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Karde

Karde (Dipsacus fullonum) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Die Wilde Karde ist nicht nur für Hobbygärtner eine hübsch anzusehende Pflanze, sondern hat auch zahlreiche Inhaltsstoffe, die in der Volksheilkunde sowie bei naturheilkundlichen Verfahren angewendet werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Kardenwurzel, die u.a. bei Hautkrankheiten, Gelbsucht, Magen- und Darmbeschwerden und sogar bei Borreliose eingesetzt wird.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Wilden Karde

Herkunft und Vorkommen der Wilden Karde

Die Wilde Karde kommt vermutlich ursprünglich aus dem mediterranen Raum und hat sich über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren ohne Zutun des Menschen im mitteleuropäischen Raum verbreitet. Heute ist sie u.a. in der Türkei, in einigen Ländern Nordafrikas, auf den Kanaren sowie in vielen mittel- und südeuopäischen Ländern zu finden.

Die Pflanze wird häufig auf lehmigen Brachflächen, aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen sowie auf Ufern und Wegen gefunden. Da sie lehmige Standorte bevorzugt, gilt sie auch als Zeigerpflanze für Lehmböden. Sie ist vorwiegend im Flachland sowie im hügeligen Land bis 800 Meter anzutreffen.

systematische Einordnung der Wilden Karde

Die Wilde Karde gehört zur Familie der gleichnamigen Kardengewächse (Dipsacaceae) sowie zur Gattung der Karden. Die Gattung (Dipsacus) umfasst ungefähr 20 Arten, wobei neben der hier beschriebenen Wilden Karde (Dipsacus fullonum) auch die Weber-Karde sowie die behaarte Karde bekannt sind. Die Weber-Karde wird gelegentlich noch zur Herstellung von Naturstoffen (z.B. Filz) eingesetzt, wohingegen die behaarte Karde gelegentlich als Zierpflanze in Gärten zu bestaunen ist.

Weitere Namen der Wilden Karde sind Wald-Karde, Kardendistel oder Kardenwurzel.

Merkmale der Wilden Karde

Bei der Wilden Karde handelt es sich um eine zweijährige und krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 200 cm erreichen kann. Meist wird sie jedoch deutlich kleiner. Die Pflanze ähnelt aufgrund ihrer stachligen Blütenstände der Distel. Ebenso auffällig sind die großen Kardenwurzeln, die eine gelblich-weiße Farbe aufweisen.

Die Wilde Karde bildet im ersten Jahr eine Blattrosette aus. In diesem Jahr werden wichtige Nährstoffreserven ausgebildet, die die Pflanze in der Wachstumsphase im zweiten Jahr benötigt. Die Blätter der Rosette sind filigran gezähnt und haben eine lanzettliche Form. Die Blätter, die dem Stängel entspringen, wachsen paarweise zusammen und weisen im Gegensatz zu den Grundblättern eine deutliche Kerbung auf.

Besonders auffällig ist die Karde bei der Ausbildung ihrer Blütenpracht. Die Blütezeit findet in der Regel zwischen Mitte Juni und Anfang September statt. Zur Zeit der Blüte bildet die Karde weißliche bis violette Blütenblatter aus, die in einem bis zu 10 cm großen, eiförmig und länglichen Blütenkopf (Blütenstand) sitzen. Dieser Blütenstand hat eine Vielzahl an stacheligen und borstigen Hüllblätter, die an die distelähnliche Form erinnern. Aus den Blüten entstehen dunkle Nussfrüchte, von der jede Nuss nur ein Samen enthält. Im Übrigen kann eine einzelne Pflanze bis zu 2000 Samen produzieren.



Karden sind beliebte Pflanzen für Insekten, allen voran für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge.

Aussaat und Pflege der Wilden Karde

Hobbygärtner, die die Karde im Garten kultivieren wollen, benötigen zunächst lehmige und relativ feuchte Böden. Optimal wächst die Pflanze an sonnigen Standorten, verträgt jedoch auch halbschattige Standorte sehr gut. Die Wilde Karde ist sehr frosttolerant und verträgt Temperaturen von bis zu -35 °C. Das Kraut ist kalkliebend, so dass bei kalkarmen Standorten zusätzliche Gaben von Gartenkalk eingebracht werden müssten.

Die Aussaat der Wilden Karde erfolgt im Frühjahr von Ende März bis Mitte April oder im Frühherbst. Die Samen sollten direkt im Freiland ausgesät werden, da eine Kultur auf dem Balkon schwierig und kaum zu empfehlen ist. Im Beet sollte zwischen den einzelnen Pflanzen ein Abstand von 35 bis 40 cm eingehalten werden.

Bei guten Standortbedingungen benötigt die Karde nur wenig zusätzliche Pflege. Wichtig ist, dass die Pflanze ausreichend Wasser erhält und der Boden nicht zu häufig austrocknet. Gedüngt werden sollte die Wilde Karde nur wenig. Im ersten Jahr, wenn sie ihre Rosettenblätter ausbildet, bedarf es keiner zusätzlichen Düngung. Im Folgejahr genügt es meist, etwas organischen Langzeitdünger oder hochwertigen Kompost in die Erde einzuarbeiten.

Die Wilde Karde und ihre Verwendung

Die Karde in der Küche

Für die Verwendung von Speisen und Gerichten ist die Wilde Karde nur von geringer Bedeutung. Gelegentlich wird die Kardenwurzel zur Herstellung von Likören verwendet. Auch gibt es einige Rezepte, bei denen Kardenpulver in Backwaren wie Brot, Kuchen und Kekse eingearbeitet wird. Dort dient es allerdings meist nicht der geschmacklichen Verfeinerung, sondern zur begleitenden Therapie bestimmter chronischer Erkrankungen wie z.B. Borreliose.

Die Karde als Heilkraut

Die Kardendistel war bereits im Altertum sowie im Mittelalter ein bekanntes und häufig verwendetes Heilkraut gegen eine Vielzahl von Erkrankungen. Verwendung fanden hierbei sowie Kardenblätter als auch die Kardenwurzel. Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wurden Kardenblätter zusammen mit Essig auf den Bauch gelegt, um Durchfälle zu behandeln. Außerdem wurde es bei Gelbsucht ( Es heylet und vertreibet auch alle gelbe / braune Flecken unter den Augen) und bei Mundfäule verwendet.



Heute werden Kardenblätter und Kardenwurzeln sowohl bei inneren als auch äußeren Beschwerden verwendet. Hauptsächliche Anwendungsbereiche sind Erkrankungen und Beschwerden der Verdauungsorgane, Wundheilung und diverse Hautkrankheiten. Im Speziellen werden folgende Beschwerden naturheilkundlich mit Wilder Karde behandelt oder deren Symptome gelindert:

  • kleinere Wunden
  • Warzen
  • Gerstenkörner
  • Fisteln
  • Hautflechten
  • kleinere Hautgeschwüre
  • Dermatosen
  • Gelbsucht
  • kleinere Leberbeschwerden
  • Magenschwäche
  • Gallenbeschwerden
  • allgemeine Verdauungsstörungen
  • Reizmagen
  • Rheuma
  • Gelenkschmerzen
  • Borreliose

Viele der Krankheiten und Beschwerden, für die die Karde in der Volksmedizin von Bedeutung waren, sind wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht worden, so dass konkrete schulmedizinische Beweise für deren Wirksamkeit ausbleiben. Nachvollziehbar ist es jedoch, dass die Wilde Karde aufgrund ihrer Inhaltsstoffe - allen voran Saponine, Glykoside und Kaffeesäure - entzündungshemmende, harntreibende, schweißtreibende und antioxidative Eigenschaften aufweist.

Eine besondere Bedeutung erfährt die Wilde Karde in der naturheilkundlichen Behandlung von Borreliose. Zur Anwendung kommen hier meist Tinkturen aus der Kardenwurzel. In der Regel werden 3 mal täglich zwischen 20 und 30 Tropfen über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen eingenommen. Der Gesamteinnahmezeitraum beträgt etwa ein Jahr, wobei dazwischen immer wieder Pausen einzuhalten sind. Einige Studien konnten unter bestimmten Umständen tatsächlich eine Wachstumshemmung der Bakterienart Borrelia burgdorferi unter Laborbedingungen beobachten [1].

Kardenblätter und Kardenwurzel kaufen – Was ist zu beachten?

Die Karde ist ein recht beliebtes Naturheilmittel und ist folglich auch im Fachkräuterhandel sowie vereinzelt in Reformhäusern anzutreffen. Kardenwurzel gibt als geschnittenes Produkt sowie als fertige Tinkturen oder Essenzen. Kardenblätter sind hingegen etwas seltener und meist nur in speziellen Onlineshops oder auf Nachfrage in der Apotheke zu erhalten.

Beim Kauf von Tinkturen und Essenzen ist im Grunde das Mindesthaltbarkeitsdatum zu beachten. In der Regel können die Produkte zwei Jahre nach Abfüllung gelagert werden. Wer Tinkturen aus Kardenwurzeln verwendet, sollte die Flüssigkeiten vor direktem Sonnenlicht und zu hohen Zimmertemperaturen schützen (dunkel und kühl lagern!).

Frische Pflanzen gibt es kaum zu kaufen. In einigen ausgewählten Pflanzenfachcentern sowie im Versandhandel können allerdings Kardensamen gekauft werden. Hier sollte immer auf den botanischen Namen geachtet werden, da es mehr als 20 verschiedenen Kardenarten gibt.

Es empfiehlt sich immer, Schmerzen oder Krankheiten, die nach Anwendung nicht besser werden, von einem Arzt untersuchen zu lassen. Unerfahrene Anwender sollten bei mittleren und schweren Beschwerden vor einer Behandlung einen Arzt oder Apotheker konsultieren.

Literaturhinweise

  • [1]: Liebold, T., Straubinger, R.K., Rauwald, H.W. (2011): „Growth inhibiting activity of lipophilic extracts from Dipsacus sylvestris Huds. Roots against Borrelia burgdorferi s. s. in vitro“. In: Pharmazie, Vol. 66, S. 628-630. DOI: 10.1691/ph.2011.0887
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