Logo Kräuterbuch

Quendel

Quendel (Thymus pulegioides) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Quendel wird in der Literatur und als Pflanze dem Echten Thymian (Thymus vulgaris) oft gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich aber um zwei verschiedene Pflanzen, die botanisch und auch vom Aroma einige Unterschiede aufweisen. Quendel, oder Feldthymian, kann in der Küche wie der echte Thymian verwendet werden. In der Volksheilkunde hat er jedoch eine höhere Bedeutung als der echte Thymian.

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Quendel

Herkunft und Vorkommen des Quendels

Anders als der Echte Thymian, der ursprünglich im südeuropäischen Mittelmeerraum heimisch ist, stammt der Quendel aus Mitteleuropa. Man trifft die anspruchslose Pflanze auf Wiesen und Feldern genau wie in kargen Gebirgslandschaften der Alpen an und weit bis in Sibirische Gefilde. Aufgrund der weiträumigen Verbreitung nennt man Quendel je nach Vorkommen auch Feldthymian und Bergthymian. Weitere Namen, die mitunter verwendet werden, sind Arznei-Thymian, Breitblättriger Thymian, Rauschkraut und Wilder Zimt.

Der Name des Quendels (Thymus pulegioides) wird recht häufig mit dem echten Thymian (Thymus vulgaris) oder mit der Familie der Thymiane gleichgesetzt. Recherchen älterer Literatur (z.B. Matthioli) sowie in der modernen Heilpflanzenliteratur meinen mit dem Quendel jedoch tatsächlich die vorgestellte Art. Früher wurde außerdem der Sand-Thymian (Thymus serpyllum) als Quendel bzw. Quendelkraut bezeichnet. Das hat seine Ursache darin, dass beide Arten (Thymus pulegiodes und Thymus serpyllum) damals unter einer Art zusammengefasst wurden. Einige Internetquellen bezeichnen daher den Sand-Thymian fälschlicherweise als Quendel.

Systematik des Quendels

Der Quendel ist ein Vertreter der Lippenblütlergewächse (Lamiaceae) und gehört ferner der Unterfamilie Nepotoideae (Minzenartige) an. Diese Unterfamilie beherbergt viele weitere bekannte Küchen- und Heilkräuter wie Basilikum, Bohnenkraut, Lavendel, Ysop oder Melisse.

Die Gattung Thymiane (Thymus) umfasst mehr als 210 Arten. Neben dem Quendel (Thymus pulegioides) ist der Echte Thymian (Thymus vulgaris) noch von großer Bedeutung.

Merkmale des Quendel-Thymians

Quendel ist ebenso wie der Echte Thymian eine mehrjährige, frostbeständige Pflanze. Der Wuchs ist kriechend, so dass Quendel regelrecht Teppiche ausbildet. Im Vergleich zum Echten Thymian verholzt Quendel nicht so stark und wird mit einer Wuchshöhe von ca. 10 bis 15 cm maximal wadenhoch. Trotz des eher kriechenden Wuchses ist Quendel ein Halbstrauch.

Auch die Blätter des Quendels sind verglichen mit dem Gartenthymian etwas anders. Die lanzettenförmigen Quendelblätter sind mit einer Länge von 1 bis 1,5 cm wesentlich kleiner und wirken kompakter. Zudem fühlen sich die Blätter des Wilden Thymians glatt an und haben eine kräftige grüne Farbe, während der Echte Thymian eher mit einem silbrig-grünen Blattwerk ausgestattet ist.

Ein weiterer Unterschied zwischen Thymian und Quendel sind die Blüten, die meist von Juni bis Ende September erscheinen. Diese sind beim Quendel ebenfalls filigraner, sitzen aber genau wie beim Echten Thymian am Ende der Blätterzweige. Auffällig ist die Anordnung der trichterförmig mündenden bis zu einem Zentimeter kleinen Blüten, die eine Kugel bestehend aus mehreren Blüten bilden. Die Blütenfarbe des Quendels variiert. Am häufigsten kommen zartrosa bis violette Blüten vor. Die Farbe der Blüten kann aber mitunter auch weiß oder ein kräftiges Pink sein.



Nach Bestäubung und Befruchtung des Quendels entwickeln sich aus den Blüten kleine Nussfrüchte. Quendel wird im Übrigen besonders gerne von Bienen heimgesucht und gilt als beliebte Bienenweide.

Quendel aussäen und pflegen

Auch wenn der Wilde Thymian einst als Wildpflanze galt, gibt es immer mehr Händler, die vorgezogenen Quendel in Töpfen oder als Samen anbieten. Das liegt unter anderem daran, dass die Pflanze häufiger als Heilkraut eingesetzt wird als der echte Thymian.

Quendel hat nur geringe Ansprüche an den Standort. Am besten wächst der Arzneithymian an einem sonnigen bis vollsonnigen Platz. Perfekt sind sandige und nährstoffarme Böden. Lehmige bzw. dichte Böden sollten mit Sand, Lavasand oder feinem Kies durchmischt und aufgelockert werden. Wichtig ist, dass das Wasser ungehindert abfließen kann und keine Staunässe entsteht.

Quendel lässt sich relativ einfach anbauen. Für die Aussaat auf dem Fensterbrett werden die Samen ab Ende März vorgezogen, auf die Anzuchterde gestreut und vorsichtig festgedrückt. Bereits nach zwei, drei Wochen zeigen sich die ersten zarten Quendelpflänzchen. Sobald die Nachtfröste nach den Eisheiligen Ende Mai vorbei sind, können die Pflänzchen in den Garten gepflanzt oder auf dem Balkon ausgesetzt werden. Auch eine Aussaat im Freiland ist möglich. Hierzu eignen sich die späten Maitage. Längere Nachtfröste vertragen die Keimlinge meist nicht besonders gut. Beim Anbau sollte ein Abstand von wenigstens 15 x 15 cm eingehalten werden. In Kräuterspiralen kann der Quendel problemlos an der obersten Stelle angebaut werden.

Alternativ kann man Quendel über Triebe vermehren. Dazu schneidet man junge, kräftige Triebspitzen einer Mutterpflanze ab und steckt sie in Erde.

Bei erfolgreicher Wurzelbildung bzw. wenn die die aus Samen gezogenen Pflanzen angewachsen sind, bildet Quendel schon bald üppige Rasen. Deshalb eignet sich Quendel auch zur Begrünung von Dächern oder für den Steingarten.

Dünger benötigt Quendel nicht oder nur wenig, genau wie eine weitere Behandlung. Lediglich im Frühjahr kann man die Pflanze etwas zurückschneiden, um der Verholzung entgegenzuwirken. Wird der Thymian über mehrere Jahre angepflanzt reicht etwas Kompost im Folgejahr meist aus.

Im Winter müssen für den Feldthymian im Gegensatz zu vielen mediterranen Kulturthymianen keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden. Quendel ist Frost und Schnee gegenüber sehr robust, was die Vorkommen im frostigen Sibirien belegen.

Quendel und dessen Verwendung

Der Quendel oder Feldthymian ist vielen nicht ganz so bekannt wie der echte Thymian. Dennoch kann er für die gleichen Zwecke eingesetzt werden. Als Heilkraut ist er dem echten Thymian vorzuziehen, da die Art eine höhere Konzentration an medizinisch wertvollen Inhaltsstoffen hat (daher auch Arznei-Thymian genannt).

Quendel in der Küche

Verglichen mit dem Echten Thymian ist der Geschmack von Quendel milder, wenn auch pikant und würzig, aber weitaus weniger aromatisch. Der Unterschied der Aromen von Quendel und Echtem Thymian wird besonders deutlich, wenn man an beiden Kräutern riecht. Thymian ist etwas kräftiger im Aroma und auch Geschmack. Zu empfehlen ist der Quendel daher eher dann, wenn ein mildes Thymianaroma gewünscht wird.

Nichtsdestotrotz kann Quendel für die gleichen Gerichte und Speisen verwendet werden wie der verwandte Gartenthymian. Quendel passt zu reichhaltigen Fleischgerichten ebenso gut wie zu Fisch, Salaten und Kartoffelgerichten. Verwendet werden neben den zarten Blättern auch die Blüten.

Quendel als Heilkraut

Quendel spielt bereits in der Antike und im Mittelalter eine große Rolle. Hildegard von Bingen behandelte mit dem Feldthymian Husten und Erkrankungen der Bronchien sowie verschiedene (nicht näher definierte) Frauenleiden. Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli wurde Quendel u.a. bei Bluthusten, zur Entgiftung von Schlangenbissen und Wurmbefall, bei Kopfschmerzen und bei Husten. So steht im Original z.B.:

  • “Der Geruch des Quendels thut dem Hirn wol“
  • Quendel mit Süßholz oder Honig / Anis und Wein gesotten / reinigt die Brust von dem zähen Husten / und stillt den kalten Harn



Arzneithymian (Quendel) im Kräuterbuch von P. A. Matthioli

Hieronymus Bock erwähnte in seinem Kräuterbuch (1560) zudem die Behandlung von Lungen-, Leber- und Milzleiden sowie für die Stärkung des Magens. Angewendet wurde der Quendel in Form von Quendelessig, in Wein gesotten, in Verbindung mit Honig oder als Tee.

Quendel tritt zugunsten des höheren Anteils an Thymol, einem Bestandteil des ätherischen Öls der Thymiane, im Echten Thymian zurück. Thymol wurde eine antibakterielle und desinfizierende Wirkung nachgewiesen, die vor allem in der zusätzlichen Behandlung von Erkältungskrankheiten, speziell bei Husten, zum Einsatz kommt. Desweiteren ist Quendel reich an Gerbstoffen und Bitterstoffen, die vor allem für die Aktivierung von Leber und Galle wichtig sind und somit Verdauungsbeschwerden lindern können.

Der Quendel findet demnach Anwendung bei

  • Erkältungsbeschwerden und grippalen Infekten,
  • Bronchitis,
  • leichteren Magen- und Darmerkrankungen,
  • Sodbrennen,
  • Reizhusten,
  • Blähungen sowie
  • Rheuma.

Dargereicht wird Thymian als Tee, Sirup, Tropfen oder als Inhalationsbad. Quendel wird häufig bei Erkältungskrankheiten oder Zutat in Reizhustentees verwendet. Für einen Quendeltee genügt es, etwa 2 Teelöffel voll Quendelkraut mit 250 ml Wasser zu übergießen und für 8 bis 10 Minuten ziehen zu lassen. Pro Tag sollten nicht mehr als 2 bis 3 Tassen getrunken werden. Beste Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn der Quendeltee ungesüßt getrunken wird.

Quendel kaufen – Was gibt es zu beachten?

Quendel ist im Handel eher selten anzutreffen. Frische Pflanzen finden sich gelegentlich in größeren Pflanzencentern sowie bei einigen Onlinehändlern. Die Pflanzen sollten robust sein und frei von Schädlingen. Achten Sie auf kleine weiße Punkte oder braune Blattstellen. Auch sollte die Erde in Töpfen nicht feucht sein, da die Pflanze sonst Gefahr läuft, Wurzelschäden davon zu tragen. Neben frischen Pflanzen bieten einige größere Hersteller von Saatgut mittlerweile auch Quendelsamen an, so dass sich die Pflanzen auch zuhause oder im Garten kultivieren lassen. Meist sind Pflanzen und Samen etwas teurer als der echte Thymian.

Getrocknetes Quendelkraut gibt es in vielen Kräuterläden sowie auf einigen Online-Marktplätzen. In Supermärkten ist es praktisch nicht anzutreffen, da für die Würzung von Speisen meist der echte Thymian verwendet wird. Quendelkraut ist jedoch preiswert zu erhalten. Die Kräuter sollten aromatisch duften und aromadicht verschlossen werden.

Unsere aktuelle Kräuterbuch-Empfehlung

Heilkräuterbuch zum Nachschlagen von Apotheker M. Pahlow Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur
Eines der besten Übersichtswerke über Heilpflanzen und deren Anwendungen. Auf über 500 Seiten werden mehr als 400 einheimische und fremdländische Heilpflanzen erklärt.

Details zum Buch
angeboten bei Amazon

Testen Sie Ihr Kräuterwissen

Kräuterquiz spielen


Fragen Sie den Kräuterexperten

Kräuterexperte