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Olivenkraut

Olivenkraut (Santolina viridis) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Das Olivenkraut ist vor allem aufgrund seines intensiv nach eingelegten Oliven schmeckendem Aroma in der mediterranen Küche beliebt. Da jedoch auch viele wertvolle Inhaltsstoffe enthalten sind, ist das Olivenkraut auch in der Volksmedizin bzw. in der Heilkunde anwendbar. Die Pflanze, die auch als Zypressenkraut bekannt ist, kann leicht angebaut werden und erfreut daher auch viele Gärten mit ihren leuchtenden Blüten.

Pflanzenmerkmale und Systematik vom Olivenkraut

Herkunft und Vorkommen des Olivenkrauts

Das Olivenkraut stammt ursprünglich aus Südeuropa. Als Heimat werden die iberische Halbinsel mit den Ländern Spanien und Portugal sowie die nördlichen Randgebiete Marokkos beschrieben. Das Kraut kommt heute auch in Italien teilweise verwildert vor.

Es wächst in diesen Gebieten vor allem an vollsonnigen Lagen mit kargen und durchlässigen Böden.

Systematik des Olivenkrauts

In der systematischen Zuordnung gehört das Olivenkraut (Santolina virens) zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist damit verwandt mit Kräutern wie dem Löwenzahn, der Kamille oder dem Currykraut. In der engeren Zuordnung ist die Pflanze ein Vertreter der Heiligenkräuter (Santolina), die mit 24 Arten recht artenarm ist. Neben dem Olivenkraut dürfte das graue Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus) noch recht bekannt sein.

Gelegentlich wird statt des botanischen Namens Santolina virens auch der Name Santolina rosmarinifolia verwendet. Vor allem in der englischsprachigen Literatur ist dieser Name häufiger zu lesen.

Synonyme Namen des Olivenkrauts sind: Zypressenkraut, grüne Heiligenblume, rosmarinblättriges Heiligenkraut oder grünes Heiligenkraut.

Merkmale des Olivenkrauts

Im botanischen Sinne wird das Olivenkraut als Halbstrauch beschrieben, welches Wuchshöhen zwischen 25 und 60 cm erreichen kann. Die Pflanze ist ausdauernd bzw. mehrjährig und bedingt winterhart.

Die Blätter des Olivenkrauts sind sehr charakteristisch und bilden nadelartige, dunkel- bis hellgrüne und feingegliederte Blätter. Auf der Oberfläche der rosmarinähnlichen Blätter wachsen kleine wechselständige Wülste, die an Knospen erinnern. Die Blätter sitzen an den hellgrünen sechskantigen Stängeln. Weder Stängel noch Blätter sind behaart.

Die Blüten des Olivenkrauts bilden sich in der Regel von Ende Mai bis Anfang Juni und sind meist gegen Ende Juni vollständig entwickelt. Die Pflanze bildet hellgelbe knopfähnliche Korbblüten aus, die leicht nach Oliven duften. Die Blüten sitzen direkt auf der oberen Spitze des Stängels. Auf jedem Stängel findet sich jeweils nur eine Blüte.



Olivenkraut – Aussaat und Pflege

Das Olivenkraut lässt sich ähnlich wie Rosmarin oder Lavendel im Garten oder auf dem Balkon kultivieren. An den Standort stellt die Pflanze nur relativ geringe Ansprüche. Als optimal erweisen sich Standorte mit voller Sonne und gut durchlässigen, eher sandigen Böden. Pure Torfhaltige Erden und lehmige Böden sollten nicht direkt für den Anbau des Olivenkrauts verwendet werden, sondern mit bis zu 50 Prozent mit Sand oder oder anderen Zuschlagstoffen wie Lavasplitt oder Bimskies durchmischt werden.

Anbau: Die Aussaat des Olivenkrauts sollte zwischen März und Anfang April erfolgen. Die Pflanze gehört zu den Kaltkeimern und benötigt für die Keimung Temperaturen zwischen 4 und 8 °C. Das Saatgut kann unter günstigen Wetterbedingungen direkt ins Freiland gestreut werden. Günstiger und erfolgversprechender ist jedoch die Aussaat in Schalen. Die Samen des Kraut gelten als Lichtkeimer. Daher werden die Samen nur leicht auf das Anzuchtsubstrat angedrückt. Als Anzuchtsubstrat eignen sich vor allem mineralische Substrate mit geringer Menge an Blumenerde.

Gießen: Olivenkraut benötigt nur verhältnismäßig wenig Wasser. An warmen und heißen Tagen wird empfohlen, mit wenig Wasser zu gießen. Einmal alle zehn Tage kann etwas mehr Wasser gegeben werden, aber auch hier nur moderate Mengen. Zuviel Wasser kann schnell zu Wurzelfäule und schließlich zum Absterben des Krauts führen.

Düngung: Im Freiland sollte dem Olivenkraut im Frühjahr und nach der Blüte wenig Dünger gegeben werden. Optimal sind organische Dünger wie Kompost oder Düngerpellets. Reine Stickstoffdünger wie Hornspäne können zwar verwendet werden, allerdings werden im begrenzten Maße auch Phosphor und Kalium benötigt, so dass gelegentlich ein vollwertiger Dünger verabreicht werden sollte. Übermäßiges Düngen sollte vermieden werden (siehe unser Artikel Kräuter richtig düngen).

Vermehrung: Die abgeschnittenen Teile des Olivenkrauts können auch hervorragend zum Heranziehen neuer Pflanzen verwendet werden. Die abgeschnittenen Stecklinge sollten in ein Sand-Erde gemischt gesteckt werden, welches für kurze Zeit intensiv bewässert werden sollte.

Ernte: Olivenkraut sollte, insofern die Pflanze längerfristig angebaut werden soll, nur in geringen Mengen geerntet werden. Im ersten Jahr ist es sinnvoll, immer nur einzelne Teile pro Pflanze abzuzupfen. Wenn die Stängel verholzt sind, kann die Pflanze bis zu einem Drittel der Wuchshöhe zurückgeschnitten werden. Ein Rückschnitt ist ab dem zweiten, spätestens ab dem dritten Jahr definitiv erforderlich, da sonst nur noch verhältnismäßig wenig Blattgrün gebildet wird. Ein Trocknen der Kräuter ist nur bedingt zu empfehlen.

Überwintern: Das Kraut ist bedingt frosttolerant und sollte nach Möglichkeit im Haus oder Wintergarten überwintert werden. Ist ein Transport der Pflanzen aus dem Freiland nicht möglich, sollten Reisig und Laubblätter um die Pflanze gelegt werden, um tiefergehende Frostschäden zu vermeiden (siehe Artikel Kräuter überwintern).

Olivenkräuter lassen sich auch ausgezeichnet in Kräuterspiralen kultivieren. Das Kraut kann dort zusammen mit anderen mediterranen Kräutern wie Salbei, Rosmarin, Lavendel oder Bohnenkraut angebaut werden. Die Pflanze wird hierbei im oberen Drittel der Spirale angeordnet, der durch mageren und durchlässigen Boden gekennzeichnet ist.

Olivenkraut und seine Verwendung

Das Olivenkraut wird heute vor allem in der mediterranen Küche für eine Vielzahl von Speisen und Rezepten verwendet. In der Antike und im Mittelalter war es ein bewährtes Heilkraut. Auch heute wird es in der Volksheilkunde noch verwendet.

Olivenkraut in der Küche

Vor allem in der mediterranen Küche findet das Olivenkraut mit seinem frischen, leicht harzigen und olivenähnlichen Geschmack Anwendung. Das Aroma der frischen Olivenkrautblätter erinnert mitunter an grüne Oliven, mit einem leichten Beigeschmack anderer mediterraner Kräuter wie Rosmarin und Bohnenkraut.

Das Kraut wird heute u.a. als Zutat für Kräuterpestos und Marinaden, pur für frische Salate oder frisch zur Weiterverarbeitung in Kräuterbuttern und Kräuterquarks genutzt. Es kann aber auch direkt für Fleisch- und Fischgerichte oder für Pilze (z.B. Steinpilze, Schirmpilze) verwendet werden. Sehr schmackhaft sind auch Tomaten und Mozzarella, die statt mit Basilikum mit Olivenkraut garniert werden.

Bei der Zubereitung sollte bedacht werden, dass das Kraut bei großer Hitzeeinwirkung viel von seinem Aroma einbüßt. Wird es für gekochte oder gebratene Speisen verwendet, sollte das Kraut erst kurz vor Schluss zugefügt werden.

Das volle Aroma bietet nur das frische Kraut. Getrocknetes Olivenkraut kann zwar durchaus verwendet werden, allerdings verliert es beim Trocknen einen Großteil seiner Geschmacksstoffe. Frisches Olivenkraut lässt sich am besten durch Einfrieren oder durch Einlegen in Essig konservieren.

Olivenkraut ist appetitanregend und verdauungsfördernd.

Olivenkraut als Heilkraut

Das Olivenkraut wurde in der Antike und im Mittelalter als Heilpflanze verwendet. In alten Kräuterbüchern wird das Olivenkraut jedoch häufig mit dem Heiligenkraut in puncto Heilwirkung gleichgesetzt und unter dem Namen Cypressen (Abrotanum foemina) beschrieben. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurde es zudem fälschlicherweise als weibliche Variante der Eberraute (dort als Stabwurz bezeichnet) eingeordnet.



Verwendung fand das Olivenkraut in jener Zeit vor allem als Entwurmungsmittel sowie in der Behandlung von Haarausfall. Genutzt wurden sowohl die Samen als auch das Kraut.

Das Olivenkraut wird in der heutigen Medizin beschrieben als

  • wurmabtötend (anthelmintisch)
  • krampflösend
  • antioxidativ
  • antibakteriell
  • hilfreich gegen zahlreiche Infektionskrankheiten

In Studien konnte gezeigt werden, dass das Kraut vor allem gegen Escherichia coli und Enterobacter aerogenes hilfreich ist. Kolibakterien können beispielsweise Harnwegsinfektionen oder diverse Gallenentzündungen auslösen, wohingegen Enterobacter Hirnhautentzündungen oder Atemwegserkrankungen zur Folge haben kann. Als wirksam erweisen sich vor allem die im ätherischen Öl des Olivenkrauts vorkommenden Inhaltsstoffe Myrcen, Pinen und Sabinen [1].

In der Heilkunde bzw. in der Volksmedizin wird das Olivenkraut heute vor allem für Beschwerden und Krankheiten des Verdauungstrakts sowie eher mitunter für bestimmte Atemwegsentzündungen verwendet. Die Anwendung des Olivenkrauts ist häufig mit dem nahe verwandten Heiligenkraut identisch oder zumindest ähnlich. Als hilfreich wird die Heilpflanze vor allem bei folgenden Beschwerden beschrieben:

  • Hautentzündungen
  • Candida-Befall
  • Magen-Darm-Infekte
  • Magenkrämpfe
  • Blähungen
  • Wurmbefall

Das Kraut wird entweder pur, als Salbe als Tee oder in Form des ätherischen Öls (Santolina-Öl)verwendet.

Olivenkraut kaufen - Was gibt es zu beachten?

Olivenkraut findet immer mehr Liebhaber, weswegen auch der Handel mit einem entsprechenden Angebot reagiert. In vielen Pflanzencentern, Baumärkten und Wochenmärkten können frische Olivenkrautpflanzen gekauft werden. Die Pflanzen selbst sind relativ resistent gegen Schädlinge, so dass Krankheiten eher selten auftreten. Vor dem Kauf sollte jedoch ein kurzer Blick auf das Pflanzgefäß geworfen werden. Steht das Olivenkraut in zu nasser Erde, die eventuell schon Moos ansetzt, sollte von einem Kauf abgesehen werden. Hier besteht eine erhöhte Gefahr, dass die Wurzeln Schaden genommen haben und sich das Kraut dadurch schlecht umtopfen lässt.

Samen für Olivenkraut sind im Gegensatz zu frischen Pflanzen kaum im Fachhandel zu finden. Fündig wird man gelegentlich im Onlinehandel oder auf Online-Marktplätzen. Hier sollte unbedingt der botanische Namen (Santolina virens oder Santolina rosmarinifolia) verglichen werden, da gelegentlich auch das graue Heiligenkraut als Olivenkraut verkauft wird. Dieses hat zwar eine ähnliche Heilwirkung, aber nicht das intensiv nach Oliven schmeckende Aroma.

Literaturnachweise:

  • [1]: Chibani et al. (2013): Antibacterial activity and chemical composition of essential oil of Santolina rosmarinifolia L. from Algeria. In: Der Pharmacia Lettre, Vol. 5, S. 238-241
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