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Huflattich

Huflattich (Tussilago farfara) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Huflattich zählt zu den Pflanzen, die sich als erstes auf den unwirklichsten Untergründen ansiedelt – egal ob Kiesbett, Straßenrand oder Kohle: Huflattich wächst nahezu überall und ist mit den strahlend gelben Blüten sofort zu erkennen. Auch wenn Huflattich als Unkraut in Gärten ungern gesehen wird, hat das Kraut eine heilende Wirkung, die vor allem in der Antike und im Mittelalter geschätzt wurde

Pflanzenmerkmale und Systematik des Huflattichs

Herkunft des Huflattichs

Der Huflattich ist relativ weit verbreitet und in vielen Ländern Europas, Afrikas sowie Westasiens heimisch. Das Kraut gehört zu den invasiven Pflanzen, weshalb die Pflanze heute auch in Nordamerika und Ostasien anzutreffen ist.

Vorkommen des Huflattichs

Das Kraut ist heute sowohl im Flachland als auch in den mittleren Lagen der Hochgebirge anzutreffen. Meist besiedelt er karge Böden und besiedelt vorrangig Steinbrüche, naturbelassene Pfade und Wege, Bach- und Flussufer, Böschungen. Er verträgt viele Standortbedingungen, ist widerstandsfähig und äußerst anpassungsfähig.

Systematik des Huflattichs

Der Namenszusatz der botanischen Bezeichnung farfara enthält eine direkte Beschreibung der Blätter. Farfara - „Von Mehl getragen“, so sieht die Unterseite der Blätter des Huflattichs aus. Feine Härchen lassen die Blätter erscheinen, als wären sie mit Mehl bepudert. Dass die Gestalt der Blätter hufförmig ist, verrät die Vorsilbe des Namens Huflattich, während „lattich“ von der lateinischen Vokabel für Milch steht und auf den Milchsaft der Pflanze verweist.

Der Hutlattich gehört zur Familie der Korbblütler und ist daher mit anderen Kräutern wie Löwenzahn, Estragon, Stevia oder der Ringelblume verwandt. Die Gattung Tussilago hat mit Tussilago farfara nur die hier beschriebene einzige Art.

Merkmale vom Huflattich

Der Hutlattich erreicht meistens Wuchshöhen zwischen 15 und 30 cm, je nach Standortbedingungen und Winterhärte. Die Pflanze ist frosthart, winterhart und mehrjährig.

Die langgestielten Blätter des Huflattichs haben eine etwas eckige Form, sind leicht gezähnt und erinnern an einen typischen Huf. Die Unterseite der bis zu 20 cm breit werdenden Blätter fühlt sich aufgrund der vielen kleinen Blatthaare weich an. Auf der Oberseite sieht man im Gegensatz zur Blattunterseite deutliche Blattadern.

Der Huflattich hat auffällig gelbe Blüten, die zwischen Februar und April zum Vorschein kommen. Die Pflanze ist ein klassischer Frühblüher. Die korbähnliche Blütenform ist charakteristisch für dessen Pflanzenfamilie. Jeder einzelne Blütenkorb kann bis zu 300 Einzelblüten enthalten.



Die Früchte des Huflattichs werden in der botanischen Fachsprache Achänen genannt. Diese Fruchtform ist typisch für Korbblütler. Achänen sind spezielle Nussfrüchte, die sich aus dem unterständigen Fruchtknoten der Blüte entwickeln. Der Fruchtkomplex erinnert an die beim Löwenzahn ähnliche Pusteblume. Die Früchte des Huflattichs lassen sich jedoch deutlich vom Löwenzahn durch die auf dem Blütenstängel enthaltenden Schuppen unterscheiden.

Huflattich aussäen und pflanzen

Huflattich trägt viele Namen, die einen Hinweis auf mögliche Vorkommen dieser Pflanzen enthalten: Lehmblümel oder Sandblümel sind nur einige. Huflattich stellt so geringe Ansprüche an den Untergrund und Boden, auf dem er wächst, bevorzugt aber einen lehmigen, feuchten Standort in der prallen Sonne. Dass Huflattich ein Sonnenanbeter ist, davon zeugt die Reaktion der Huflattichblüten auf die Sonne und den bedeckten Himmel. Im Sonnenlicht präsentiert Huflattich seine Blütenköpfchen, während sich selbige bei Wolken schließen. Die Pflanze gedeiht aber auch im Halbschatten, solange genügend Wasser zur Verfügung steht. Huflattich ist derart anspruchslos, dass man ihn auf Schotterwegen, Steinbrüchen, Bahndämmen, verlassenen Ruderalflächen, Schutthalden und am Wegesrand findet.

Die Vermehrung von Huflattich erfolgt entweder über Samen oder Ableger, gezogen aus der Wurzel. Damit Huflattich andere Pflanzen im Garten nicht verdrängt bzw. an Überhand gewinnt, empfiehlt es sich, Huflattich in Kübeln zu halten.

Auch wenn Huflattich als frosthart gilt, sollten Kübelpflanzen bei Minustemperaturen ins Haus geholt werden (siehe Artikel Kräuter richtig überwintern.

Die Vermehrung über Samen ist ebenso unproblematisch wie die Gewinnung von Jungpflanzen über Senker. Die Samen werden noch im Frühjahr in die Erde gebracht und bereits nach zwei Tagen beginnen die Samen zu keimen. Auch wenn Huflattich als Unkraut gilt, bieten mittlerweile einige Händler, vor allem im online-Bereich Huflattichsamen an. Blüht Huflattich im eigenen Garten, braucht man sich um die Vermehrung über Samen keine Gedanken machen. Die Pflanze ist selbstaussäend und kann wegen der etwa 300 Samen, die pro Blütenkopf ausgebildet werden, ganze Teppiche bilden, die insbesondere bei Schmetterlingen beliebt sind.

Huflattich und dessen Verwendung

Hutlattich gehört neben Krokussen und Schneeglöckchen zu den ersten Pflanzen, die im Spätwinter bzw. beginnenden Frühjahr blühen. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem mit der Ernte der Blüten begonnen wird, die in der Küche, vielmehr aber in der Pflanzenheilkunde eingesetzt werden.

Huflattich in der Küche

Löwenzahl, Giersch und Gänseblümchen sind Pflanzen, die als Wildkräuter in Salaten verwendet, immer beliebter werden. Huflattich als essbare Pflanze ist dahingegen relativ unbekannt. Verzehrt werden die Blüten ebenso wie die frischen Blattriebe – als Rohkost oder kurz blanchiert.

Huflattich hat einen leicht pfeffrigen Geschmack ist herzhaft und kann auch als Gemüse verzehrt werden. Hierzu sollte es kurz aufgekocht werden und mit etwas Salz gewürzt werden. Der Geschmack eignet sich ganz hervorragend zu Kartoffel- oder zu Reisgerichten.

Huflattichblätter eignen sich auch für die Zubereitungen von gefüllten Gerichten. In die Blätter können z.B. Zutaten wie Käse oder Cremes eingefüllt werden.

Auch wenn der Einsatz in der Küche aus kulinarischen Gründen möglich ist, sollte das Kraut nie in großen Mengen und auch nur selten verzehrt werden. Huflattich enthält toxische Pyrrolizidinalkaloide, die in großen Mengen konsumiert, zu Leberschädigungen führen können.

Huflattich als Heilkraut

Huflattich ist als Arzneipflanze in Vergessenheit geraten. Dabei machen die schleimlösenden Inhaltsstoffe Huflattich zu einem seit altersher erprobtem Heilkraut gegen diverse Leiden im Bereich der Bronchien (z.B. Bronchitis, Husten, Heiserkeit, allgemeiner Erkältung). Ich vertreibe den Husten – so lautet die Übersetzung des botanischen Namens Tussilago. Als Tee (2 Teelöfel auf eine Tasse, ca. 10 min ziehen lassen). getrunken oder als Gurgellösung verabreicht, löst Huflattich festsitzenden Husten und erleichtert das Kratzen im Hals. Anders sah es bei Plinius und anderen historischen Gelehrten aus. Sie rieten dazu, Huflattich zu rauchen – daher das veraltete Synonym Tabakkraut. Davon wird heute abgeraten, da der Rauch die Erkältungsbeschwerden eher verschlimmern als verbessern kann.

Zudem wird davor gewarnt, Huflattich länger als einen Monat zu konsumieren, da die im Huflattich enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide als toxisch eingestuft werden. Um tatsächliche Leberschäden davonzutragen, müsste der Huflattich jedoch in hohen Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Es wird dennoch angeraten, dass Frauen in Schwangerschaft sowie Leberkranke den Konsum meiden oder zumindest mit einem Arzt oder Fachkundigen besprechen. Im Handel gibt es auch Huflattich-Sorten, die arm bzw. frei an Pyrrolizidinalkaloiden sind. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass der Huflattich in keinerlei Weise seinen Stellenwert als Arzneipflanze durch diese Stoffe verliert. Auch konnte noch keine wissenschaftliche Studie einen direkten Zusammenhang zwischen Erkrankungen und der Einnahme von Huflattich feststellen, auch wenn dies auf manchen Internetseiten so dargestellt wird. Hier beziehen sich die Informationen immer ausschließlich auf das Vorhandensein der Alkaloide. Die Pflanze ist im Übrigen im Jahr 1994 zur Heilpflanze des Jahres gekürt wurden.

Für die Verwendung von Huflattich als Heilkraut werden neben den Blättern auch die Blüten genutzt – sowohl getrocknet als auch frisch.

Neben der Darreichung als Huflattichtee, wird auf Huflattichhonig zurückgegriffen. Die Herstellung ist einfach: Entweder werden die Blüten in Honig eingelegt und nach einem Monat ausgesiebt, oder man stellt sich aus einem halben Kilogramm Zucker sowie 200 g Blüten einen Sirup her. Ferner wird ein dreiviertel Liter Wasser benötigt, der zusammen mit Blüten und Zucker aufkocht wird und anschließend abgeseiht wird. Bei Bedarf wird bei Husten etwas von Sirup oder Honig pur oder in Tee eingenommen.

Auch wird Huflattich bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt, da die in der Heilpflanze enthaltenden Pflanzenschleimstoffe sowie die Bitterstoffe gegen Entzündungen, Verstopfungen und Durchfällen helfen.

Ebenso wird Huflattich wegen der entzündungshemmenden Inhaltsstoffe bei Hautproblemen, kleineren Schürfwunden, Pickeln, Hautunreinheiten und Ekzemen eingesetzt. Auch Betroffene, die unter trockener Haut leiden, können mit Huflattichextrakten häufig gute Erfolge erzielen. Die Heilpflanze enhält Substanzen, die antibakteriell sind und Entzündungen entgegenwirken können – eine Anwendung, die schon in der Pflanzenheilkunde der Hildegard von Bingen Erwähnung findet.

Dass der Huflattich Hautbeschwerden lindern und sogar heilen kann, war bereits den Botanikern und Ärzten im Mittelalter bekannt. Der Huflattich fand daher auch im ersten großen Kräuterbuch Gart der Gesundheit von 1485 Erwähnung: „Diss krauttes safft gestrichen auff die gryntigen haut heilet den grynt zu hant•(Den safft von disem krautte gemüschet mit essiig unnd rauten safft yegkliches geleiche vil und diss getruncken des abentes auff ein lôffel foll machet ser schwiczen und treibet mit dem schweiss aus die pestilencz“



Auch für die Kopfhaut leistet Huflattich gute Dienste, denn die Pflanze enthält Inhaltsstoffe, die in der Lage, Juckreiz zu mildern und Schuppen nachhaltig zu behandeln. Nur wenige Behandlungen mit Huflattich-Tinkturen oder die Verwendung eines huflattichhaltigen Shampoos genügen, um Kopfhautproblemen wirkungsvoll entgegenzutreten.

Huflattich kaufen - Was gibt es zu beachten?

Da der Huflattich wieder sehr in Mode kommt, haben auch eine Vielzahl an Herstellern und Händlern das Kraut in ihre Sortimente aufgenommen. Huflattich gibt es als Pflanze, als getrocknetes Kraut, als Saatgut oder auch bereits verarbeitet in Pflegeprodukten

Beim Einkauf ausgewachsener Pflanzen sollte darauf geachtet werden, dass die Blätter des Huflattichs frei von kleinen rötlichen oder gelben Punkten ist. Diese Punkte sind meistens ein Hinweis darauf, dass das Kraut mit den Rostpilzen Puccinia poarum oder Coleosporium tussilaginis befallen sind. Huflattich der mit Pilzen befallen ist, eignet sich kaum noch für den Verzehr. Zudem ist es äußerst schwierig, den Pilz einzudämmen.

Saatgut wird auch von einigen spezialisierten Samenhäusern angeboten. Im Handel bzw. in Supermärkten wird man Huflattich in der Regel nicht finden. Da Huflattich sehr häufig in der Natur anzutreffen ist, wird sich ein Handel scheinbar hier nicht lohnen. Einige Saatguthändler bieten auch spezialisierte Züchtungen an, die nur geringe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden aufweisen.

Einige Hersteller bieten auch spezielle freiverkäufliche Heilmittel auf Basis von Huflattich an. Die Palette reicht von Huflattichsaft bis hin zu getrockneten Kräuter, die für die Zubereitung eigener Tees gedacht sind. Preislich liegen die Säfte zwischen 9 und 13,00 EUR für 200 ml.

Viele Pflegeprodukte enthalten Huflattich aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften. Häufig finden sich Haarpflege-, Fußpflege und Hautpflegeprodukte mit Huflattichbeigaben. Zu beachten ist, dass tatsächlich auch Huflattichextrakte enthalten sind. Dies können Sie überprüfen, wenn auf den Inhaltsstoffangaben der botanische Name Tussilago farfara aufgeführt ist.

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