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Natternkopf

Natternkopf (Echium vulgare) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Der gewöhnliche Natternkopf ist eine Wildpflanze, die auf sehr vielen Wildwiesen und Pioniergesellschaften angetroffen wird. Seine auffallend blauen bis violetten Blüten verschönern die jeweiligen Standorte. Der Natternkopf findet heute meist nur selten als Heilpflanze Anwendung und ist ins Vergessen geraten. Mitunter wird er jedoch noch als Zutat für kosmetische Produkte verwendet.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Natternkopfes

Der Natternkopf ist eine altbekannte Pflanze, die ebenfalls unter den Namen stolzer Heinrich, Himmelbrand und Wilder Ochsenzunge bekannt ist. In den alten Kräuterbüchern wurde fast ausschließlich von der Wilden Ochsenzunge berichtet. Im Buch von Matthioli lässt jedoch die dortige Abbildung als auch die beschriebenen Trivialnamen (darunter ist eindeutig Echium zu lesen) darauf schließen, dass es sich um den gewöhnlichen Natternkopf handelt.

Namensherkunft

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli lassen sich Hinweise auf die Namensgebung des Natternkopfes finden. Dort ist von einem Nicander (Nikandros aus Kolophon) die Rede, der das Kraut nachdem er „von einer Natter an seinem Knie gestochen ward“, als Alcibius bezeichnete. Die griechische Übersetzung Echium, was als Natter übersetzt werden kann. Weiterhin wird erwähnt, „das sein Samen der Gestalt nach einem Schlangenköpffle ähnlich ist“.

Herkunft und Vorkommen des gewöhnlichen Natternkopfes

Der gewöhnliche Natternkopf stammt ursprünglich vermutlich aus dem südlichen Europa und ist heute in Mittel- und Westeuropa recht häufig anzutreffen. Da die Pflanze recht invasiv ist, ist sie seit dem 19. Jahrhundert auch in Amerika und im westlichen Asien anzutreffen. Die Pflanze ist heute ein klassischer Besiedler von Brachflächen und Ruderalflächen. Sie ist in der Natur häufig an Wegrändern, Bahndämmen sowie allgemein an sandigen und kiesigen Standorten.

Systematik von Echium vulgare

Der gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) gehört zu Raublattgewächsen (Boraginaceae) und ist damit eng mit dem Borretsch (Borrago officinials) oder dem Beinwell (Comfrey) verwandt. Zur Gattung der Natternköpfe (Echium) gehören mehr als 60 Arten, wobei die meisten dieser Arten in der Mittelmeerregion bzw. auf den Kanaren beheimatet sind.

Merkmale vom Natternkopf

Der gewöhnliche Natternkopf ist eine typisch krautige Pflanze, die Wuchshöhen bis zu einem Meter erreichen kann. Die Pflanze ist zwei- oder mehrjährig und an trockene Standorte angepasst.

Die Blätter des Natternkopfs sind schmal bis lanzettlich geformt und an allen Stellen stark behaart. Die Größe der Blätter nimmt von unten nach oben hin gesehen ab. Die Grundblätter sind in einer Rosette angeordnet. Eine auffällige Blattaderung ist nicht festzustellen.

Der Natternkopf bildet auffallend blau bis dunkelblau gefärbte Blüten aus, die zu Beginn der Blütenausbildung jedoch noch rosa gefärbt sind. Aus den trichterförmigen Blüten ragen zudem violette Staubblätter heraus, die sich farblich von den Kronblättern unterscheiden. Die Pflanze blüht in der Regel von Anfang Mai bis Ende August. Der Natternkopf ist eine insektenanlockende Pflanze, darunter verschiedene Bienen- und Hummelarten. Zur Zeit der Fruchtreife (Mitte Augusten bis Ende September) bilden sich aus den Blüten so genannte Klausenfrüchte, die meist braun gefärbt sind und in vier Teilfrüchte unterteilt sind.



Natternkopf aussäen und pflanzen

Der Natternkopf ist ein Spezialist für trockene und sonnige Standorte. Er bevorzugt durchlässige Böden, sandige, lockere und eher nährstoffarme Böden. Bei der Kultivierung im Freiland sollte der jeweilige Bodenabschnitt mit mineralischen Substraten (Quarzsand, Zeolithsand, Lava) vermischt werden. Die Pflanze wurzelt relativ tief ins Erdreich, was bei der Standortwahl (Balkon, Freiland) dringend beachtet werden sollte. Das Substrat darf nicht zu sauer sein, daher bei Bedarf leicht kalken.

Bei der Aussaat gilt zu beachten, dass die Temperaturen nicht zu hoch sein dürfen. Die Pflanze kann ab Anfang Februar ins Freiland oder auf dem Balkon ausgesät werden. Eine Vorkultur ist aufgrund seiner Eigenschaft als Kaltkeimer nicht zu empfehlen. Für Folgeaussaaten können die Samen direkt an Ort und Stelle belassen werden.

Die Pflanze ist zudem Dunkelkeimer. Bei der Aussaat sollten die Samen etwa 2 – 3 cm ins Substrat eingedrückt werden.

Die Pflanze sollte niemals vollständig austrocknen, verträgt aber auch kurzfristig Trockenperioden. Zu viel Feuchtigkeit schadet der Pflanze. Prinzipiell kann immer dann gegossen werden, wenn die obersten 3 bis 5 cm des Substrats trocken sind. Der Natternkopf benötigt nur wenig Dünger. Ab und an sollten einige wenige Gaben Dünger in den Boden mit eingearbeitet werden. Flüssigdünger nur sehr sparsam verwenden. Wenn die Pflanze zuviel Nährstoffe erhält, bildet die Pflanze eventuell keine oder nur wenige Blüten aus.

Bei Balkonhaltung ist die Pflanze öfters zu kürzen, da der Natternkopf Wurzeln von bis zu 2 Metern Tiefe entwickeln kann. Die Balkonhaltung ist generell sehr schwierig und bedarf einiger Erfahrung.

Die Pflanze ist in der Regel zweijährig. Nach Ausbildung der Blüten geht die Pflanze ein.

Natternkopf und dessen Verwendung

Der Natternkopf wird in der Küche und als Heilkraut heute nur noch selten verwendet. Meistens haben vor allem Gärtner Freude an dieser Pflanze, da sie viele wichtige Insekten anlockt und hübsch anzusehen ist.

Natternkopf der Küche

Die Blätter des Natternkopfs lassen sich als Spinat zubereiten und haben einen gurkenähnlichen Geschmack. Der Gurkengeschmack ist hier jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt wie beim Borretsch. Für die Zubereitung werden vor allem die jungen Blätter verwendet. Die Blätter werden in Salzwasser mit anderen Kräutern ziehen gelassen und anschließend klein gehackt sowie gedünstet. Weitere Verwendung finden die jungen Blätter gelegentlich in Wildkräutersalaten.

Die Pflanze und damit auch die Blätter enthalten Pyrrolizidinalkaloide. Es wird daher abgeraten große Mengen an Natternkopf zu essen. Ebenso sollten Menschen mit Leberkrankheiten vorsichtig bei der Einnahme der Pflanze sein.

Natternkopf als Heilkraut

Der Natternkopf findet für medizinische Anwendungen in Deutschland kaum Beachtung. In der Vergangenheit wurde die Pflanze jedoch als Heilkraut verwendet. In einigen Kräuterbüchern (z.B. P.A. Matthioli) wird die Pflanze als „Wilde Ochsenzunge“ beschrieben. Empfohlen wurde der Natternkopf u.a. bei der Wundheilung von Schlangenbissen.



In der Volksmedizin werden dem Natternkopf antimikrobielle (insbesondere gegen einige Staphylokokken und Serratia-Stämme), hustenlösende, harntreibende und wundheilende Eigenschaften zugeschrieben [2] [3]. In einigen wissenschaftlichen Studien werden antidepressive Eigenschaften untersucht. Dabei zeigten einige Untersuchungen [1] positive Effekte durch Verwendung von Blättern und Stängeln.

Das Kraut wird heute gelegentlich für die Behandlung äußerlicher Entzündungen und bei Furunkeln verwendet. Verwendung finden hier die Blätter sowie die Sprossachse.

Der gewöhnliche Natternkopf ist reich an Linolsäuren und wird daher auch für hautpflegende Cremes in diversen Kosmetika eingesetzt. Linolsäuren sind essentielle Nährstoffe, die in der Lage sind im Körper entzündungshemmende Stoffe zu produzieren.

Der gewöhnliche Natternkopf enthält wie die meisten anderen Arten der Gattung Natternköpfe Pyrrolidizinalkaloide, die in größeren Mengen toxisch auf die Leber und Nieren wirken.

Natternkopf kaufen - Was gibt es zu beachten?

Fertige Pflanzen sind aufgrund des Wurzelverhaltens der Pflanze wohl kaum zu finden. Einige Hersteller von Saatgut und Sämereien bieten jedoch Saatgut vom Natternkopf an. Wer den bei uns häufig vorzufindenden gewöhnlichen Natternkopf kultivieren möchte, sollte auf den botanischen Namen Echium vulgare achten. Neben diesen werden mitunter noch deutlich mehr Natternkopfarten angeboten.

Da der Natternkopf keine Wirtschaftspflanze ist und bei uns auch nicht für bestimmte Zwecke angebaut wird, finden sich nur wenige Produkte, die Natternkopfbestandteile nutzen. Das Öl der Samen wird gelegentlich für Hautpflegeprodukte verwendet und soll dort entzündungshemmende Eigenschaften aufweisen. Einige Anbieter verkaufen auch reines Echiumöl, was aufgrund seiner Seltenheit jedoch verhältnismäßig teuer ist.

Literaturnachweise

  • [1] Moallem, S. A. et al. (2007): Evaluation of Antidepressant Effects of Aerial Parts of Echium vulgare on Mice. In: Iranian Journal of Basic Medical Sciences, Vol. 10, Nr. 3, S. 189-196
  • [2] Trpevski, M. et al. (2007): Phenolic and Flavonoid Contents of some Medicinal Plants from Jablanica Mt., Republic of Macedonia. Proceedings of the III Congress of Ecologists of the Republic of Macedonia with International Participation, 06-09.10.2007, Struga. Special issues of Macedonian Ecological Society, Vol. 8, Skopje
  • [3] Karakas, F. P. et al. (2012): Biological Screening of various medicinal plant extracts for antibacterial and antitumor activities. In: Turkish Journal of Biology, Vol. 36, S. 641-652.
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