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Schnittlauch

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Schnittlauch ist eines der klassischen Küchenkräuter, die es zu jeder Jahreszeit im Handel frisch zu kaufen gibt und zu den bekanntesten Kräutern überhaupt zählt. Als würzendes Kraut verfeinert Schnittlauch mit seinem zarten zwiebelartigen Geschmack vor allem Eierspeisen und Salate. Einige der enthaltenden Inhaltsstoffe fördern darüber hinaus die Gesundheit.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Schnittlauchs

Herkunft und Vorkommen von Schnittlauch

In vielen Quellen wird dargestellt, dass der Schnittlauch aus den Alpen oder dem Mittelmeergebiet stammt. Viele botanische Untersuchen liegen jedoch nahe, dass die ursprüngliche Heimat des Schnittlauchs in Sibirien liegt. Dies belegen pflanzengenetische Untersuchungen an mehreren Unterarten der Pflanze. Heute kommt Schnittlauch in den Ländern vor, die ein gemäßigtes Klima aufweisen. Er wird in vielen Ländern kultiviert und als Küchenkraut angebaut, darunter auch China und die USA.

Schnittlauch lässt sich heute in vielen städtischen Regionen auch wild finden. In der Nähe von Kleingärten, Gartenbaubetrieben oder Häusersiedlungen findet man ihn gelegentlich auf nährstoffreichen Wiesen oder Wegrändern.

Systematik von Schnittlauch

Der Schnittlauch (Allium schoenoprasum) ist eine einkeimblättrige Pflanze (Monocotylodoneae) und gehört zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales). In der engeren Verwandtschaft ist der Schnittlauch ein Mitglied der Familie der Amaryllisgewächse (Amarylidiaceae) sowie der Unterfamilie Lauchgewächse (Allioideae). Die Gattung Lauch (Allium) ist mit mehr als 300 Arten sehr artenreich. Darunter zählen andere bekannte Vertreter wie Küchenzwiebel (Allium cepa), Knoblauch (Alium sativum) oder der Bärlauch (Allium ursinum).

Im Laufe der Zeit wurden einige Schnittlauchsorten gezüchtet, die sich in Geschmack und Wachstum mitunter deutlich unterscheiden. Besondere Bedeutung haben hier die Sorten:

  • Staro: grobröhriger Schnittlauch, kräftiges Aroma
  • Miro: feinröhriger und schnellwüchstiger Schnittlauch, feines Aroma
  • Middleman: feinröhriger und schnell nachwachsender Schnittlauch mit feinem Aroma

Merkmale vom Schnittlauch

Schnittlauch ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze, welche Wuchshöhen zwischen 10 und 50 cm erreichen kann. Die eiförmigen Zwiebeln des Schnittlauchs sind relativ unscheinbar. Der Durchmesser der Zwiebel erreicht meist nie mehr als 1 cm.

Die Laubblätter entspringen der typisch weißen Zwiebel und weisen meist eine grünlich bis graue Färbung auf. Sie wirken wie einzelne Grashalme, die je nach Grad der vegetativen Vermehrung auch einzelne Büschel ausbilden können. Die Blätter des Schnittlauchs sind röhrenförmig und innen hohl. Je nach kultivierter Sorte können die Röhren sehr fein oder sehr grob ausgestattet sein.

Schnittlauch bildet meist violette bis rote (selten weiße) Blüten aus, die in Form einer Scheindolde zusammengefasst sind. Eine Scheindolde enthält bis zu 50 Blüten und wächst direkt auf der Spitze des Laubblatts (Halm). Eine einzige Blüte misst etwa 3 bis 5 mm im Durchmesser. Die Pflanze blüht meist zwischen Ende Mai bis Mitte August und bildet zur Zeit der Fruchtreife kugelige Kapselfrüchte mit dunklen, meist schwarzen Samen.




Schnittlauch aussäen und pflanzen

Der günstigste Standort für Schnittlauch ist eine helle und sonnige bis halbschattige Stelle im Freilandgarten. Das gleiche gilt für die Kultivierung in der Wohnung: die Fensterbank in der Sonne wird schattigen Plätzen vorgezogen. Schnittlauch ist ein sehr pflegeleichtes Kraut, das zum Wachsen und Gedeihen einen humosen Boden mit lehmig-sandigen Anteilen (guter Mischboden) und eine Boden-pH-Wert von 6 bis 7 braucht. Wichtig ist ebenso die regelmäßige Wasserzufuhr. Trotzdem sollte vermieden werden, dass die Pflanze im Wasser steht. Staunässe führt dazu, dass die Halme gelb werden und die Bildung von Schimmel unterstützt wird. Insbesondere bei der Haltung von Schnittlauch im Topf sollte auf eine gute Drainage geachtet werden, bspw. in Form von Blähton, Perlite und Lava am Boden des Topfes.

Mit der Aussaat von Schnittlauch beginnt im Haus ab Mitte Februar, im Freiland ab Ende März. Die Samen können entweder reihenartig oder punktuell ausgesät werden, letztere bilden später sogenannte büschelweise wachsende Schnittlauchhorste, die winterhart sind. Schnittlauch ist ein Kaltkeimer und benötigt für etwa eine Woche eine Kälteperiode von durchschnittlich 5 bis 9 °C. Bei der Anzucht im Haus sollten daher kältere bzw. ungeheizte Plätze bevorzugt werden.

Da Schnittlauch ein Dunkelkeimer ist, sollten die Samen mit etwa 2 cm Erde bedeckt werden. Bis sich die ersten Schnittlauchtriebe zeigen, vergehen zirka zwei Wochen.

Alle drei Jahre bietet es sich an, die Schnittlauchhorste zu trennen. Der Schnittlauchbüschel wird vorsichtig mit den Händen zerteilt und ausgedünnt. Schon bald zeigen sich neue, junge Triebe. Als optimalen Zeitpunkt für die Trennung von Schnittlauchhorsten gilt das Ende der Vegetationsperiode im späten Herbst. Ein Teil des zerteilten Schnittlauchs kann direkt in einen Topf eingepflanzt und als Wintervorrat im Haus gezogen werden. Damit die Pflanze besonders gut austreibt, wird Schnittlauch im Topf bei Nachtfrost für kurze Zeit ins Freie (Garten oder Balkon) herausgestellt. Die Halme verwelken anschließend, treiben bei Zimmerwärme aber wieder rasch aus – genau wie im Freiland, wenn im Frühjahr die Sonne den Boden erwärmt.

Durch das regelmäßige Abschneiden der Schnittlauchhalme werden der Neuaustrieb und das Wachstum gefördert. Besonders aromatisch bleibt der Geschmack, wenn zur Zeit der Blüte, die Blütenstände bereits vorher abgetrennt werden. So wird verhindert, dass die Pflanze einen Großteil ihrer Energie in die Blütenbildung steckt.

Daneben kommt Schnittlauch im Garten eine ökologische Funktion zu. Schnittlauch steht auf dem Speiseplan von Regenwürmern, die dazu beitragen, das Kraut zu zersetzen und die im Schnittlauch enthaltenen Mineralstoffe über den sogenannten Wurmhumus den Pflanzen im Garten erneut zur Verfügung zu stellen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass Schnittlauch neben andere Nutz- und Zierpflanzen gepflanzt, eine schädlingsabwehrende Wirkung hat. Die aromatisch duftenden Senföle des Schnittlauchs vertreiben viele Pflanzenschädlinge (v.a. Pilze wie Mehltau und einige Käfer), weshalb Schnittlauch an Beeträndern angepflanzt wird. Mit den filigranen Halmen und den rosafarbenen bis violetten Blüten ist Schnittlauch außerdem äußerst dekorativ.

Dennoch kann es vorkommen, dass Schnittlauch selbst von Schädlingen heimgesucht wird. Zu nennen ist an dieser Stelle der Rostpilz Puccini allii: Schnittlauchrost. Der Rostpilz ist auf den Halmen aufgrund der rostroten, kleinen Erhebungen gut auszumachen. Die Bekämpfung des Schnittlauchrosts ist mitunter mühsam, da dieser spezielle Pilz nur bei Schnittlauch beobachtet wurde und gängig Anti-Fungizide nicht wirksam sind. Auch Frost und Kälte bekämpfen den Pilz nicht. Einzig mit einem Radikalschnitt der Pflanzen erzielt man eine nachhaltige Wirkung.

Geerntet wird Schnittlauch nahezu ganzjährig. Schon kurze Zeit nach der Aussaat entwickeln sich die ersten zarten Halme, die – wenn sie etwa 10 cm lang sind – geerntet werden können. Die Halme werden ca. zwei Zentimeter über dem Boden abgetrennt. Neben den Halmen können auch die Blüten geerntet und gegessen werden.

Schnittlauch und dessen Verwendung

Der Name Schnittlauch ist Programm: lauchartig im Geschmack und vor dem Verzehr werden die Halme von der Mutterpflanze abgeschnitten.

Schnittlauch in der Küche

Schnittzwiebel – ein anderer Name für Schnittlauch, der sehr treffend die geschmackliche Ähnlichkeit zu Lauchgemüse beschreibt. Allerdings schmeckt Schnittlauch eine Note kräftiger und würziger, kommt aber nicht ganz an den Geschmack von Knoblauch oder Zwiebeln heran, die ebenfalls zur Familie der Lauchgewächse zählen.

Um in den Genuss des für Schnittlauch typischen Geschmacks zu kommen, braucht man nicht viel von dem Kraut. Besonders intensiv ist das Aroma, je feiner die Halme zerschnitten werden (mit der Küchenschere oder dem Messer), da so mehr ätherische Öle (allen voran Sulfidverbindungen) freigesetzt werden.

Zu den bekanntesten Rezepten, bei denen Schnittlauch zum Einsatz kommt, gehören neben dem Butterbrot mit Schnittlauchröllchen vor allem Eierspeisen – sei es als Omelette, Spiegelei, Eiersalat oder Rührei. Aber auch Frischblattsalate, Sour Cream, Kräuterdips, Kräuterbutter, Kräuterquark, Mayonnaise, Kartoffelsalat oder sämige Kartoffelsuppen erhalten durch Schnittlauch eine würzig-pikante Note. Optisch ansprechend und nicht minder delikat sind Schnittlauchblüten. Die essbaren Blüten schmecken ebenfalls lauchig und sind in Sommersalaten ein bunter Hingucker.

Da Schnittlauch empfindlich auf hohe Temperaturen reagiert, sollte das Würzkraut nicht mitgekocht werden. Besser ist es, gekochte Gerichte erst vor dem Servieren mit Schnittlauch zu garnieren.

Sollte von der Schnittlauchernte etwas übrig bleiben, können die restlichen Schnittlauchröllchen tiefgefroren werden. Zum Trocknen ist Schnittlauch weniger gut geeignet (siehe Artikel Kräuter richtig trocknen), weil Aroma, Geschmack und die wertvollen Inhaltsstoffe (v.a. Vitamine und ätherische Öle) nahezu vollständig verloren gehen.

Frischer Schnittlauch, der auf Märkten oder in Supermärkten als Bündel angeboten wird, sollte nicht in Vasen oder anderen wassergefüllten Gefäßen gelagert werden. Die Enden werden schnell unansehnlich und verlieren an Qualität. Besser ist es, Schnittlauchbündel in ein feuchtes Tuch (Küchenpapier, Leinen oder Handtuch) einzuwickeln und im Gemüsefach des Kühlschranks aufzubewahren.

Schnittlauch als Heilkraut

Die beste gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet Schnittlauch, wenn er roh verzehrt wird. Hitze, die beim Kochen entsteht, zerstört vor allem das enthaltene Vitamin C und auch die ätherischen Öle verflüchtigen sich. So gesehen ist Schnittlauch eines der wenigen Kräuter, deren Heilwirkung über das Essen des Krauts erreicht wird. Vor allem die Senföle im Schnittlauch haben einen positiven Effekt auf die Verdauung – lösen Blähungen und regen den Appetit an, sind antibakteriell, schleimlösend bei Husten, wirken gegen hohen Blutdruck und aufgrund des Kaliums im Schnittlauch ist eine harntreibende Wirkung nachgewiesen, genau wie dem Kraut eine blutreinigende Bedeutung nachgesagt wird – wenn auch nicht in dem Maße wie der Verwandte Knoblauch.

Die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe des Schnittlauchs sind die Diallylsulfid, Disulfid und Diallyltrisulfid-Verbindungen. Diese Stoffe wirken zudem anitimikrobiell. In einigen Studien wird nachgewiesen, dass Schnittlauch das Risiko für die Bildung von Prostatakrebs senken kann [1]. In Verbindung mit anderen Lauchgewächsen wurden auch krebsschützende Eigenschaften vor Tumoren im Gastrointestinaltrakt (z.B. Magenkrebs) beobachtet [2].

Die antimikrobiellen Eigenschaften werden besonders den Diallylsulfiden zugeschrieben. Auch hier konnten Studien positive Effekte belegen, wodurch beispielsweise bei der Einnahme von Nahrung krankheitsfördernde Bakterien abgetötet werden konnten. Dies betrifft u.a. Stämme von Escherichia coli, Listeria monocytogenes (u.a. Listeriose) oder Clostridium botulinum (u.a. Botulisumus) [3].

Im späten Mittelalter bzw. in der frühen Neuzeit wurden Schnittlauch und Porree bezüglich ihrer Heilwirkung nicht sonderlich getrennt betrachtet. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli (1590) wurden Lauch und Schnittlauch in Verbindung mit Honig gegen Schlangenbisse empfohlen. Auch wurde erwähnt, dass Lauch – eingenommen mit Zucker – eine Art Aphrodisiakum darstellt (Lauch mit Zucker gessen/macht unkeusch). Weitere Anwendungsgebiete waren die Behandlung von Hämorrhoiden oder diverse Beschwerden in der Nasengegend. Eingenommen wurde es häufig als Saft sowie als Saft mit Essig.



Schnittlauch kaufen - Was gibt es zu beachten?

Achten Sie beim Kauf von Schnittlauch in Töpfen darauf, dass die Halme grün, kräftig und aufrecht stehend sind. Sind die Halme bereits gelb und nicht mehr vital, besteht wenig Hoffnung, dass sich die Pflanze erholt. Häufig ist die Ursache zu viel Wasser und/oder das falsche Substrat im Anzuchttopf. Kann das Wasser nicht richtig abfließen, kommt es zu Staunässe – oftmals verbunden mit der Bildung von Schimmel auf der Erde und zwischen den Halmen.

Beim Kauf von Schnittlauch-Samen gibt es auf Grund der vielen Varietäten eine große Auswahl. Die Sorten unterscheiden sich u.a. in der Ausbildung der Blätter und deren Röhrung (feine Röhren, grobe Röhren). Eine bekannte großröhrige Sorte ist unter dem Namen Staro zu erhalten. Im Gegenzug sind die feinröhrigen Sorten meist unter dem Namen Miro zu erhalten.

Einige – meist kleinere Ölhersteller – produzieren auch kaltgepresstes Schnittlauchöl, welches aufgrund seiner Seltenheit jedoch relativ teuer ist.

Literaturverweise

  • Colli, J.L. und Amling, C.L. (2009): “Chemoprevention of prostate cancer: what can be recommended to patients?”. Current Urology Reports, Vol. 10, Nr. 3, S. 165-171. doi: 10.1007/s11934-009-0029-4
  • Zhou, Y. et al. (2011): „Consumption of large amounts of Allium vegetables reduces risk for gastric cancers in a meta-analysis.” In: Gastroenterology, Vol. 140, S. 80-90. doi: 10.1053/j.gastro.2011.03.057.
  • Rattanachaikunsopon, P. und Phumkhachorn, P. (2008): „Diallyl Sulfide Content and Antimicrobial Activity against Food-Borne Pathogenic Bacteria of Chives (Allium schoenoprasum)”. In: Bioscience Biotechnology and Biochemistry, Vol. 72, S. 2987-2991. DOI: 10.1271/bbb.80482
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