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Echte Kamille

Echte Kamille (Matricaria recutita) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Die Kamille (Matricaria recutita) ist eine der Heilpflanzen, die vermutlich in jedem Küchenschrank zu finden ist und vor allem in Form von Kamillentee zum Einsatz kommt, wenn Magen oder Darm Probleme machen. Aber auch äußerlich angewendet kommen die heilenden Eigenschaften der Echten Kamille zum Tragen und sorgen für Linderung bei entzündeter, wunder und juckender Haut.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Echten Kamille

Herkunft und Vorkommen der Echten Kamille

Die Echte Kamille stammt vermutlich ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien und ist vor allem auf nährstoffreichen Äckern, Wildwiesen aber auch Brachflächen zu finden. Die Kamille wurde in viele Länder eingeschleppt und weist heute eine hohe Verbreitung auf. Somit ist sie heute in den meisten Ländern Europas sowie auch in Asien, Nordamerika und sogar Australien wild zu finden.

In hügeligen Regionen bzw. Gebirgslandschaften toleriert die Kamille montane Höhenstufen. Je nach Gebirge kann die Kamille damit noch in Höhen zwischen 1200 bis 1700 Meter angetroffen werden.

Systematik der Echten Kamille

Die echte Kamille (Matricaria chamomilla) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist somit verwandt mit anderen bekannten Wilkräutern wie dem Löwenzahn, der Ringelblume oder dem Beifuß. Im botanischen System gehört die echte Kamille ferner dem Tribus Anthemideae an. Die Gattung Kamillen umfasst lediglich drei Arten. Neben der echten Kamille ist hier noch die strahlenlose Kamille mitunter anzutreffen. Gelegentlich wird die Echte Kamille auch mit dem botanischen Namen Chamomilla recutita bezeichnet.

Andere Arten wie Hundskamille, falsche Kamille (Mutterkraut), geruchlose Kamille oder Strandkamille gehören zwar auch zur Familie der Korbblütler, sind aber im engeren Sinne nicht mit der Echten Kamille verwandt. All diese Pflanze verfügen auch über eine andere chemische Zusammensetzung an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen.

Merkmale der Kamille

Die Echte Kamille weist typische Merkmale von Korbblütern auf. Das Heilkraut ist grundsätzlich einjährig und erreicht, je nach Standort, Nährstoffverhältnisse und Bodentyp, Wuchshöhen zwischen 20 und 60 cm. Die echte Kamille verströmt einen charakteristischen Geruch, der sie relativ einfach von unechten Kamillen unterscheidet. Die Pflanze bildet relativ dünne Wurzeln aus, die meistens blassbraun bis gelblich gefärbt sind.

Die Blätter der Echten Kamille sind meist zwischen 3 und 8 cm lang und stehen sich wechselständig gegenüber. Die Blätter an sich sind relativ zierlich, zwei- bis dreifach gefiedert und spitz zulaufend. Die Blätter sitzen meist zahlreich an dem aufrechten und meist stark verzweigten und unbehaarten Stängel.

Die Blütezeit der Echten Kamille liegt in der Regel zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober. Die Pflanze bildet dann jeweils einzelne, gelbe Blütenköpfchen aus, die zusammen im Blütenkorb sitzen. Pro Blütenkorb können bis zu 900 Blütenköpfchen ausgebildet werden, wobei es in der Regel deutlich weniger sind (durchschnittlich etwa 100). Der Blütenkorb wird umgeben von etwa 26 bis 48 Hüllblätter, die weiß gefärbt sind. Die weißen Hüllblätter zeigen in der Regel Richtung Boden. Zur Fruchtreife bilden sich aus den Blütenköpfchen typische Achänen (spezielle Nussfrüchte bei Korbblütlern) die bis zu 2mm lang sind und eine bräunlich bis graubräunlich Färbung aufweisen.

Kamillenblüte
Typische Kamillenblüte mit gelbem Blütenkopf und weißen Zungenblüten

Exkurs: Echte und Falsche Kamille unterscheiden

Häufig wird die echte Kamille mit der unechten Kamille (Matricaria inodora) verwechselt. Die unechte bzw. falsche Kamille sieht der echten Kamille zum Verwechseln ähnlich, ist in der Höhe aber wesentlich kleiner. Während die echte Kamille samt Blütenstand maximal einen halben Meter groß wird, erreicht die unechte Kamille ein Wuchshöhe von bis zu 80 cm. Auch die Größe der Blütenköpfchen unterscheidet sich voneinander. Die Blüten der echten Kamille werden etwa 2 bis 2,5 cm groß; die der falschen Kamille sind mit ca. 4 cm nahezu doppelt so groß. Einfacher für die Bestimmung beider Kamillen ist der Geruchstest: die echte Kamille verströmt ein intensives, kräftiges Aroma, wie man es vom Kamillentee kennt. Die falsche Kamille hingegen ist fast geruchslos und duftet, wenn nur sehr schwach - daher auch die botanische Artbezeicnung inodora = geruchslos bzw. Geruchslose Kamille. Ein weiterer Anhaltspunkt zur Identifizierung ist der Aufbau der Blütenköpfchen: die der echten Kamille sind im Vergleich zur unechten Kamille innen hohl.

Kamille aussäen und pflanzen

Die Kamille zählt zu den Lichtkeimern, die nach der Aussaat nicht mit Erde bedeckt werden müssen. Die Samen werden lose auf die Erde gestreut und vorsichtig angedrückt, um zu verhindern, dass der Wind die Kamillensamen ausbläst. Der richtige Zeitpunkt der Aussaat richtet sich nach dem Anzuchtort. Kamille, die im Haus vorgezogen wird, kann ab Ende März ausgesät werden. Die Direktsaat im Freiland bzw. im Garten erfolgt ab Anfang Mai.

Kamillen haben keine besonderen Ansprüche an den Standort. In der Natur sind sie sowohl auf Brachflächen als auch auf Wildwiesen anzutreffen. Als optimaler Standort gelten jedoch sonnenexponierte Flächen mit nährstoffreichen und mäßig feuchten Mischböden (lehmig und sandig). Außerdem sollten die Böden bzw. die Erder eher neutralen bis leicht alkalischen Charakter aufweisen. Gewöhnliche Blumenerden sollten demnach noch mit Gartenkalk behandelt werden.

Insofern die Kamille in handelsüblicher Blumenerde sowie in gut nährstoffreichen Gartenböden angebaut wird, ist eine zusätzliche Düngung während der Vegetationsperiode nicht nötig. Ausnahme bilden sandige Böden, die meist eine hohe Nährstoffauswaschung aufweisen. In solchem Fall kann mit leichten organischen Dünger bzw. Langzeitdüngern wie Rinderdungpellets gedüngt werden. Wichtiger beim Anbau ist, dass die Erde nicht austrocknet und gleichmäßig feucht gehalten wird.

Trotz der verhältnismäßig anspruchslosen Pflege kann es vorkommen, dass Kamillen von Schädlingen befallen werden, meist sind Plagegeister wie Blattläuse und Mehltau zu beklagen. Da Kamillen Nutzpflanzen sind, konzentriert man sich bei der Bekämpfung von Ungeziefer am besten auf ökologisch vertretbare Lösungen. Hinsichtlich der Beseitigung von Blattläusen haben sich Nützlinge bewährt. Die Larven der Florfliege, aber auch Gallmücken sowie die Larven des Zweipunktmarienkäfer fressen die Blattläuse und sorgen so für eine pflanzenunschädliche Bekämpfung (Tipp: Nützlinge gibt es im Gartenfachmarkt, Onlineshops sowie teilweise in Bioläden zu kaufen). Alternativ können die Pflanzen mit einer Jauche aus Brennnesseln oder Ackerschachtelhalm behandelt werden.

Der Kampf gegen den Mehltau ist etwas aufwändiger. Man unterscheidet zwischen echtem und falschem Mehltau: Während der echte Mehltau auf der Blattoberseite als weißer, fein zerstäubter und mehlartiger Belage zu Tage tritt und sich mit den Fingern abreiben lässt, ist der falsche Mehltau an der Blattunterseite, als nicht zu entfernender Belag zu erkennen. Mit einigen natürlichen Methoden und Vorkehrungen lässt sich Mehltau gut bekämpfen.

Kamille und dessen Verwendung

Kamille in der Küche

Kamille ist in der Küche nahezu bedeutungslos. Ausnahmen bilden frische Kamillenblüte, die mitunter als Zutat für Wildkräutersalate verwendet werden werden. Geschmacklich sind die Blüten sehr ähnlich zum bekannten Kamillentee. Gelegentlich werden Kamillenblüten auch zur Dekoration von Süßspeisen verwendet.

Kamille als Heilkraut

Die Kamille zählt heute zu einem unserer wichtigsten Heilkräuter. Sie ist in vielen Haushalten als Hausmittel gegen Magen- und Darmbeschwerden nicht wegzudenken. Verschiedene Verbände haben die echte Kamille als Heilpflanze sowie als Arzneipflanze des Jahres ausgezeichnet.

Als Arzneipflanze hat die Kamille schon seit dem Mittelalter Bedeutung. In alten Kräuterbüchern (z.B. Gart der Gesundheit, Kräuterbuch von P.A. Matthioli) lässt sich herauslesen, dass die echte Kamille bereits zu den häufig genutzten Heilkräutern gehörte. Die Kamille wurde damals wie auch heute für die Behandlung von Magen- und Darmbeschwerden benutzt. Eingenommen wurden die Kamillen oder Kamillenblätter in Wein oder Wasser gesotten. Auch wurden ihr Heilkräfte in der Behandlung von „Lungengeschwüren“ und Fallsucht zugeschrieben, was heute jedoch medizinisch in der Form nicht mehr zu vertreten ist. Äußerlich wurde die Kamille bei Blässe, schmerzenden Hautblasen oder bei Entzündungen der Haut verwendet.

Echte Kamille als Heilkraut
Beschreibung der Echten Kamille als Heilpflanze in einem frühneuzeitlichen Kräuterbuch

Heute wird die Kamille u.a. für die folgenden Krankheiten und Beschwerden verwendet:

  • Angina tonsillaris (unterstüztend)
  • Blähungen
  • diverse Entzündungen der Haut
  • Erkältungen bzw. grippale Infekte
  • Hämorrhoiden
  • Magenkrämpfe
  • Magenschleimhautreizung
  • Magen- und Darmentzündungen
  • Nasenschleimhautentzündung
  • Reizdarm
  • Rachenentzündung
  • Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischreizungen
  • Zahnschmerzen

Die heilenden Inhaltsstoffe der Kamille stecken sowohl in den Blüten, als auch in den Blättern und werden frisch genau wie getrocknet verwendet.

Die Kamille besitzt zahlreiche gesundheitsfördernde bzw. heilkundlich interessante Inhaltsstoffe, die bei einer Vielzahl von Beschwerden nützlich sein können. Es sind hier vor allem die ätherischen Öle, Flavonoide, Cumarine und Bitterstoffe, die die heilkundliche Wirkung der Kamille ausmachen. So enthält die Pflanze u.a. zahlreiche ätherische Öle und Flavonoide sowie Cumarine und Bitterstoffe. Die entzündungshemmende Wirkung des Heilkrauts wird den Stoffe Bisabolol, Matricin, Umbelliferon und Chamazulen zugeschrieben.

Der allseits bekannte Kamillentee lindert durch den Gehalt an Bitterstoffen und Gerbsäuren in der Kamille Verstimmungen im Magen-Darm-Bereich (Magenkrämpfe, Koliken, Durchfall, Reizdarm, Reizmagen), beruhigt und fördert den Schlaf, hilft bei Halsschmerzen und Menstruationsschmerzen, genau wie Kamillentee ein probates Mittel zur Durchspülung der Harnwege ist. Einige Untersuchungen und Studien [1] konnten sogar nachweisen, dass Kamille Bakterien wie Heliobacter pylori und Campylobacter jejuni am Wachstum sowie an der Teilung hindern können.

Kamillentee - frisch zubereitet
Kamillentee ist eines der beliebtesten Heiltees in deutschen Haushalten (Foto: ovydyborets / fotolia.com)

Ebenso fördert Kamillentee die Bildung von Muttermilch, so dass Zubereitungen aus Kamille auch von Stillenden getrunken werden kann, im Gegensatz zu anderen Heilpflanzen wie Salbei oder Pfefferminze, die den Milchfluss unterbinden.

Die Echte Kamille kommt auch in der naturheilkundlichen Behandlung einiger Augenerkrankungen zum Einsatz. Größere Bedeutung hat die Kamille vor allem bei bakteriell verursachten Bindehautentzündungen. Mitunter wird die Kamille auch bei der Therapie von Gerstenkörnern verwendet. Dort wird sie vor allem als Umschlag verwendet, wobei darauf geachtet werden sollte, dass die Umschläge steril sind und keine weiteren bakteriellen Infektionen verursachen.

Ein weiteres Anwendungsfeld der Kamille sind äußere Beschwerden. Die Pflanze kommt dabei vor allem als hautberuhigendes und entzündungshemmendes Heilkraut zum Einsatz und wird in einigen Hautpflegeprodukten (z.B. Gesichtswasser, Creme, Masken) verwendet. Daneben wird Kamillenextrakt in Apotheken verkauft, der beispielsweise bei Entzündungen im Mundbereich oder am Zahnfleisch als Gurgellösung Linderung verschafft, und auch bei Hautunreinheiten hilft. Meist wird die Kamille dabei auf die betreffenden Stellen aufgetupft oder als Zutat für Gesichtsdampfbäder verwendet. Ein solches Kamillendampfbad ist auch unterstützend bei Nasennebenhöhlenentzündungen und anderen Verstopfungen der Nase zu empfehlen, da sich die im Wasserdampf befindlichen ätherischen Öle wohltuend auf die Befeuchtung der Schleimhäute auswirken. Ferner kann Kamillenextrakt ins Badewasser hinzugegeben werden. Sitzbäder mit Kamille werden verwendet, wenn Menschen z.B. an Hämorrhoiden oder behandelten Fisteln leiden.

Nebenwirkungen: Die Echte Kamille ist im Allgemeinen eine sehr gut verträgliche Heilpflanze. Beschwerden verursacht die Kamille bei bekannter Allergie gegenüber Korbblütler. Auch kann ein Dauergebrauch der Kamille mit höheren Dosen zu Beschwerden wie Schwindel und Unruhe führen.

Kamille in Kosmetik- und Hygieneartikeln

Außerdem hat sich Kamille einen Namen in der Haarpflege gemacht. Spülungen aus starkem Kamillentee (4 Teebeutel auf einen Liter kochendes Wasser) verleihen als letztem Guss nach dem Haare waschen Glanz und - auf blondem Haar - einen goldenen Schimmer. Die aufhellende Wirkung der Kamille ist jedoch bei der echten Kamille nicht so ausgeprägt und intensiv wie bei der Römischen Kamille (Chamaemelum nobile).

Einige Hersteller von Naturpflegeprodukten verwenden gezielt Kamillenextrakt.

Kamille kaufen - Was gibt es zu beachten?

Echte Kamille gibt es im Handel in verschiedenen Formen und Arten zu kaufen. Frische Pflanzen finden sich in vielen Pflanzenfachmärkten und teilweise in Baumärkten. Hier sollte der botanische Namen abgeglichen werden, da mitunter auch die römische Kamille verkauft wird. Ebenfalls sollte die Kamille auf Pflanzenkrankheiten wie echter und falscher Mehltau begutachtet werden, die durchaus häufig vorkommen können. Beachten Sie, dass die Kamille eine einjährige Pflanze ist.

Neben frischen Pflanzen können in den meisten Pflanzencentern sowie im Onlinehandel Samen der echten Kamille erworben werden. Da die Pflanze keine Rarität ist, sind die Preise für Kamillensamen in der Regel auch sehr günstig. Samenpackungen von Markenherstellern liegen meist, je nach Verpackungsgewicht, zwischen 0,50 und 1,00 EUR. Ab und an werden bestimmte Unterarten oder Züchtungen angeboten, die direkt für die Nutzung als Heilkraut abzielen. Zu nennen ist hier beispielsweise Bodegold, eine Züchtung, die durch besonders hohe Gehalte ätherischer Öle auffällt.

Im Onlinehandel sowie in einigen Supermärktern bzw. Discoutern werden auch getrocknete Kamillenblüten angeboten, die direkt für die Zubereitung von Kamillentees oder Badezusätzen verwendet werden können. Verbraucher, die viel Kamille im Jahr nutzen, sollten gleich auf die günstigen Kilopacks umsteigen. Da das Aroma der getrockneten Kamille lange anhält, kann sie entsprechend gut gelagert, auch mehrere Monate bis einige Jahre gehalten werden. Auch hier sind die Preis in der Regel sehr moderat. Unterschiede gibt es jedoch bei Kamillenblüten aus biologischem Anbau.

Literaturnachweise und weiterführende Literatur

  • [1] Cwikla, C. et al. (2010): “Investigations into the antibacterial activities of phytotherapeutics against Helicobacter pylori and Campylobacter jejuni”. In: Phytotherapy Research, Vol. 24, S. 649-56, doi: 10.1002/ptr.2933
  • [2] Murti, K. et al. (2012): “Pharmacological Properties of Matricaria recutita: A Review”. In: Pharmacologia, Vol. 3, S. 348-351, DOI: 10.5567/pharmacologia.2012.348.351
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