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Frauenmantel

Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Der gelbgrüne Frauenmantel ist eine recht eigentümliche Pflanze, die seit dem Mittelalter in der Heilkunde eine sehr große Rolle, v.a. bei typischen Frauenbeschwerden und Magen-Darm-Beschwerden spielt. Charakteristisch ist die Pflanze, die auch als Alchemistenkraut, Marienkraut oder Frauenhilf bezeichnet wird, durch ihre rund gezähnten Blätter.

Pflanzenmerkmale und Systematik des gelbgrünen Frauenmantels

Herkunft und Vorkommen des Frauenmantels

Der Frauenmantel kommt ursprünglich aus Osteuropa und Asien und ist heute auch in den meisten Ländern Westeuropas, darunter Frankreich, Großbritannien, Griechenland und auch in Deutschland verbreitet. Häufig ist er im Harz anzutreffen. Auch nach Nordamerika und Australien wurde sie eingeschleppt. In der Natur wird er meist an feuchten Wiesen oder in Hanglage gefunden.

Systematik Frauenmantels

Der gelbgrüne Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist mit anderen Kräutern wie Mädesüß, Odermennig oder Weißdorn verwandt. Pflanzensystematiker haben die Gattung des Frauenmantels (Alchemilla) in sieben generelle Sektionen eingeteilt. Zudem existieren 13 Sektionen, um die europäischen Sippen zu beschreiben. Da die einzelnen Frauenmantel-Arten teils sehr unterschiedlich gebaut sind, musste diese Einteilung von Pflanzensystematikern vorgenommen werden. Der gelbgrüne Frauenmantel ist der Sektion Alchemilla zugehörig.

Neben dem gelbgrünen Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) ist noch der spitzlappige Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) recht bekannt. Auch dieser wird in der Naturmedizin gelegentlich verwendet.

Merkmale des Frauenmantels

Das charakteristischste Merkmal des gelbgrünen Frauenmantels sind seine ründlich, teils nierenförmigen und gelappten Blätter. Die Blätter sind auf der Unterseite leicht behaart und meist zwischen 5 und 15 cm breit. Die Blätter sind an ebenfalls leicht behaarten Stielen, die meist eine flache Innenseite aufweisen, befestigt.

Die Blüten sind, wie der eigentliche Name bereits aussagt, gelblich grün und in recht dichten Blütenständen angeordnet. Die einzelnen Stände enthalten wiederum mehrere lockere Blütenrispen. Die einzelnen Blüten sind nur wenige Millimeter breit und selten behaart. Der gelbgrüne Frauenmantel blüht zwischen Mai und August.

Die Pflanze wächst rosettenartig und wird im meist zwischen 40 und 50 cm hoch. Die Pflanze bildet einen kriechenden, verholzten und recht dunklen, teils schwarzen Wurzelstock aus. Ein besonderes Merkmal sind die kleinen, glasklaren Tropfen, die aus den Blättern heraus transpiriert werden. Diese Tropfen werden als Guttationstropfen bezeichnet, wodurch sich im Übrigen auch der Name Alchemilla ableitet. Die Wissenschaftler im Mittelalter waren erstaunt über das natürliche Destillat und bezeichneten den Frauenmantel daher auch als Alchemistenkraut.



Frauenmantel aussäen und pflanzen

Der Frauenmantel lässt sich sowohl gut per Samen anziehen, als auch per Teilung vermehren. Das Kraut benötigt sonnige bis halbschattige Standorte und eher feuchte und nährstoffreiche Böden. Die Böden sollten zudem durchlässig sein. Bei sehr lehmhaltigen Böden wird empfohlen die Erde mit etwas Quarzsand oder Lavagranulat zu lockern.

Beim Aussäen von Frauenmantel ist darauf zu achten, dass die Samen Frostkeimer sind. Im Freiland kann mit der Aussaat bereits zwischen Oktober und Januar begonnen werden. Am besten ist die Samen in einer Schale an einem geschützten Platz aufzubewahren. Die Schale darf nicht austrocknen, so dass sichergestellt werden muss, dass die Samen immer etwas Feuchtigkeit haben. Im Frühjahr können die kleinen Pflänzchen dann an den gewünschten Ort pikiert werden. Pro laufender Meter sollten nicht mehr als fünf Pflanzen eingebracht werden.

Beim Umsetzen der kleinen Kräuter sollte ein bereits leicht vorgedüngter Standort gewählt werden. Zur Düngung des Frauenmantels eignen sich Kompost oder pelletierter Rindermist. Nach dem Ernten sollte der Boden ebenfalls noch mal gedüngt werden.

Für den Hausgebrauch können zur Blütezeit sowohl die Blätter als auch Blüten geerntet werden. Als Wintervorrat können die Blätter getrocknet werden. Die Pflanze sollte nach der Blüte, meist gegen August, kräftig zurückgeschnitten werden.

Wer wilden Frauenmantel in seiner Umgebung hat, kann auch einige wenige Pflanzen direkt entnehmen und in den Garten einpflanzen. Die Pflanzen säen sich ziemlich schnell selbst aus und neigen bei nicht sachgerechter Pflege sogar zum Überwuchern. Die Pflanzen können auch durch Teilung vermehrt werden. Die Teilung sollte allerdings bevorzugt in den Monaten Dezember und Januar vorgenommen werden. Die Sommermonate sollten vermieden werden, da die Pflanze sonst unkontrolliert wachsen kann, insofern die Pflanze Samen trägt oder nicht ordentlich entsorgt wird.

Frauenmantel und dessen Verwendung

Frauenmantel wird meist bevorzugt als Heilkraut eingesetzt und findet nur selten in der Küche als Würzkraut Anwendung.

Frauenmantel als Küchenkraut

Frauenmantel hat einen leicht bitteren, säuerlichen aber dennoch angenehmen Geschmack. In der Küche wird das Kraut dennoch nur sehr selten verwendet. Ab und an werden Frauenmantelblätter in Wildkräutersalaten oder Wildkräutersuppen verwendet. Für Suppen und Salaten sollten stets nur die frischen Blätter verwendet werden. Trockene Blätter haben ein sehr strenges Aroma und schmecken leicht anders. Am besten eignen sich für den Verzehr die jungen Blätter in den Frühjahrsmonaten.

Das Kraut wird außerdem manchmal für Erfrischungsgetränke genutzt. Obstfrüchte wie Äpfel, Birnen oder Kirschen können mit kaltem Frauenmantelwasser vermischt werden. Dabei wird Frauenmantelkraut zunächst gekocht und anschließend gekühlt.

Frauenmantel als Heilkraut

Der Frauenmantel zählte bereits im frühen Mittelalter zu einer sehr bekannten Heilpflanze und wird auch heute noch für viele Beschwerden verwendet. Die Anwendungsgebiete des berühmten Heilkrauts erstrecken sich von Magen-Darm-Beschwerden über Frauenbeschwerden bis hin zu äußeren Anwendungen. Auch für kosmetische und pflegende Anwendungen werden die Blätter der Pflanze gelegentlich verwendet. Hier kommt das Kraut meistens als Badezusatz oder vereinzelt auch als Creme zum Einsatz.

Der Frauenmantel hat zahlreiche heilkundlich interessante Inhaltsstoffe, die in der Naturheilkunde folgende Heilwirkungen besitzen:

  • verdauungsfördernd
  • entzündungshemmende
  • krampflösend
  • blutreinigend
  • aquaretisch (wassertreibend)
  • schmerzstillend
  • antibakteriell
  • antioxidativ
  • adstringierend (zusammenziehend)

Das Kraut war auch Hildegard von Bingen wohlbekannt, die es vorzugsweise bei typischen Frauenleiden einsetzte. Paracelsus hat es für die Wundheilung und gegen Entzündungen eingesetzt. Die entzündungshemmende Wirkung wird im Übrigen auf die hohen Anteile von Gerbstoffen in der Pflanze zurückgeführt.

In vielen älteren Kräuterbüchern des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit wird der Frauenmantel meist als Sinau oder Sinnaw bezeichnet. Ob es sich dabei um den heute häufigeren verwendeten gelbgrünen Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) oder dem spitzlappigen Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) handel, kann nicht eindeutig geklärt werden.

Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli wurde der Frauenmantel vor allem als Heilpflanze zur Wundheilung eingesetzt. Auch gegen Epilepsi (Fallsucht) fand das Kraut scheinbar Verwendung.Genutzt wurden sowohl die Blätter als auch die Wurzel des Krauts, die meist zu Salben, Pflaster oder Tinkturen verarbeitet wurden.



In der heutigen Volksmedizin und Naturheilkunde wird der Frauenmantel u.a. für folgende Beschwerden und Krankheiten verwendet:

  • Erkältungsbeschwerden bzw. grippale Infekte
  • Menstruationsbeschwerden
  • Wechseljahresbeschwerden
  • leichtere Magen-Darm-Beschwerden
  • Durchfall
  • Blähungen
  • diverse Schleimhautentzündungen (z.B. Mundschleimhaut)
  • äußere Wunden
  • leichte Nierenbeschwerden
  • Durchspülung der Nieren
  • Bindehautentzündung
  • Augenschwellungen

Für Frauenleiden wie Menstruationsschmerzen und PMS wird Frauenmantel meist als Tee eingesetzt, um Beschwerden zu lindern. Dabei lässt sich sowohl pures getrocknetes Kraut als auch ein Mix von mehreren Kräutern verwenden. Für die Mischung eigener Kräutertees können z.B. neben Frauenmantel noch Schafgarbe, Melissenblätter und Johanniskraut genutzt werden. Die Kräuter sollten hier im Verhältnis 2:1:1:1 aufgeteilt werden. Es empfiehlt sich Frauenmantelkraut oder den Kräutermix etwa 10 Minuten ziehen zu lassen und abzudecken. Mehr als zwei bis drei Tassen täglich sollten täglich nicht getrunken werden.

Weitere Anwendung findet das Frauenmantelkraut bei Gurgellösungen. Die entzündungshemmende Wirkung soll leichte Mundbeschwerden, wie z.B. Aphten verträglicher machen.

Hinweis: Frauen, die sich in der Schwangerschaft befinden, sollten auf Frauenmantelkraut gänzlich verzichten. Da das Kraut krampflösend wirkt, könnte es zu Komplikationen mit der Gebärmutter (Frauenmantel stimuliert die Gebärmutter!) kommen.

Frauenmantel kaufen - Was gibt es zu beachten?

Frauenmantel gibt es meist als getrocknetes Kraut oder als fertige Teemischung zu kaufen. Die Preise sind meist etwas höher als andere Kräuter, da der Frauenmantel verhältnismäßig weniger angebaut werden, als die großen Heilkräuter. Kilopreise bis zu 40 EUR sind dabei keine Seltenheit. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter nicht zu alt sind und aromaversiegelt verpackt sind.

Fertige Pflanzen gibt es meist selten zu kaufen. Der gelbgrüne Frauenmantel, der auch für die meisten therapeutischen Anwendungen verwendet wird, findet sich nur gelegentlich bei einigen Onlinehändlern oder sehr selten im Pflanzenhandel. Mit etwas Glück lassen sich die Samen der Art Alchemilla xanthochlora erwerben.

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