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Eberraute

Eberraute - Merkmale, Anbau und Verwendung

Botanischer Name: Artemisia abrotanum

Eberraute ist eines der Gewürz- und Heilkräuter, das bisweilen in Vergessenheit geraten ist. Durch den sehr bitteren Geschmack und herb aromatischen Duft ist es nicht so populär wie vergleichsweise milde und vielseitig einsetzbare Kräuter wie Dill, Basilikum oder Oregano. Dabei ist Eberraute unverzichtbar für die Würze von deftigen Fleischgerichten und sorgt nebenbei für eine reibungslose Verdauung.

Pflanzenmerkmale und Systematik der Eberraute

Herkunft und Vorkommen der Eberraute

Die Eberraute stammt ursprünglich aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien (Bosnien und Herzegowina, Kroatien) sowie dem östlichen Anatolien, wo sie heute noch wild anzutreffen ist. Wirtschaftlich kultiviert wird sie heute überwiegend in wärmen Ländern, wie Griechenland oder Italien. In diese Länder kam sie bereits zur Antike, da vor allem die Griechen zu jener Zeit die Heilkraft der Pflanze erkannten. In Nord-, Mittel- und Westeuropa wird sie vorrangig in Kleingärten angebaut.

Systematik der Eberraute

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im engeren Sinne gehört die Pflanze zur Gattung der Artemisien (Artemisia), die mit über 500 Arten sehr artenreich ist. Zu dieser Gattung gehören u.a. bekannte Kräuter wie der gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris), der Estragon (Artemisia dranunculus) oder der Wermut Wermut (Artemisia absinthum).

Wichtige synonyme Namen der Eberraute sind Colakraut, Colastrauch, Stabwurz und Pastorenkraut.

Merkmale der Eberraute

Die Eberraute ist eine winterharte, ausdauernde und mehrjährige Pflanze. Sie wächst meist als Halbstrauch und kann Wuchshöhen zwischen 60 und 150 cm erreichen. Meist wird sie jedoch deutlich kleiner. Die gesamte Pflanze verströmt aufgrund der enthaltenden ätherischen Öle einen stark aromatischen und angenehmen Geruch.

Die Pflanze bildet gefiederte, graugrüne und leicht geschlitzte Blätter aus, die an der Blattunterseite auffallend behaart sind. Die Blätter der Eberraute sind wechselständig angelegt. Die Sprossachse (Stängel) können je nach Standort und Wuchsbedingungen verholzen (ähnlich wie beim Thymian). Die Stängel sind meistens leicht behaart.

Zur Blütezeit, die zwischen Mitte Juli und Ende September stattfindet, bildet die Eberraute weiße bis gelbe Blüten aus. Jede Pflanze bildet zahlreiche kleine Blütenköpfe aus. Die bis zu 5mm großen Blüten sind in einer ährenartigen Traube angeordnet. In Deutschland und in ganz Nord- und Mitteleuropa kommt es häufig zum Ausbleiben der Blüte. Gründe hierfür sind meist relativ kalte Sommer.



Eberraute aussäen und pflanzen

Die Eberraute hat an Standort einige Ansprüche. Eberrauten gedeihen am besten an warmen Plätzen mit voller Sonne. Die Erde bzw. der Boden sollte locker, leicht kalkig und durchlässig sein, so dass Staunässe vermieden wird. Sand, Kies und Steine im Boden unterstützen den Wasserabfluss. Bei der Anpflanzung im Kräutergarten ist die Beimischung von Zuschlagstoffen wie Bims oder Zeolith vielversprechend. Hinsichtlich der Pflege sind Eberrauten sehr anspruchslos; lediglich im Frühjahr werden etwas Hornspäne oder Kompost in den Boden eingearbeitet, kalkarme Böden werden mit Gartenkalk angereichert. Das Bewässern der Pflanze sollte sparsam erfolgen.

Eberrauten zählen zu den Lichtkeimern. Bei der Aufzucht von Eberraute aus Samen werden die Samen nur lose auf die Erde gestreut und vorsichtig angedrückt, ohne mit Erde bedeckt zu werden.

Für die Vermehrung über Stecklinge wird einfach ein langer Trieb mit Blattspitzen abgeschnitten und in die Erde gesteckt. Bereits kurze Zeit später bilden sich erste Wurzelansätze. Wenn die Sommermonate relativ kühl sind, bildet die Pflanze keine Blüten und somit keine Samen aus. Die Stecklingsvermehrung erscheint daher die effektivere Art.

Damit die Pflanze nicht aus der Form gerät, wird ein Rückschnitt im Frühjahr empfohlen. Da die Pflanze zum voluminösen Wuchern neigt, sollte Eberraute mit etwa einem halben Meter Abstand zu anderen PFlanzen eingepflanzt werden. Die benachbarten Pflanzen profitieren gleichzeitig durch die Anwesenheit von Eberrauten, da die duftenden ätherischen Öle unerwünschte Fraßschädlinge fernhalten.

Eberraute und dessen Verwendung

Eberraute wird nicht nur als würzendes und heilsames Kraut verwendet, Eberraute hat Tradition in der Bekämpfung bzw. Vorbeugung gegen Motten. Hierzu wird das getrocknete Kraut in Baumwoll- oder Organzasäckchen in den Kleiderschrank gehängt. Der intensive Duft der ätherischen Öle der Eberraute vertreibt die schadhaften, stofffressenden Insekten. Ferner wird Eberraute – speziell die Zitroneneberraute (auch Zitronenkraut genannt) als Bestandteil von duftenden Potpourris eingesetzt.

Eberraute in der Küche

Eberraute findet insbesondere Verwendung in der Würzung von fettigen Gerichten, allen voran werden Gans und Ente mit Eberraute gewürzt. Bei der Dosierung ist allerdings Vorsicht geboten, denn schon geringe Mengen der Würzpflanze Eberraute genügen, um das Essen kräftig zu aromatisieren und ihm einen würzigen und leicht bitteren Geschmack zu verleihen.

Eberraute wird im Handel in zwei Geschmacksrichtungen angeboten: als Zitroneneberraute mit Duft nach Zitrusfrüchten und als Kampfereberraute, die wegen dem süßen, colaähnlichen Duft auch als Colastrauch oder Colaraute bezeichnet wird.

Verwendet wird Eberraute sowohl getrocknet wie auch in Form der frischen Blätter. Da das Aroma der Eberraute beim Trocknen nicht verloren geht, kann man die Pflanze zur Bevorratung trocknen, aber auch einfrieren.

Eberraute als Heilkraut

Im Mittelalter war Eberraute, die dort meistens als Stabwurz bezeichnet wurde, ein sehr beliebtes Heilkraut. Man sprach der Eberraute nicht nur eine aphrodisierende und belebende Wirkung zu, Eberraute wurde auch genommen, um Haarausfall zu beheben oder Darmparasiten wie Würmer zu vertreiben. Im Kräuterbuch von P. A. Mattioli (1590) wurde die Eberraute konkret gegen Würmer, Brustschmerzen und zur Behandlung von Geschwülsten verwendet. Eine wichtige Verwendung fand sie als Gegengift (Antidot). Das Kraut kam ferner bei Müttern zur Anwendung, die frisch gebärt haben. Dort wurden Tücher in einen Sud aus Eberraute getränkt und auf die Haut gelegt. Angewendet wurde die Eberraute zu dieser Zeit als Weinauszug, als Tee, als Wickel oder pur. Die Eberraute wurde auch in der Arzneimittellehre des Paracelsus erwähnt.



Eberraute hat teilweise gute antibakterielle Eigenschaften. In einigen Studien [1] konnten u.a. hohe Wirksamkeiten gegen Pseudomonas, Klebsiella pneumoniae und Microccus luteus festgestellt werden. Das in der Eberraute (welches ebenso in anderen Artemisienarten wie Beifuss oder Wermut verkommt) enthaltende Artemisinin wird zudem bei der Behandlung von Malaria angewendet, welches vom Erreger Plasmodium falciparum verursacht wird. Der Gehalt an Artemisin in der Eberraute ist allerdings recht gering [2].

Das Kraut hat darüber hinaus antientzündliche, spasmolytische (entkrampfend) und antiödematöse Eigenschaften. Hierfür sind vor allem die in der Eberraute enthaltenden Flavonoide (Quercetin und Rutin) verantwortlich.

Von medizinischer Bedeutung unter den Inhaltsstoffen der Eberraute sind vor allem die Gerb- und Bitterstoffe. Diese regen die Produktion von Verdauungssäften in Magen, Galle und Leber an und sorgen für eine gute Verdauung, unterstützen den Appetit und verschaffen Linderung bei Magenproblemen und -krämpfen.

Zu diesem Zweck wird Eberraute entweder als Würzkraut gegessen oder als Tee getrunken, wobei in der Zubereitung der Ziehzeit abhängig davon ist, ob frische oder getrocknete Blätter verwendet werden. Für die Dosierung einer Tasse Eberrautentee werden 250 bis 300 ml kochendes Wasser benötigt und ein Teelöffel vom Kraut, das in der getrockneten Form zugedeckt 5 min ziehen gelassen wird und wenn frische Blätter verwendet werden, sollte die Ziehzeit 10 min nicht überschreite.

Die entkrampfende Wirkung der Eberraute kommt auch Frauen während der Menstruation zugute. Schwangere sollten deshalb vom Gebrauch der Eberraute absehen, um vorzeitige Wehen zu vermeiden. Daneben fördert Eberraute den Nieren- und Blasenaktivität, wirkt beruhigend, ist antibakteriell und unterstützt den Schweißfluss – Eigenschaften, weshalb Eberraute nicht nur bei Magenproblemen zum Einsatz kommt, sondern auch bei Schlafproblemen und fiebrigen Erkältungen und Husten.

Für die Verwendung von Umschlägen mit Eberrauten werden ebenfalls Teeaufgüsse verwendet.

Eberraute kaufen - Was gibt es zu beachten?

Eberraute ist ein äußerst aromatisches Kraut mit dem unverkennbaren Duft nach Zitronen oder Kampfer bzw. Cola. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die echte Eberraute nicht mit den optisch ähnlichen und verwandten Estragon, Beifuß oder Wermut verwechselt wird. In Pflanzencentern und Fachmärkten wird die Pflanze meist als Colastrauch angeboten.

Eberrautesamen werden im Gartenfachhandel nur selten angeboten, was dadurch begründet ist, dass die Pflanze in Mitteleuropa nicht immer Samen bildet. Sie vermehrt sich eher über Wurzelausläufer oder wird über die Stecklinge in der Vermehrung unterstützt. Deshalb bieten Gartenmärkte eher vorgezogene Jungpflanzen als Samen an. In einigen Onlineshops lassen sich gelegentlich Samen finden.

Im Kräuterfachhandel sowie in einigen Online-Marktplätzen können auch getrocknete Eberrautenblätter gekauft werden. Diese sind jedoch selten und meist vergleichsweise teuer. Die getrockneten Kräuter sollten luftdicht bzw. aromaversiegelt sein, da die Eberraute relativ schnell an Aroma verliert.

Literaturverweise

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