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Duftveilchen

Duftveilchen (Viola odorata) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Schon Johann Wolfgang von Goethe beschrieb in seinem Gedicht „Das Veilchen“ 1774 das unauffällige Wesen des Veilchens. Wenn das Duftveilchen aber blüht und seinen wohlriechenden Duft verströmt, ist das blau-violette Veilchen alles andere als unauffällig. Neben der dekorativen Zierde wird das Duftveilchen in der Naturheilkunde seit Jahrhunderten vor allem gegen Kopfschmerzen verabreicht.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Duftveilchens

Herkunft und Vorkommen des Duftveilchens

Das wohlriechende Veilchen ist in vielen Teilen Europas heimisch. Die Verbreitungsgebiete der Pflanze sind sowohl die mediterranen Gebieten (Südeuropa), die Küsten des Atlantiks in Westeuropa sowie viele Regionen in Osteuropa. Einzig in Skandinavien wächst das Duftveilchen unter natürlichen Bedingungen nicht.

Aufgrund seiner relativ großen Bedeutung finden sich heute große Anbaugebiete unter anderen in Südfrankreich und Italien.

Systematik des Duftveilchens

Das Duftveilchen (Viola odorata) ist ein Vertreter der Familie der Veilchengewächse (Violaceae). Innerhalb dieser Familie wird das wohlriechende Veilchen der Gattung der Veilchen (Viola) zuordnet, zu denen auch diverse Stiefmütterchen, Parmaveilchen oder das gelbe Veilchen gehören. Aufgrund seiner recht großen Bedeutung als Parfüm- und Zierpflanze sind heute auch viele unterschiedliche Sorten erhältlich.

Merkmale des Duftveilchens

Duftveilchen sind mehrjährig, krautig und wachsen ausdauernd in Form von Rosetten aus zahlreichen Blättern, wobei das Wachstum vielmehr in die Breite als in die Höhe geht. Beim wohlriechenden Veilchen werden Wuchshöhen von etwa 5 bis maximal 20 cm erreicht. Die Wurzel der Pflanze kann zahlreiche Ausläufer bilden.

Die Blätter des Duftveilchens sind von intensiv-grüner Farbe und haben die Form eines Herzes, das Blattende ist jedoch abgerundet. Daneben weisen Duftveilchen lanzettförmige Nebenblätter auf. Meistens sind die Blätter mit einem weichem Flaum behaart.

Die Länge der Blüten samt Stiel misst ca. 5 bis 6 cm, die Blüte selber wird bis zu 3 cm im Durchmesser groß. Die Blütezeit des Duftveilchens fällt in den März und April, weshalb Duftveilchen auch als Märzveilchen bezeichnet werden. Eine Sorte blüht jedoch zweimal im Jahr: Duftveilchen der Sorte König Charlotte blühen sowohl im Frühjahr als auch im späten Herbst.

Die Farbe der Blütenblätter des Duftveilchens, die auf einem filigranen Stiel wachsen, variiert mit der Sorte. Am bekanntesten sind Duftveilchen der Sorte Königin Charlotte (Queen Charlotte), die veilchenblaue Blütenblätter trägt, während die Sorte Rubia rot blüht, die Sorte Irish Elegance creme- bis apricotfarbe ist. Duftveilchen können aber auch weiß mit einem Stich ins Hellblaue (Sorte Reine des Neiges) oder strahlend weiß wie bei der Sorte Alba sein, deren Merkmal ein violett gefärbter Sporn ist.



Charakteristisch für Duftveilchen ist der Duft, den die Pflanze verströmt. Das veilcheneigene Aroma ist auf den Inhaltsstoff Jonon zurückzuführen. Jonon zählt zu den Terpenen und wird mittlerweile künstlich hergestellt, um dem Bedarf veilchenartiger Aromen nachzukommen. Der Duft des wohlriechenden Veilchens ist so intensiv und eigentümlich, dass Verwechslungen mit ähnlich aussehenden, aber nicht duftenden Waldveilchen oder violetten Hornveilchen allein anhand des Duftes ausgeschlossen werden können.

Duftveilchen aussäen und pflegen

Duftveilchen sind Frostkeimer, die Temperaturen um die 5 °C benötigen, um zu keimen. Die Samen von Duftveilchen werden zum Ende des Sommers bis in den zeitigen Frühling direkt im Freiland ausgesät. Wichtig ist, dass die Samen Frost abbekommen.

Da Duftveilchen nach der Blüte aus selbiger eine Samenkapsel bilden, sind sie in der Lage, sich selbst auszusäen. Die Samen aus der reifen Kapsel werden regelrecht „weggeschossen“, weshalb Veilchen sich als Selbstsaussäer über weite Teile verbreiten können. Daneben unterstützen unterschiedliche Insekten die Verbreitung der Samen des Duftveilchens.

Eine weitere Form der Verbreitung bietet sich über die Teilung der Mutterpflanze oder deren Ausläufer an. Duftveilchen bilden ein umfangreiches System von Wurzelausläufern, die als Rhizom bezeichnet werden.

Der optimale Standort von Duftveilchen befindet sich an einem mäßig feuchten Platz im Halbschatten, zum Beispiel unter anderen Pflanzen – Sträucher, Laub- und Nadelbäume, die als Schattenspender dienen. Damit Duftveilchen kräftig wachsen, wird ein humoser, nährstoffreicher Boden bevorzugt, der vor allem beim Trockenheit im Sommer gleichmäßig feucht, aber nicht nass, gehalten werden sollte.

Duftveilchen sind winterharte Pflanzen, so dass keine besonderen Maßnahmen im Winter ergriffen werden müssen.

Wohlriechendes Veilchen und seine Verwendung

Duftveilchen sind nicht nur hübsch anzusehen, sie überzeugen auch durch ihren Geruch und durch ihren Geschmack, der auch in Form von Heiltees zur Wirkung kommt. Einige Hobbyköche nutzen auch die Blüten von Duftveilchen für besondere Geschmackserlebnisse.

Veilchen in der Küche

Die vermutliche bekannteste Form, in der Duftveilchen als Delikatesse zum Einsatz kommen, sind kandierte Veilchen. Seit nahezu 200 Jahren sind Duftveilchen im Zuckerguß in aller Munde. Alternativ werden kandierte Duftveilchen auch als Violettes de Toulouse – Veilchen von Toulouse, benannt nach der Stadt im Süden Frankreichs. Verwendung finden die Zuckerveilchen als Süßigkeit oder als Dekoration auf Desserts oder Pralinen.

Daneben können Duftveilchen auch pur verwendet werden. Sie zählen zu den Pflanzen, die essbare Blüten mit hervorragendem Geschmack besitzen. Die Blütenköpfe werden vorsichtig von der Pflanze abgezupft und zum Garnieren von Süßspeisen oder auch als bunte Zutat in Wildkräutersalaten genutzt. Der Geschmack von Duftveilchen gleicht dem Duft: süß, lieblich, wenn auch anfangs mit einer zarten grünen Note.

Weit weniger häufig, aber genau wie die Blüten auch essbar, sind die Blätter des Duftveilchens, die als warmes Blattgemüse zubereitet werden können oder in Form der zarten, jungen Blätter als Rohkost in Salaten gegessen werden können. Trotzdem gilt Vorsicht beim Verzehr von Duftveilchen. Isst man zu viel von Blüten und Blättern kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Menschen mit empfindlichen Magen, mit allgemeinen Verdauungsstörungen sowie Schwangere sollten den Verzehr größerer Mengen an Duftveilchen vermeiden.

Eine andere Süßigkeit, die ohne den Geschmack des Duftveilchens nicht auskommt, sind Veilchenpastillen. Angelehnt an die veilchenblaue Farbe des Duftveilchens sind weichen Drops von lila bis schwarzvioletter Farbe. Allerdings wird dem Geschmack künstlich nachgeholfen, indem synthetisches Jonon – der Stoff, der den typischen Veilchenduft ausmacht – verwendet wird.

In größeren Mengen kommen die Blüten des Wohlriechenden Veilchens bei der Herstellung von Veilchenlikören zum Einsatz: Crème de Violette und der geschmacklich etwas intensivere Parfait Amour sind Liköre, bei deren Rezeptur viele Veilchenbüten sowie Vanille, Anis, Rosenblüten, Muskatnuss, Koriander, Zitrone und Orange als Aromengeber dienen. Gleichzeitig sind Crème de Violette und Parfait Amour Basis einiger Cocktails, bspw. Blue Moon und Jupiter Cocktail. Während das Rezept vom Blue Moon lediglich aus Veilchenlikör, Zitronensaft und Gin besteht, wird der Jupiter Cocktail aus Parfait Amour, Orangensaft, Gin und Wermut gemixt.

Duftveilchen als Heilkraut

Auf die heilende Wirkung der Wohlriechenden Veilchen vertraute seinerzeit schon Hildegard von Bingen. Zusammen mit anderen Kräutern verschrieb sie Mixturen mit Veilchensaft zur Behandlung diverser Augenkrankheiten. Außerdem rührte Hildegard von Bingen Salben mit Duftveilchen an, die zur Linderung von Kopfschmerzen Anwendung fanden.

Auch in vielen Kräuterbüchern des Mittelalters und der frühen Neuzeit wird das Duftveilchen häufig als Heilkraut erwähnt. Im Kräuterbuch von P.A. Matthioli, wo das Kraut noch als blaues Veile bezeichnet wird, sind sowohl innere als auch äußere medizinische Anwendungen beschrieben. Dort wurde es u.a. bei der Linderung von Fieber, bei Mattheit oder Seitenstechen empfehlen. Äußerlich wurde das Veilchen für die Behandlung von Blasen oder Geschwulsten verwendet.

Verwendet wurde das Kraut als Tee, in Essig eingelegt oder Pur. In einem Absatz wurde von P.A. Matthioli sogar beschrieben, dass die Veilchen zu den „allergebräuchlichsten unter allen Blumen in der Artzneyen und Apotekcen“ sind.



Veilchentee wird auch heute noch gegen Kopfschmerzen getrunken, wobei die schmerzlindernde Wirkung mit dem natürlichen Gehalt an Salicylsäure im Duftveilchen begründet wird. Außerdem wird dem Wohlriechende Veilchen eine beruhigende Wirkung nachgesagt, die bei Schlafschwierigkeiten Abhilfe verschafft.

Ebenso enthält das Duftveilchen schleimlösende Inhaltsstoffe, weshalb der Tee (einen Teelöffel getrocknete Blüten werden mit 300 ml kochendem Wasser überbrüht und abgedeckt 10 min ziehen gelassen, zweimal täglich eine Tasse) unterstützend bei Husten, Heiserkeit und Entzündungen im Hals- und Rachenraum getrunken wird oder als Homöopathika bei Keuchhusten gegeben wird.

Besondere Bedeutung kommen auch die im Duftveilchen enthaltenden Saponine zu. Die in der Pflanze enthaltenden Saponine bringen vor allem bei Erkältungsbeschwerden Linderung, da sie schleimlösende und auswurffördernde Eigenschaften aufweist. In der Naturheilkunde kommt Viola odorata beispielsweise bei der Therapie von chronischer Bronchitis zum Einsatz.

Das Duftveilchen kann auch in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden. Der Organbezug des Krauts ist vor allem auf Lunge, Herz und Leber eingegrenzt. Es wird daher bei Halsschmerzen, chronischem Husten, Akne oder Sinusitis verwendet. Die Temperaturwirkung wird als kühlend beschrieben.

Duftveilchen in Parfüms

Der wohlriechende Duft von Viola odorata ist auch für die Herstellung von Parfümen interessant. Auch wenn vielerorts eher synthetische Duftstoffe verwendet werden, kommen für hochwertige Produktionen natürliche Stoffe vor.

Duftveilchen kaufen – Was gibt es zu beachten?

Duftveilchen sind sehr beliebte Zimmerpflanzen, weswegen sie im Handel recht häufig anzutreffen sind. In Baumärkten, Pflanzencentern und Onlineshops finden sich recht viele unterschiedliche Sorten, die sich meist in der Farbe, der Duftstärke und in der Blütezeit unterscheiden können. Beispielsweise blüht die Sorte Königin Charlotte sowohl im Frühjahr als auch im Herbst. Beachtet werden sollte die Gesundheit der Pflanze. Kleine weißliche Beläge können auch Mehltau hindeuten und sollten gemieden werden. Auch sollten keine Pflanzen gekauft werden, wo die Erde im Topf trocken ist. Ansonsten ist das Kraut bzw. die Pflanze relativ anspruchslos.

Gärtner, die Duftveilchen aus Samen aufziehen wollen, haben ebenfalls eine recht große Auswahl an Sorten. Die Aufzucht ist bei den meisten Sorten unproblematisch, insofern die pflanzentypischen Bedingungen eingehalten werden. Die Preise liegen je nach Sorte zwischen 1,49 bis 2,29 EUR je Samentüte und sind somit relativ teuer. Da das Duftveilchen jedoch mehrjährig und anspruchslos ist, sind die Preise immer relativ zu sehen.

Einige Spezialfachgeschäfte und Onlineshops bieten auch natives Veilchenöl an.Hier sind synthetisch hergestellte Öle deutlich günstiger als natürliche Duftöle.

Wer frische Heilkräuter haben möchte, kann auch Veilchentee erwerben. Dieser besteht meist aus einem Mix aus Blättern und Blüten. Da das Kraut sehr speziell ist, bieten Veilchenkraut meist nur Kräuterfachhändler oder spezialisierte Onlineshops an. Zu beachten ist, dass die Kräuter aromaversiegelt sind. Ebenso sollte stets der botanische Name (Viola odorata) beachtet werden.

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