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Knoblauchsrauke

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Foto der KnoblauchsraukeDie Knoblauchsrauke - auch Knoblauchskraut genannt – ist unter Liebhabern von Wildkräutern keine Unbekannte. Der knoblauchartige bis leicht pfeffrige Geschmack kann in der Küche vielseitig verwendet werden. Das recht unscheinbare Wildkraut liefert wertvolle Vitamine und Mineralstoffe und dient sogar heute noch mitunter als Heilpflanze. Grund genug die Qualitäten dieses Krauts einmal auszuprobieren.

Knoblauchsrauke – Herkunft, Systematik und Merkmale

Herkunft und Vorkommen der Knoblauchsrauke

Die Knoblauchsrauke ist eine in Europa heimische Pflanze, deren natürliches Verbreitungsgebiet bis nach Vorderasien reicht. Da sie einen hohen ökologischen Toleranzbereich hat, gelang sie als Neophyt leicht nach Nordamerika. Die auch als Lauchkraut bekannte Pflanze ist in freier Natur recht häufig anzutreffen und leicht zu finden. Bevorzugte Plätze, an dem sich die Rauke in großer Zahl niederlässt, sind u.a. Brachflächen, Gartenränder, Laubwälder, Heckenplätze und Standorte mit stickstoffreichen Böden.


Knoblauchsrauken unter einem Laubbaum

Knoblauchsrauken finden sich häufig im Halbschatten unter Laubbäumen

Systematik von Alliaria petiolata

Die im wissenschaftlichen Kontext als Alliaria petiolata (früher Alliaria officinalis) bezeichnete Knoblauchsrauke ist ein typischer Vertreter aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist verwandt mit Kräuterpflanzen wie dem Senf, dem Hirtentäschel oder dem Barbarakraut.

Die Gattung Alliaria besteht wahrscheinlich aus nur aus etwa fünf Arten. Neben Alliaria petiolata wird häufig noch die Art Alliaria brachycarpa beschrieben, die jedoch nur in Kaukasien verbreitet und kaum bekannt ist.

Die Knoblauchsrauke wird auch als Knoblauchkraut, Knoblauchsenf, Lauchkraut oder Knoblauchhederich bezeichnet.

Merkmale der Knoblauchsrauke

Die unscheinbare Knoblauchsrauke ist eine meist zweijährige Pflanze (gelegentlich auch mehrjährig), die je nach Standortbedingungen bis zu 110 cm hoch werden kann. Meist sind die Wuchshöhen im Durchschnitt jedoch mit 60 bis 70 cm deutlich kleiner. Die leicht bräunliche bis weiße Pfahlwurzel ist häufig in der Mitte zwei bis dreifach geteilt.

Die Blätter der Knoblauchsrauke ähneln einer Mischung aus Brennnessel und Gundermann. Sie verfügen jedoch keine schmerzhaften Brennhaare und sind an den Blatträndern meist deutlicher gezackt. Markante Merkmale sind die Einkerbungen am Blattstiel sowie der deutlich nach Knoblauch riechende Duft beim Zerreiben der Blätter. Die Grundblätter sind meist deutlich runder als emporwachsenden Blätter, die meist spitz zulaufend sind. Im Gegensatz zum leicht vierkantigen Stängel sind die Blätter außerdem unbehaart.

Die Blüten der Knoblauchsrauke sind weiß gefärbt und erscheinen meist von Mitte April bis Anfang August. Jede der 5 bis 8 mm großen Blüten besteht aus vier Kelchblättern, vier Kronblättern und sechs gelben Staubblättern. Die Blüten sind nur an der Spitze der Pflanze zu finden und in kleinen Trauben angeordnet.

Blüte der KnoblauchsraukeDie kleinen weißen Blüten der Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Zur Fruchtreife bilden sich aus den weißen Blüten bis zu 8 cm lange Schoten aus, die jeweils bis zu acht dunkle nahezu schwarze Samen enthält. Die Samen selbst sind in der Regel nicht größer als 4 Millimeter.

Knoblauchsrauke – Anbau, Aussaat und Pflege

Die Anbau und die Pflege von Knoblauchsrauke sind in unseren Breitengraden problemlos möglich. Allerdings gibt es einiges bei der Aussaat, beim Standort und bei der Gartenplanung zu beachten.

Standortansprüche: Knoblauchsrauken lieben halbschattige und schattige Standorte. Bevorzugt werden nährstoffreiche, durchlässe und humose Böden, die etwas Feuchtigkeit speichern können. Im Garten sind Heckenplätze oder ältere Bäume, die nur wenig Sonnenlicht durchlassen optimal. Will man das Kraut auf dem Balkon anbauen, so eignen sich Ost-, Nord und Nordwestlagen besonders. Für Topfkulturen eignen sich handelsübliche Blumenerden besser als Kräutererden, da diese in der Regel nur über wenig Nährstoffvorräte verfügen und häufig zu locker sind.

Aussaat der Knoblauchsrauke: Die Aussaat kann zwischen März und April sowie Mitte bis Ende Oktober erfolgen, wobei die beste Zeit um den März herum ist. Empfehlenswert ist auch eine Aussaat in Samenschalen. Die Schalen sollten dann auf dem Balkon oder direkt ins Freiland gestellt werden. Die Samen sind Kaltkeimer und benötigen zu Beginn Frost. Sonnige Standorte sind bei der Aussaat strikt zu meiden! Bis die ersten Keimlinge erscheinen, kann es durchaus etwas dauern. In der freien Natur erscheinen die Keimlinge meist beim Übergang von kälteren und nachtfrostbetonten Wetter hin zu den ersten wärmer werdenden Frühlingstagen.

Knoblauchsrauke düngen: Wächst das Kraut im Garten auf nährstoffreichem Boden ist eine zusätzliche Düngung in den meisten Fällen nicht erforderlich. Gelegentliche Düngerzugaben benötigen jedoch Topf- und Kübelkulturen, da die Nährstoffe nicht in der Erde gehalten werden können. Ein stickstoffbetonter organischer Dünger ist hier am besten geeignet, um für ein optimales Wachstum der Knoblauchsrauke zu sorgen.

Gießen und Wasserbedarf: Als schattenliebendes Kraut benötigt die Knoblauchsrauke auch entsprechend Wasser. Kurzzeitige Trockenperioden hält sich zwar in der Regel aus, allerdings sollte der Boden niemals vollständig austrocknen. Bei Topfkulturen sollte darauf geachtet werden, dass die Erde immer leicht feucht gehalten wird.

Knoblauchsrauke überwintern: Die Pflanze ist frosttolerant und damit winterfest. Bezüglich der Überwinterung müssen keine gesonderten Maßnahmen getroffen werden.

Knoblauchsrauke und Bäume: Wer das nach Knoblauch duftende Kraut im Garten anbauen will und über einen gesunden Baumbestand verfügt, sollte Vorsicht walten lassen. Nahezu alle Bäume gehen Symbiosen mit Mykorrhizapilzen ein, die von der Knoblauchsrauke jedoch langfristig nach und nach zerstört werden. Direkte großflächige Anpflanzungen unter Bäumen können also unter Umständen zu Schäden am Baumbestand führen.

Verwendung der Knoblauchsrauke

Die Knoblauchsrauke ist ein hervorragendes Wildkraut für die Küche, die sich dort sehr vielseitig verwenden lässt. Außerdem enthält die Pflanze viele Inhaltsstoffe, die einen positiven Einfluss auf unseren Organismus haben können.


Knoblauchrauke in der Küche

Unter Kräuterfreunden ist die Knoblauchsrauke längst kein Geheimtipp mehr. Genau wie beispielsweise Gundermann, Giersch und Sauerampfer erfreut sich dieses Wildkraut zunehmender Beliebtheit.

Dass der Genuss der Blätter, Samen, Blüten und Wurzeln auf eine lange Tradition zurückblicken, belegen historische Funde von „Kochgschirr“ aus der Zeit vor etwa 5000 Jahren. Beispielsweise fand man an der dänischen und norddeutschen Ostseeküste Gräber und alte Kochstätten, an denen Reste der Knoblauchrauke gefunden werden konnten.

Die Nutzung der Knoblauchsrauke als würzendes Kraut riss auch in den folgenden Jahrhunderten nicht ab. Bis weit hinein in das Mittelalter wurde die Pflanze zum Würzen unterschiedlicher Gerichte verwendet. Der pfeffrige, würzige und an Knoblauch erinnernde Geschmack wurde anstelle von Pfeffer verwendet, was zu jener Zeit als eine exquisite Kostbarkeit galt und sich nicht von jedermann geleistet werden konnte.

Neben dem eigentümlichen Geschmack, der verglichen mit Bärlauch oder Knoblauch milder ist, hat der Verzehr von Knoblauchsrauke einen Vorteil: nach dem Essen duftet man nicht nach dem aromenverwandten Zwiebelgewächs.

Noch kräftiger im Geschmack als die Blätter sind die Samen und die Wurzeln der Knoblauchsrauke. Von daher verwundert es nicht, dass die Samen für Rezepte von Wildkräutersenf angepriesen werden. Dazu werden die schwarzen Samen zusammen mit etwas Essig und Salz in einem Mörser miteinander vermengt und zerkleinert, bis eine streichfähige Masse entsteht.Die Wurzeln hingegen – die nur im ersten Jahr verwendet werden, bevor die Knoblauchsrauke in die Höhe wächst – werden mit einer Raspel zerkleinert. Sie werden ähnlich wie Meerettich verwendet und können für geräuchterten Fisch beispielsweise eine Delikatesse sein.

Ebenfalls roh gegessen werden die Blüten und Blätter der Knoblauchsrauke. Durch das Erhitzen geht das eigentümliche Aroma verloren, weshalb dieses Wildkraut nicht geeignet ist, um Braten oder Soßen während des Kochens zu verfeinern. Stattdessen wird das klein geschnittene Kraut nach dem Erhitzen bzw. vor dem Servieren über Speisen gegegeben. Knoblauchsrauke passt demnach auch hervorragend in die kalte Küche, z.B. zur Verfeinerung von selbstgemachter Kräuterbutter, Wildkräuterfrischkäse oder -quark.

Eine andere Möglichkeit, in den Geschmack der Knoblauchsrauke intensiv zu erleben, ist die Herstellung eines Kräuterpestos. Für Knoblauchsraukenpesto werden 100 Gramm Blätter, ein aromatischer Hartkäse, Pinienkerne oder Walnüsse sowie Olivenöl und Salz benötigt. Die Zutaten werden mit einem Mörser zerkleinert und vermischt und zu einer gleichmäßigen Paste zerkleinert.

Knoblauchsrauke sollte grundsätzlich nicht getrocknet werden, da es nahezu sein komplettes Aroma verliert. Eine Möglichkeit des Konservierens ist das Einfrieren.

Knoblauchsrauke als Heilkraut

Als Heilkraut spielt die Knoblauchsrauke heute keine große Rolle, dennoch enthält die Pflanze einige Inhaltsstoffe, die eine Nutzung in Betracht ziehen. In der Vergangenheit war dies anders. Die im Mittelalter als Knoblauchskraut bezeichnete Pflanze kam sowohl bei der inneren als auch äußeren Behandlung diverser Beschwerden zum Einsatz.

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurde Knoblauchsrauke u.a. bei der Behandlung von Hüftschmerzen und Seitenstechen verwendet. Genutzt wurde die Pflanze hierzu als Salbe, indem Blätter der Knoblauchsrauke zerrieben und mit Essig, Salz und Ingwer vermischt wurden. Auch gegen Kurzatmigkeit wurde das Wildkraut in Form eines Tees verwendet. Äußerlich wurde Knoblauchsrauke als Frauenkraut sowie bei der Therapie Fallsucht (Epilepsie) und Schlafsucht (vermutlich Hypersomnie) empfohlen.

Knoblauchskraut in alten Kräuterbüchern
Knoblauchsrauke oder Knoblauchskraut wurde in alten Kräuterbüchern als Heilpflanze empfohlen (hier P.A. Matthioli)

In der heutigen Zeit wird die Pflanze nur noch gelegentlich naturheilkundlich verwendet was vor allem daran liegt, dass es weitaus wirksamere Heilpflanzen gibt. Beschwerden und Krankheiten für die sie in Betracht kommt, sind u.a. die folgenden.

  • Erkältungsbeschwerden
  • Wundheilung
  • Rheuma
  • Gicht
  • Entzündungen des Mund- und Rachenraums
  • Zahnfleischentzündung
  • Verdauungsbeschwerden

Die Heilwirkung beruht vor allem auf den enthaltenden Senfölglykosiden, Saponinen sowie einigen ätherischen Öle. Diese Inhaltsstoffe wirken vor allem antibakteriell, wassertreibend, auswurfsfördernd, schleimlösend und leicht wundheilend.

Wird die Knoblauchsrauke als Heilkraut verwendet, so werden meistens frische Presssäfte aus der ganzen Pflanze, Kompressen oder Tees zubereitet.

Wissenschaftlich ist die Knoblauchsrauke derzeit nicht von besonderem Interesse. Es bestehen nur sehr wenige und meist ältere Studien über die medizinische Nutzung des bekannten Wildkrauts. Da die Pflanze jedoch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe enthält und Nebenwirkungen nicht bekannt sind, gilt sie als gesundes Wildgemüse, da gern und oft verzehrt werden kann.

Knoblauchsrauke kaufen – Was gibt es zu beachten

Die Knoblauchsrauke ist ein häufig vorkommendes Wildkraut, das sich mit etwas Übung und Ortskenntnis meist schnell finden lässt. Es gibt daher nur sehr wenige Angebote von Händlern.

Einige Hersteller von Saatgut bieten Samen der Knoblauchsrauke an, um sie im eigenen Garten oder auf dem Balkon anbauen zu können. Beim Kauf der Samen sollte man jedoch bedenken, dass ein wenig Geduld beim Aufwuchs aufzubringen ist, da die Keimlinge nur sehr unregelmäßig erscheinen.

Frische Pflanzen sind in Pflanzencentern meist nicht zu erhalten. Mit etwas Glück kann man einige Exemplare auf Staudenmärkten oder im Onlinehandel ergattern.

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