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Estragon

Estragon (Artemisia dracunculus) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Estragon ist ein häufig verwendetes Küchenkraut, welches häufig zum Würzen von Saucen verwendet wird. Das Kraut, welches mitunter auch als Dragon oder Escadronkraut bezeichnet wird, wird jedoch auch in der Heilkunde verwendet. Aufgrund eines Inhaltsstoffes namens Methylchavicol (Estragol) steht es jedoch manchmal in der Kritik.

Pflanzenmerkmale und Systematik von Estragon

Herkunft von Estragon

Estragon ist eine Pflanze, die in den kälteren Regionen Mittelasiens und Sibiriens heimisch ist und sich von dort aus durch den Mensch nach Arabien und Europa weiter verbreitete. Die Pflanze ist heute in vielen Teilen der Welt anzutreffen, darunter auch weit entfernte Gebiete wie Indien, Amerika oder der Türkei.

Vorkommen von Estragon

In einigen südeuropäischen Ländern (Spanien, Südfrankreich) lässt sich Estragon auch verwildert antreffen. Dort wo Estragon kultiviert wird, zur Blüte und schließlich zur Fruchtreife gelangt, lässt sich Estragon vereinzelt auch verwildert an Weg- und Feldrändern finden.

Systematik des Estragons

Der Estragon (Artemisia dracunulus) gehört zur Familie der Korbblütler und ist entfernt mit anderen Kräutern wie Löwenzahn, Ringelblume oder Kamille verwandt. In der näheren Verwandtschaft gehört der Estragon zur Gattung der Artemisiengewächse (Artemisia), die wohl eine der reichhaltigsten Kräutergattung überhaupt bildet. Zu den Artemisien gesellen sich auch andere bekannte Kräuter wie Wermut, Beifuss, Eberraute oder Wurmsamen.

Mitunter lassen sich mehrere Estragon-Typen ausfindig machen, v.a. deutscher Estragon, französischer Estragon und russischer Estragon. Diese Typen gehören alle zur Art Artemisia dracunculus und sind im botanischen Sinne Varietäten. Der russische Estragon stellt dabei die Stammform dar.

Merkmale von Estragon

Estragon ist ein mehrjähriges Kraut, das Wuchshöhen zwischen 100 und 150 cm erreichen kann. Wenn Estragon in Gärten oder auf dem Balkon kultiviert wird, ist er meist jedoch deutlich kleiner. Die Pflanze wurzelt mit bis zu 15 cm relativ flach (Flachwurzler).

Die dunkelgrünen Blätter des Estragons sind recht schmal und spitz zulaufend. Meist sind sie bei einer ausgewachsenen Pflanze zwischen 2,5 und 3,5 cm lang. Im Allgemeinen sind die Blätter des russischen Typs etwas länger, als die der französischen oder deutschen Typen.

Die gelb-grünlichen Blüten erscheinen meist zwischen Mai und Juni in rispenähnlichen Blütenständen. Nach der Blüte entstehen unscheinbare, flache Früchte, die als Achänen bezeichnet werden. Die Varietäten deutscher und französischer Estragon bilden keine Samen.



Estragon aussäen und pflanzen

Der Estragon liebt vor allem sonnige und windgeschützte Standorte mit feuchten, durchlässigen und eher neutralen Böden. Auch wenn Sonne bevorzugt wird, wächst Estragon auch an halbschattigen Standorten mit mäßig trockenen Bedingungen.

Die Aussaat sollte im Frühjahr zwischen Mitte März und Ende April geschehen. Eine Vorkultur in Aussaatschalen ist zwar empfehlenswert, aber nicht zwingend. Estragon ist ein klassischer Lichtkeimer, weswegen die Samen nur leicht in das Substrat angedrückt werden sollten. Als Anzuchtsubstrat sollte ein eher nährstoffarmes Substrat gewählt werden. Im Freiland sollte Estragon erst gegen Ende April bzw. Anfang Mai gesät werden. Zu diesem Zeitpunkt können auch die in Vorkultur herangezüchteten Estragonpflänzchen umpikiert werden.

Eine einzelne Estragronpflanze benötigt relativ viel Platz. Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte wenigstens 50 bis 60 cm betragen. Auf dem Balkon sollten die Pflanzen in breiten Kübeln kultiviert werden. Die jungen Pflänzchen reagieren übrigens sehr stark auf Nahrungskonkurrenten. Es sollte daher vor allem am Anfang penibel auf Unkräuter geachtet werden.

Estragon ist winterhart und muss in der kalten Jahreszeit nicht umgepflanzt werden. Auch wenn die Pflanze ausdauernd und mehrjährig ist, sollten die Pflanzen nie länger als vier Jahre am selben Standort stehen.

Die Typen französischer und deutscher Estragon bilden keine Samen und können nur vegetativ vermehrt werden. Hierfür sollten nur ältere Pflanzen geteilt und an einen neuen Standort gepflanzt werden. Stehen keine Pflanzen zur Verfügung so bieten einige Pflanzencenter, Pflanzenmärkte oder Onlinehändler zu recht erschwinglichen Preisen diese Estragonarten an.

Die Pflanze sollte nie vollständig austrocknen und innerhalb der Wurzeln mit Wasser befeuchtet sein. Zu viel Feuchtigkeit sowie Staunässe sollten dringend vermieden werden, da dies recht schnell zum Absterben der Pflanze führen kann.

Die Ernte des Estragons sollte immer vor der Blüte stattfinden, da das Kraut sonst merklich an Aroma einbüßt. Bei weiterer Verwendung können die Blütenstände abgeschnitten werden. Die Blätter sind am kurz vor der Blüte am aromatischsten. Auch wenn Estragon am besten frisch verwendet werden sollte, lässt sich das beliebte Gewürzkraut auf tiefgekühlt gut lagern. Die abgezupften Blätter lassen sich auch trocknen, allerdings ist hier mit erheblichen Qualitätseinbußen im Aroma zu rechnen. Bei der Ernte sollten grundsätlich nur die Blätter, nicht die Blüten oder Zweige geerntet bzw. verwendet werden.

Estragon und dessen Verwendung

Estragon ist ein beliebtes Küchenkraut und Hauptbestandteil vieler Gerichte. Auch wird das Kraut gelegentlich als Heilpflanze erwähnt und empfohlen.

Estragon in der Küche

Wie im Teil Systematik erwähnt, unterscheidet man beim Estragon unterschiedliche Typen. Der russische Estragon, welche als Urform gilt, ist geschmacklich etwas schwächer als der französische Estragon. Dies liegt daran, dass der russische Estragon deutlich geringe Anteile an äterischen Ölen und Flavonoiden aufweist, die den typischen Estragongeschmack ausmachen. Der deutsche Estragon kann als Zwischenform bezeichnet werden und liegt sowohl von der Bitterkeit und vom Aroma zwischen den beiden anderen Varietäten. Insgesamt kann das Aroma als süßlich aromatisch mit einer feinen Note nach Anis bezeichnet werden.

Die Blätter des Estragons passen hervorragend zu Fleisch (v.a. Lamm und Geflügel), Ei- und Käse- und Rahmgerichten. In einigen Kochbüchern wird empfohlen, Estragon immer pur – d.h. ohne weitere Kräuter – zu verwenden. Andere empfehlen, dass Kräuter wie Kerbel oder Liebstöckel eine interessante Zusatznote zum Estragon ergeben.

Estragon kann mit der Speise gekocht werden. Das Aroma wird beim Kochen nicht beeinträchtigt, im Gegenteil, der Geschmack wird beim Kochen sogar intensiver.

Estragon ist eines der Hauptbestandteile der Sauce Bearnaise. Diese Sauce besteht zum großen Teil aus Eigelb und Butter und wird vor allem mit Kräutern wie Kerbel und Estragon verfeinert. Die Sauce wird vor allem zu gegrilltem Fleisch oder zu Fisch serviert.

Estragon als Heilkraut

Estragon wird gelegentlich auch als Heilkraut verwendet bzw. empfohlen. Aufgrund der enthaltenden Inhaltsstoffe soll Estragon die Verdauung unterstützen und appetitanregend wirken. Weiterhin soll Estragon leichtere Zahnschmerzen lindern.

Im Mittelalter war der Estragon eine als Heilkraut anerkannte Pflanze, die dort meist unter dem Namen Dragun oder Dragoncell bekannt war. Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli kam die Pflanze vor allem bei Verstopfungen, bei kaltem Magen oder als harntreibendes Mittel zum Einsatz. Wie und auf welche Form das Kraut dargereicht wurde, ist jedoch nicht bekannt.


Estragon im Kräuterbuch von Matthioli

In einigen arabischen Ländern wird Estragon als Heilpflanze gegen epileptische Erkrankungen verwendet. Als wirksame Stoffe werden in Studien die im ätherischen Öl vorhandenen Monoterpene angeführt. In der chinesischen Medizin gilt Estragon als entspannend für das Qi und ist dort vor allem für die Organe Milz, Magen und Leber relevant. In der Homöopathie wird Estragon gelegentlich als menstruationsförderndes Mittel verabreicht

In der Volksmedizin ist Estragon als Heilkraut durchaus ein Begriff, wenngleich es selten verwendet wird. Es wird vor allem bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, zur Entgiftung, als Appetitanreger und zur Verdauungsförderung eingesetzt. Estragon enthält viele zahlreiche Wirkstoffe, die u.a. folgende Heilwirkungen aufweisen:

  • antibakteriell,
  • verdauungsfördernd,
  • entzündungshemmend,
  • entkrampfend,
  • antiepileptisch und
  • beruhigend.

Es sind vor allem die enthaltenden Cumarine und ätherischen Ölverbindungen (u.a. Sabinen und Eugenol), die die Pflanze für heilkundliche Anwendungen interessant macht. Einige Studien konnten zudem leberschützende und blutzuckersenkende Eigenschaften feststellen [1].

Einige wissenschaftliche Untersuchungen sollen ergeben haben, dass das im Estragon enthaltene Methylchavicol (Estragol) in Tierversuchsstudien krebserregend ist. Aufgrund dieser Ergebnisse dürfen in freiverkäuflichen Medikamenten und Tees keine nennenswerten Estragolgehalte nachweisbar sein. In neueren Studien (z.B. Martins et al. 2012) konnten jedoch nachgewiesen werden, dass die Dosen, die durch normalen Konsum eingenommen werden, weit davon entfernt sind, genotoxisch zu wirken. Während der Schwangerschaft sowie beim Stillen wird jedoch empfohlen, weitestgehend auf estragolhaltige Kräuter (Estragon, Basilikum) zu verzichten. Der Gehalt an Estragol ist in den Varietäten deutscher und französischer Estragon höher als im russischen Estragon.

Estragon kaufen - Was gibt es zu beachten?

Estragon hat in den letzten Jahren als Würzkraut etwas an Bedeutung verloren, da der Stoff Estragol im Verdacht steht, erbgutschädigend zu sein. In einigen Supermärkten sowie in den meisten Gartenfachmärkten lassen sich jedoch meist problemlos frische Estragonpflanzen beschaffen. Meist werden die deutschen bzw. französischen Typen des Estragons angeboten, die auch etwas aromatischer sind als der russische Typ. Insofern die Auszeichnung korrekt ist lautet die botanische Bezeichnung für französischen Estragon Artemisia dracunculus var. sativus. bzw. Artemisia dracunculus cv. für den deutschen Estragon. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Pflanze frei von weißen Punkten (Thripsen) und frei von Rostpilzen sind.

Die meisten Saatgut-Hersteller bieten auch Estragon Samen an. Allerdings sollte beachtet werden, dass ausschließlich der russische Estragon in Samenform erhältlich ist. Deutscher und Französischer Estragon sind beide unfruchtbar und bilden keine Samen.

Viele Kräuterhändler führen in ihren Sortimenten auch getrocknete Estragonkräuter. Estragon wird meist gerebelt angeboten. Getrockneter Estragon hat zwar gegenüber frischen etwas an Aroma eingebüßt, dennoch lässt er sich zum Würzen von Speisen hervorragend verwenden. Zu beachten ist, dass die Verpackungen aromaversiegelt sind.

Literaturnachweise und weiterführende Quellen:

[1]: Obolskiy, D. (2011): Artemisia dracunulus L. (Terragon) - A Critical Review of Its Traditional Use, Chemical Composition, Pharmacology and Safety. In: Journal of Agricultural and Food Chemistry, Vol. 21, S. 67-84

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