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Lungenkraut

Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto von LungenkrautDas Lungenkraut ist ein treuer Begleiter auf vielen Frühjahrswiesen. Die Pflanze mit den hübschen Blüten, die auch als Lungenwurz oder Fleckenkraut bezeichnet wird, ist für einige Gärtner eine beliebte Zierpflanze. Auch in der Volksmedizin findet das Lungenkraut Verwendung, beispielsweise bei Halsweh, Heiserkeit oder Blasenleiden. In der Schulmedizin ist die Meinung bezüglich Wirkungsweise und Anwendung jedoch häufig umstritten.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Lungenkrauts

Herkunft und Vorkommen des Lungenkrauts

Lungenkräuter sind nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet. Der wohl bekannteste Vertreter, das gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet und kommt dort vor allem in ausgedehnten Laubwäldern und Waldrändern vor.

Das gefleckte Lungenkraut ist in Höhen bis zu 1.500 Metern anzutreffen. In Norwegen, Island sowie im nördlichen Schweden sind Lungenkräuter in der Regel nicht anzutreffen.

Synonyme Namen des gefleckten Lungenkrauts sind Lungenwurz, Fuchslungenkraut, Blaue Schlüsselblume, Hirschmanngold, Unsere-lieben-Frauen-Milchkraut, Hirschkohl, Echtes Lungenkraut, Arzneilungenkraut, Fleckenkraut, Waldochsenzunge oder Güggelhose.

Systematik des gefleckten Lungenkrauts

Das gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) ist ein Vertreter der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) und damit verwandt mit anderen bekannten Kräutern wie dem Borretsch, dem Natternkopf oder dem Beinwell. Die Gattung Lungenkräuter (Pulmonaria) besteht aus etwa 20 Arten, wobei das gefleckte bzw. echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) die wohl bekannteste bei uns wild wachsende Art sein dürfte. Weitere Arten, die auch in Deutschland angetroffen werden aber nicht für Heilzwecke verwendet werden, sind das dunkle Lungenkraut (Pulmonaria obscura) und das weiche Lungenkraut (Pulmonaria mollis).

Hinweis: Die hier beschriebenen Lungenkräuter haben nichts mit dem indischen Lungenkraut gemeinsam. Diese werden auch als Malabarnuss bezeichnet und gehören zur Familie der Akanthusgewächse (Acanthaceae)!

Merkmale des Lungenkrauts

Beim gefleckten Lungenkraut handelt es sich um eine typisch krautige Pflanze mit Wuchshöhen zwischen 15 und 30 cm. Die Pflanze ist mehrjährig bzw. ausdauernd und hat einen waagerecht verlaufenden Wurzelstock (Rhizom) mit dünner und astiger Statur.

Besonders charakteristisch sind die Blätter des Lungenkrauts. Die eiförmigen bis lanzettlich verlaufenden, ganzrandigen und leicht behaarten Blätter tragen auffallend weiße Flecken und Pünktchen, die dem Kraut in der Antike auch mehrere Namen eingebracht haben (die Flecken erinnern vom Verlauf her an die Form eines Lungenflügels). Welchen Sinn die Flecken haben ist unter Botanikern umstritten. Es wird angenommen, dass die weißen Flecken des Lungenkrauts Stellen sind, die der Pflanze eine kontrollierte Transpiration ermöglicht.

Blatt vom Lungenkraut
Die auffallenden Punkte, die dem gefleckten Lungenkraut dessen Namen gaben

Als klassischer Frühblüher zeigt das Lungenkraut zwischen März und Mai seine Blüten. Die Pflanze bildet dabei auffallend tiefe Blütenkelche aus, die je nach Alter der Blüte rot, violett oder blau gefärbt sind. Die Blütenkrone des gefleckten Lungenkrauts ist 5-zählig. An jedem Stängel sitzen mehrere Blüten. Die Blütenform erinnert mitunter an Glockenblumen. Nach der Blüte entwickeln sich aus dem Fruchtknoten so genannte Klausenfrüchte, in der kleine bräunliche und gezipfelte Samen sitzen.

Blüte vom Lungenkraut
Die glockenförmigen Blüten des Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) lassen sich im Frühjahr oft bewundern.

Geflecktes Lungenkraut - Aussaat und Pflege

Für viele Gärtner und Balkonbesitzer ist das gefleckte Lungenkraut ein beliebter Frühblüher. Das Lungenkraut ist an sich eine recht anspruchslose und pflegeleichte Pflanze.

Standort: Gute Standorte für die Pflanze sind halbschattige bis schattige Plätze mit nährstoffreichen, humosen, durchlässigen und leicht feuchten Böden. Optimal erscheinen Standorte unter oder in der Nähe von Laubbäumen, die sonnengeschützt sind. Zu lehmreiche Böden sollten mit etwas Sand oder Kies vermischt und aufgelockert werden, so dass der Wurzelstock sich problemlos ausbreiten kann.

Anbau Lungenkraut im Garten
Windgeschützte und halbschattige Standorte sind optimal für das Raublattgewächs

Aussaat und Anbau: Die Aussaat der Pflanze sollte im Frühjahr zwischen März und April ausgesät werden. Das gefleckte Lungenkraut ist ein Kaltkeimer und benötigt Fröste, damit die Samen zu keimen beginnen. Die Samen sollten nicht tiefer als 0,5 cm in den Boden gesteckt werden, da Lungenkraut ein Lichtkeimer ist. Im Freiland sollte ein Pflanzabstand zwischen 15 und 20 cm in alle Richtungen eingehalten werden, um Nährstoffkonkurrenz zu vermeiden.

Lungenkräuter sind sowohl für das Freiland als auch für den Balkon geeignet. Für die Kultivierung des Krauts auf dem Balkon ist es jedoch erforderlich eine Nordausrichtung oder Westausrichtung zu haben. Bei sonnigen Südlagen sollte zwingend ein fester Schattenbereich gesucht werden. Für den Balkon kann pro Pflanze ein Topf mit bis zu 20 cm Durchmesser gewählt werden.

Vermehrung: Insofern schon Pflanzen vorhanden sind, kann das gefleckte Lungenkraut auch durch Teilung des Wurzelstocks vermehrt werden. Dies sollte am besten im späten Frühjahr oder im Sommer passieren, nachdem Blütezeit und Fruchtreife vorbei sind.

Dünger: Die Düngung der Lungenkräuter sollte im Frühjahr vor der Blüte mit organischem Dünger erfolgen. Es genügen stickstoffreiche und kaliumreiche Dünger. Optimal sind Dungpellets, Brennesseljauche, Hornspäne oder Kompost. Typische Volldünger sind in geringen Mengen jedoch auch vollkommen ausreichend. Bei Erstaussaat oder Erstkultivierung in Blumenerde ist kein weiterer Dünger notwendig, da handelsübliche Blumenerde vorgedüngt ist.

Gießen: Die Pflanze sollte immer mäßig feucht gehalten werden. Zu beachten ist, dass die Erde bzw. Boden niemals für längere Zeit vollständig ausgetrocknet ist und immer leicht feucht sein sollte. Zu viel Feuchtigkeit ist jedoch ebenfalls nicht zu empfehlen. Bei schattigen Standorten ist es meist ausreichend, einmal kräftig im Wochenrhythmus zu gießen.

Überwinterung und weitere Pflege: Besondere Maßnahmen im Winter sind nicht erforderlich, da die Pflanze sehr winterhart ist. Pflanzenkrankheiten treten in der Regel nicht auf. Nach dem Ende der Blütezeit empfiehlt sich ein Rückschnitt.

Lungenkraut und dessen Verwendung

Das Lungenkraut ist erst seit dem Ende des Mittelalters bzw. zur Zeit der Frühneuzeit in Erscheinung getreten. Neben seiner heutigen Verwendung in der Volksheilkunde kommt das Kraut gelegentlich auch bei Wildkräuterliebhabern auf den Tisch.

Lungenkraut in der Küche

Lungenkraut ist kein klassisches Küchenkraut und wird meist nur von Kräuterkennern verzehrt.

Die jungen Blätter lassen sich gut für Wildkräutersuppen und Wildkräutersalate verwenden. Sie haben einen leicht bitteren, leicht kohlartigen und milden Geschmack. Lungenkraut lässt sich auch ähnlich wie Spinat zubereiten, wobei hier eher die älteren Blätter verwendet werden. Möglich ist auch die Nutzung von Giersch und Lungenkraut.

Der Geschmack von Lungenkraut ist in Verbindung mit anderen Wildkräutern durchaus interessant. Möglich ist auch eine Garung der jungen Blätter in Gemüsegerichten.

Lungenkraut als Heilpflanze

Das Lungenkraut ist als Heilkraut seit dem Mittelalter bekannt. In Aufzeichnungen der Antike ist das Kraut hingegen kaum erwähnt worden. Als Heilpflanze wurde es aufgrund ihrer markanten weißen Flecken auf den Blättern verwendet, dass einem Lungenflügel gleicht. Hildegard von Bingen empfahl in ihrem Buch Causa et Curae zur Behandlung diverser Lungenkrankheiten bzw. bei diversen Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig muss jedoch ergänzt werden, dass Hildegard keine weiteren Anwendungen sah und den Lungenwurz nur bedingt als Heilkraut angesehen hat. Auch ist heute nicht vollständig geklärt, ob es sich bei dem beschriebenen Lungenwurz tatsächlich um das hier beschriebene Lungenkraut handelt.

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurde das Lungenkraut neben der schwierigen Lunge auch als Frauenkraut sowie zur Wundbehandlung empfohlen. Verwendet wurde das zu Pulver gestoßene getrocknete Kraut sowie als Weinelixier.

Lungenkraut im älteren Kräuterbuch
Heilkundliche Beschreibung des Lungenkrauts im Kräuterbuch von P.A. Matthioli

In der Volksmedizin wird das getrocknete Lungenkraut, bezeichnet als Pulmonariae herba, auch heute noch verwendet. Die zahlreichen Inhaltsstoffe, wie Saponine, Gerbstoffe und Kieselsäure, wirken schleimlösend, reizlindernd, und zusammenziehend (adstringierend). So werden Aufgüsse bzw. Tees u.a. bei folgenden Beschwerden verwendet:

Bei der Verwendung der Pflanze als Hausmittel wird meist ein Lungenkrauttee angesetzt. Hierfür werden etwa 2 gehäufte Teelöffel Kraut mit 250 ml kochend-heißem Wasser übergossen und für 8 bis 10 Minuten ziehen gelassen. Über den Tag verteilt werden drei Tassen Tee getrunken. Nach Möglichkeit sollte der Tee ungesüßt getrunken werden. Möglich ist jedoch auch einen Teelöffel Honig einzurühren, wenn der Lungenkrauttee abgekühlt ist.

In der Homöopathie wird das Kraut potenziert als Tinktur bei Bronchitis und Asthma bronchiale eingesetzt.

In der Schulmedizin wird das Lungenkraut heute praktisch nicht verwendet. Einerseits liegt das daran, dass die nachteilige Wirkung und Konzentration der möglicherweise enthaltenden Pyrrolizidinalkaloide nicht ausreichend geklärt ist. Andererseits liegen kaum wissenschaftliche Untersuchungen vor, die die volksmedizinischen Anwendungen belegen könnten. Auch die Kommission E des Bundesgesundheitsamts, die Empfehlungen für den Einsatz von Heilkräutern geben, kann aufgrund mangelhafter Studienlage keine therapeutische Anwendung aussprechen.

Hinweis zur Anwendung und Nebenwirkungen: Ein dauerhafter Gebrauch von Lungenkraut ist nicht zu empfehlen! In der Schwangerschaft nicht anwenden, da keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen! Nicht mit dem indischen Lungenkraut (Justicia adhatoda ) verwechseln!

Lungenkraut kaufen - Was gibt es zu beachten?

Für einige Gärtner gehören Lungenkrautpflanzen als klassische Frühblüher in den Garten oder auf den Balkon. Allerdings sind die Pflanzen nur selten in Pflanzenfachmärkten oder Gartencentern zu finden. Gelegentlich bieten einige Händler auf Marktplätzen oder größere Staudenmärkte kleinere Pflanzen in Töpfen an. Alternativ bietet sich der Kauf über Onlinehändler an. Lungenkrautpflanzen liegen preislich meist zwischen 2,50 und 3,50 EUR je Pflanze. Da das Kraut sehr robust ist, treten nur sehr selten Krankheiten auf.

Lungenkrautsamen sind eine Rarität im Handel und meist auch nur im Onlinehandel zu beziehen.

Wer das gefleckte Lungenkraut als Hausmittel in Form von Tees verwenden möchte, sollte beim Kauf unbedingt nach der botanischen Bezeichnung fragen. Viele Händler, die Heilkräuter oder andere Naturmedikamente verkaufen, bieten in erster Linie das indische Lungenkraut (Justicia adhatoda) an. Dieses Kraut hat nicht mit dem gefleckten Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) zu tun und wird medizinisch anders verwendet (u.a. Schwangerschaftsabbruch). Die Preise für getrocknete Lungenkrautblätter in Arzneiqualität liegen zwischen 7 und 10 EUR je 100 Gramm und sind damit verhältnismäßig teuer.

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