und Ende Anfang April sollte der vietnamesische Koriander daher an einem frostfreien und eher warmen Platz überwintert werden (siehe Artikel Kräuter überwintern).

Ernte: Sowie die Pflanze etwas an Blattmasse aufgebaut hat, können die Blätter des nach Koriander schmeckenden Gewürzkrauts das ganze Jahr über geerntet werden. Häufiges Ernten fördert das Wachstum der gesamten Pflanze im Allgemeinen. Es wird jedoch empfohlen in den Wintertagen nur wenige Blätter der Pflanze zu ernten, da Überwinterungsphasen in der Regel auch Stressphasen bedeuten.

Vietnamesischer Koriander und dessen Verwendung

Vietnamesischer Koriander als Küchenkraut

In unseren Breiten ist der vietnamesische Koriander noch relativ unbekannt. Allerdings bieten mittlerweile einige Händler frische Pflanzen an, so dass einige Feinschmecker mit dem Kraut schon in Berührung gekommen sind. Vor allem für Liebhaber der asiatischen Küche ist der Vertreter der Knöterichfamilie ein absoluter Geheimtipp, zumal er vielseitig einsetzbar ist.

Der Geschmack des vietnamesischen Korianders erinnert zweifelsohne an den echten Koriander (Coriandrum sativum), wenngleich auch etwas milder. Allerdings hat das Kraut noch eine leichte Zitrusnote, ist etwas bitterer und pfeffriger und besticht durch eine sanfte Moschusnote. Das Aroma ist mitunter sogar etwas variantenreicher als das des echten Korianders.

Traditionell findet das asiatische Gewürzkraut vor allem in den Küchen Vietnams, Kambodschas, Singapurs und Malaysias Verwendung. Touristen, die Gelegenheit fanden, den Süden Vietnams zu besuchen, werden mit ziemlicher Sicherheit einmal in Berührung mit der dort als Rau ram bekannten Pflanze gekommen sein. Der vietnamesische Koriander würzt dort u.a. Glasnudelgerichte, zahlreiche Salate, Eierspeisen, Entengerichte, Würzpasten und auch Fischgerichte.

Vietnamesische Reisbandnudelsuppe mit Rau Ram

Zahlreiche vietnamesische Gericht wie die Reisbandnudelsuppe Pho Bo werden u.a. mit vietnamesischem Koriander gewürzt (Foto: yuruphoto/fotolia.com)

Will man mit diesem interessanten Kraut würzen, sollte man dieses am besten frisch verwenden und in kleine Streifen schneiden oder hacken. Getrocknete vietnamesischer Koriander lässt sich zwar ebenfalls in der Küche verarbeiten, allerdings ist das Aroma nicht mehr ganz so intensiv und mitunter etwas bitterer. Die Blätter der Pflanze können grundsätzlich mitgekocht werden, sollten aber wenn möglich eher zum Schluss des Kochens oder Bratens zugefügt werden. Es genügen meist nur kleine Mengen des Krauts, um ein intensives Aroma zu erzeugen.

Vietnamesischer Koriander harmoniert ausgezeichnet mit dem roten Shiso (Perilla) und asiatischen Basilikumsorten. Auch zu gebratenem Knoblauch oder frisch gerösteten Zwiebeln kann er ein sehr interessantes Aroma erzeugen.

Wer das Kraut in der Küche ausprobieren möchte, kann es grundsätzlich für alle Speisen verwenden, für die auch der echte Koriander genutzt wird. Sehr schmackhaft ist der falsche Koriander in Kokosgerichten, Fischgerichten, Omelettes oder Glasnudelsalaten.

Vietnamesischer Koriander als Heilkraut

In der westlichen Naturheilkunde ist der vietnamesische Koriander nahezu unbekannt. In der asiatischen Heilkunde wird das Kraut jedoch für einige Beschwerden verwendet. In einigen Ländern Südostasiens hat die Einnahme des Krauts sogar eine lange Tradition und ist dort fester Bestandteil in der Pflanzenheilkunde.

Die in der Pflanze enthaltenden Inhaltsstoffe, die vor allem aus Sesquiterpenen, ätherischen Ölen, Flavonoiden und Aldehyden bestehen, haben u.a. folgende Eigenschaften:

  • antibakteriell
  • pilzhemmend
  • entzündungshemmend
  • libidohemmend
  • antioxidativ
  • fiebersenkend
  • leberschützend

In der traditionellen Medizin Südostasiens soll der vietnamesische u.a. bei folgenden Beschwerden helfen:

  • Allgemeine Verdauungsbeschwerden
  • Blähungen
  • Bakterielle Infektionen (u.a. Staphylokokken, Escherichia coli.)
  • Akne
  • Hautunreinheiten
  • möglicherweise Erkrankungen der Leber

Wie und in welcher Form der vietnamesische Koriander verwendet wird, kann nicht genau ermittelt werden. Vermutlich wird das Kraut hauptsächlich als Gewürz in zahlreichen Speisen verwendet. Eine Nutzung anderer Darreichungsformen wie Tees oder Salben ist uns nicht bekannt.

In den wenigen vorhandenen Studien konnte im Ergebnis erhärten, dass Persicaria odorata womöglich gegen Bakterien wie Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes und Listeria monocytogenes wirken kann. Vor allem gegen bestimmte Staphylokokkenstämme scheinen Extrakte des vietnamesischen Korianders zu helfen [1]. Die Studienlage ist allerdings sehr dürftig, so dass weitere Untersuchungen notwendig erscheinen.

Der vietnamesische Koriander enthält eine Vielzahl an Flavonoiden, die womöglich einen leberschützenden Effekt haben. In Studien konnte beispielsweise festgestellt werden, dass Leberschäden, die durch den Langzeitkonsum von Acetaminophen (besser bekannt als Paracetamol) verursacht werden, vermindert werden konnten [3]. Die selben Flavonoide haben vermutlich auch eine begünstigende Wirkung auf die Verdauung.

Nebenwirkungen: Es bestehen keine Aufzeichnungen oder Risikoeinstufungen des Krauts, was jedoch nicht bedeutet, dass keine vorhanden sind. Über die tatsächlichen Wirkungen, Dosierungen und Anwendungen des Krauts ist nur wenig bekannt. Es wird in vielen Ländern Südostasiens jedoch nahezu täglich als Gewürz verwendet, dort als Naturheilmittel bekannt und ist bisher nicht als Risikofaktor in Erscheinung getreten.

Vietnamesischen Koriander kaufen - Was gibt es zu beachten?

Als exotische Pflanze ist der vietnamesische Koriander meist nur selten zu erhalten. Einige Pflanzenmärkte, die auch Kräuterbesonderheiten anbieten, führen das Gewürzkraut jedoch zwischen April und August in ihren Sortimenten. Auch im Kräuterfachhandel sowie bei einigen spezialisierten Onlinehändlern ist das Kraut zu bekommen.

Insofern die Pflanze gut gepflegt wird, muss nur wenig beachtet werden. Wurde der vietnamesische Koriander gut bewässert, sind nur selten Krankheiten zu erwarten. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, ob die Stängel kräftig sind und die Blätter nicht herunterhängen. Ansonsten gilt die Pflanze als außerordentlich stabil.


Weiterführende Quellen und verwendete Literatur:

  • [1]: Ridzuan, P.M. et al. (2013): Antibacterial and Antifungal Properies of persicaria odorata Leaf Against Pathogenic Bacteria and Fungi. In: The Open Conference Proceeding Journal, Vol. 4, S. 71-74.
  • [2]: Sasongko, P. et al. (2011): Evaluation of Physicochemical Properties of Plant Extracts from Persicaria odorata. In: Agricultural Science Journal, Vol. 42, S. 333-336.
  • [3]: Somparn, N. et al. (2013): Hepatoprotective and antioxidant effects of Polygonum odoratum L. extract against acetaminophen-induced hepatotoxicity in rats. In: Thammasat Medical Journal, Vol. 13, Nr. 4, S. 456-464.
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