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Küchenschelle

Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Die Küchenschelle, die mitunter auch Kuhschelle genannt wird, ist eine hübsch anzusehende Frühlingspflanze mit auffallend glockenförmigen Blüten. Die geschützte Pflanze sieht jedoch nicht nur gut aus. Sie ist auch eine arzneilich hoch interessante Pflanze, die heute vor allem in der Homöopathie gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden eingesetzt wird.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Küchenschelle

Herkunft und Vorkommen der gewöhnlichen Küchenschelle

Die gewöhnliche Küchenschelle ist eine in Mittel- und Westeuropa beheimatete Pflanze, die Standorte mit kalkhaltigen Böden und eher warmen Temperaturen bevorzugt. Sie ist vor allem in Deutschland und Frankreich sowie vereinzelt in Kiefernwäldern Dänemarks, Südschweden, in der Schweiz und im östlichen Österreich anzutreffen.

Durch die intensive Landwirtschaft und Siedlungswirtschaft hat die Kuhschelle ein Großteil ihres natürlichen Lebensraumes verloren. Sie steht heute auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen und ist daher eine streng geschützte Art. Gelegentlich anzutreffen ist sie heute u.a. in Mittelgebirgsregionen, wie z.B. im Harz.

Synonyme Namen der Küchenschelle sind Kuhschelle, Osterblume, Schlafblume oder Wolfspfote.

Systematik der gewöhnlichen Küchenschelle

Die gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) gehört zur artreichen Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), zu der auch andere berühmte Heilpflanzen wie das Scharbockskraut, die Akelei oder der Gelbwurz gehören. In der engeren Verwandtschaft gehört die Pflanze zum Tribus Anemonen (Anemonae), zu der u.a. das Windröschen und das Buschwindröschen gehört.

Die Gattung der Kuhschellen (Pulsatilla) ist mit mehr als 30 Arten verhältnismäßig artenreich. Bekannte Vertreter sind u.a. die Große Kuhschelle (Pulsatilla grandis), die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis) und die Alpen-Kuhschelle (Pulsatilla alpina).

Merkmale der Küchenschelle

Bei der gewöhnlichen Küchenschelle (oder Kuhschelle) handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 40 cm erreichen kann. Eine Besonderheit ist der senkrecht im Boden sitzende, meist dunkelbraun bis schwarze Wurzelstock, der mit Älterwerden der Pflanze meist mehrgliedrig ist. Die Küchenschelle ist durch das enthaltende Protoanemonin giftig!

Die Laubblätter der Küchenschelle sind in einer Blattrosette angeordnet. Meist sind es fünf Blätter, die zwischen 5 und 10 cm lang und meist genauso breit sind. Die Blätter sind leicht gefiedert und fallen durch spitz zulaufende Blattenden auf. Meist erinnern sie ein wenig an die Blattform der wilden Möhre oder des Dills.

An dem zwischen 20 und 25 cm hoch wachsenden Blütenstengel wachsen im Frühjahr zwischen Mitte März und Anfang Mai die markanten hell- bis dunkelvioletten Blüten. In der Mitte der Blüte stechen die leuchtend gelben Staubblätter hervor. Vor der Entwicklung der Blüte werden behaarte Hochblätter mit meist weißer bis gelber Farbe ausgebildet. Während der Fruchtreife bildet die Küchenschelle weiße längliche Balgfrüchte.



Gewöhnliche Küchenschelle - Aussaat und Pflege

Die Küchenschelle ist zwar eine geschützte und teilweise vom Aussterben bedrohte Art. Dennoch lassen sich bei einigen Fachhändler Samen oder anzuchtfertige Stauden finden, die sich direkt in Garten oder auf dem Balkon kultivieren lassen. Aufgrund ihrer schönen Blütenpracht ist die Kuhschelle mitunter eine sehr begehrte Blühpflanze.

Ein Blick auf den natürlichen Standort dieser krautigen Pflanze hilft ungemein, viele Anbaufehler zu vermeiden. Grundsätzlich bevorzugt sie warme, sonnige, windgeschützte und trockene Standorte mit kalkhaltigen, durchlässigen und nährstoffarmen Böden. Optimal sind daher sandige Gartenböden mit ausreichenden Kalkgehalten (pH-Wert des Bodens sollte bei wenigstens 6,5 bis 7 liegen). Stehen nur lehmige und dichte Böden zur Verfügung, sollten diese mit Quarzsand oder anderen Bodenzuschlagstoffen wie Bimskies oder Zeolith vermischt werden. Auf handelsübliche Blumenerde auf Torfbasis sollte verzichtet werden, da diese für die Küchenschelle zu nährstoffreich ist und nicht ausreichend Kalk enthält.

Steht Saatgut zur Verfügung, sollte die Aussaat der Küchenschelle im Spätherbst stattfinden. Die Pflanze ist ein klassischer Kaltkeimer und benötigt Temperaturen zwischen 1 und 5 °C für die Keimung. Im Freiland sollte auf ein Pflanzabstand von mindestens 25 x 25 cm geachtet werden, da sonst das Risiko für Schädlingsbefall und Standortkonkurrenz besteht. Eine Bepflanzung in Steingärten ist durchaus möglich. Die Aussaat auf warmen Südbalkonlagen ist möglich. Allerdings sollte tiefe Pflanzgefäße gewählt werden, da die Pflanze mit der Zeit recht tief wurzelt.

Besonderes Augenmerk sollte auf Wasserversorgung und Düngung gelegt werden. Die Küchenschelle benötigt innerhalb einer Vegetationsperiode nur sehr wenig Wasser und Nährstoffe. In den meisten Fällen ist eine aktive Düngung nicht erforderlich. Wenn gedüngt wird, sollten höchstens einige Gaben Kompost nach der Blütezeit untergemischt werden. Generell können zu hohe Gaben an Nährstoffen zum Absterben der Pflanze führen.

Auch beim Gießen sollte mit Wasser nicht übertrieben werden. Es reicht in der Regel völlig an wärmeren Tagen kleine Wassergaben zu verabreichen. Bei kälteren Tagen genügt es, einmal pro Woche zu gießen. Ist der Boden zu sehr ausgetrocknet (Fingerprobe!), sollte jedoch immer mit wenig Wasser nachgegossen werden. Zuviel Wasser über einen längeren Zeitraum führt in der Regel zum Absterben der Küchenschelle.

Alte Blätter, Blütenstengel und Blüten sollten immer recht zeitnah entfernt werden. Werden nach der Blüte die alten Blütenteile entfernt, besteht die Möglichkeit einer zweiten Blütephase.

Küchenschelle und dessen Verwendung

Beim Namen Küchenschelle mag mancher vielleicht an einer Verwendung als Küchenkraut denken. Allerdings ist die Pflanze im frischen, ungetrockneten Zustand durch den enthaltenden Inhaltsstoff Protoanemonin sehr giftig. Beim Trocknen wird dieser Stoff jedoch in eine schwach giftige Form, dem Anemonin, umgebaut.

Kuhschellel in der Küche

Die Küchenschelle wird aufgrund ihrer Giftigkeit nicht in der Küche verwendet.

Küchenschelle als Heilkraut

Die Küchenschelle ist eine alte und bekannte Heilpflanze, die bereits in der Antike und im Mittelalter bekannt war. In alten Kräuterbüchern, z.B. Hort der Gesundheit oder dem Buch von P.A. Matthioli wurde das Heilkraut sowohl für äußere als auch innere Krankheiten verwendet. Allerdings gab es auch Kräutergelehrte wie Jakob Dietrich (besser bekannt als Tabernaemontanus), dem die Giftigkeit der Pflanze gut bekannt war und daher vor einer Anwendung Vorsicht empfahl. Hippokrates empfahl das Kraut bei Angstzuständen sowie bei Menstruationsstörungen.

Für innere Anwendungen wurden früher meist die Wurzeln der Küchenschelle verwendet. Die Wurzeln wurden klein geschnitten und in Wein für einige Tage eingelegt. Verwendet wurde diese Tinktur z.B. bei Vergiftungen und Bisse durch Tiere sowie bei der – meist vergeblichen -Behandlung der Pest. Die Blätter hat man als Aufguss meist bei Fieberschüben oder Verstopfung verwendet.



Äußerlich kam die Küchenschelle bei diversen Augenerkrankungen, zur Entfernung der Warzen und „faulen“ Wunden zum Einsatz. Heiße Aufgüsse der Blätter wurden dabei in die Wunden reingeträufelt. Mitunter wurden die Blätter auch pur verwendet. Von solchen Anwendungen wird heutzutage dringend abgeraten, da die giftigen Inhaltsstoffe bei unsachgemäßer Verwendung mehr Schaden anrichten können als sie Nutzen bringen.

Heutige Anwendungen beschränken sich zum Großteil auf homöopathische Behandlungen oder Therapien im Zuge der traditionellen chinesischen Medizin. Die in der Küchenschelle enthaltenden Inhaltsstoffe konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen antibiotische und antipyretische (fiebersenkende) Eigenschaften aufzeigen.

In der Homöopathie wird die Küchenschelle für viele unterschiedliche Erkrankungen verwendet. Hierzu zählen u.a.

  • leichteren Magen- und Darmerkrankungen,
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Gallenprobleme
  • Erkältungen
  • Bronchitis
  • Rheuma
  • Gicht
  • Bindehautentzündung
  • grauer und grüner Star
  • Hautexkzeme
  • .

Meistens werden die Potenzen C30 bis D30 verwendet, abhängig davon, ob eine akute oder chronische Erkrankung vorliegt. Eingenommen werden dabei entweder Tinkturen oder Globuli. Für homöopathische Medikamente werden Frischpflanzen verwendet, da hier das Protoanemonin als Wirkstoff essentiell ist. Homöopathische Auszüge von Pulsatilla werden u.a. auch bei der sanften Behandlung verschiedener Kinderkrankheiten verwendet.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gilt die Küchenschelle als Kraut mit kalter Temperatur. Anwendungsgebiete sind vor allem die Verdauungsorgane Dickdarm und Magen. Verwendung findet hier ausschließlich die Wurzel die meist als Boi Tou Weng bezeichnet wird.

In naturmedizinischen Anwendungen wird gelegentlich auch das getrocknete Küchenschellenkraut (Pulsatillae herba) bei Nieren- und Blasenerkrankungen, Erkrankungen der Geschlechtsorgane, grippalen Infekten oder bei nervösen Unruhezuständen verwendet. Beim getrockneten Kraut wird das stark giftige Protoanemonin in das schwach giftige Anemonin abgebaut. Pulsatille herbae wird meistens in Tinkturen oder Tablettenform verabreicht.

Hinweis in der Schwangerschaft: Schwangere sollten Küchenschelle während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden.

Küchenschelle kaufen – Was gibt es zu beachten?

Die Küchenschelle ist verhältnismäßig selten in Pflanzenfachmärkten oder Gartencentern erhältlich. Frische Pflanzen können gelegentlich im Onlinehandel erworben werden, wobei die Preise trotz der Seltenheit der Pflanze recht günstig sind. Es gibt mitunter verschiedene Züchtungen, die Blütenfarben von weiß, rosa bis violett hervorbringen.

Küchenschellen können auch im heimischen Garten bequem per Samen vorgezogen werden. Die meisten großen Hersteller von Saatgut bieten jedoch kein entsprechendes Produkt an. Auch hier wird die Suche über den Onlinehandel empfohlen, bei denen sich recht viele Händler mit teils verschiedenen Züchtungen finden lassen. Die Preiskategorie für das Saatgut ist zwar recht hoch, mit etwa 1,50 bis 2 EUR für 30 bis 40 Samen jedoch noch vertretbar.

Für homöopathische Anwendungen stehen Globulis und Tinkturen in unterschiedlichen Potenzen zur Verfügung. Laut Bewertungen auf einigen Onlineportalen scheint eine positive Wirkung vor allem bei Nasenschleimhautentzündungen, Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Halsentzündungen, Menstruationsschwierigkeiten, Migräne und nervösen Unruhezuständen zu haben. Wer nicht weiß welche Potenz genommen werden muss, sollte zunächst Rücksprache mit einem Apotheker, einem auf Naturheilkunde spezialisierten Arzt oder ggf. Heilpraktiker nehmen.

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