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Bohnenkraut

Bohnenkraut (Satureja spec.) - Merkmale, Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Kaum ein anderes Kraut wird häufiger mit Bohnen verwendet als Bohnenkraut. Die Gattung der Bohnenkräuter umfasst zahlreiche Arten, von denen das Sommerbohnenkraut (Satureja hortensis) und das Winterbohnenkraut (Satureja montana) am häufigsten im Handel zu finden sind. Geschmacklich unterscheiden sich beide Bohnenkrautarten nur geringfügig voneinander, doch in der Pflege und Lebensdauer gibt es einige Unterschiede.

Pflanzenmerkmale und Systematik des Bohnenkrauts

Herkunft und Vorkommen des Bohnenkrauts

Die bei uns erhältlichen und kultivierten Bohnenkräuter haben unterschiedliche Herkunfts- und Verbreitungsgebiete. Das Sommer-Bohnenkraut stammt beispielsweise aus dem östlichen Mittelmeergebiet, wohingegen das Winter-Bohnenkraut (auch Bergbohnenkraut genannt) in Südeuropa beheimatet ist. Da jedoch beide Bohnenkrautarten lange kultiviert und transportiert werden, findet man beide Arten heute verwildert in den Mittelmeerländern sowie in Balkanländern.

Die Pflanzen ist heute auch in einigen Teilen Deutschlands sowie in Österreich und einigen Teilen Tirols verwildert anzutreffen. Meist finden sich Bohnenkräuter an Bahndämmen, auf Äckern und auf kargen Böden. Seit dem 9. und 10. Jahrhundert wurde vor allem das Sommerbohnenkraut von Mönchen eingeschleppt und in Klöstergärten angebaut.

Systematik des Bohnenkrauts

Bohnenkrautarten zählen zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) bzw. genauer zur botanischen Unterfamilie Nepetoideae. Sie sind damit verwandt mit anderen, meist mediterranen Kräutern, wie Salbei, Rosmarin oder Thymian. Die Gattung Bohnenkraut (Satureja) umfasst etwa 40 Arten, wobei das Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis) und das Winter-Bohnenkraut (Satureja montana) die wohl bekanntesten sein dürften. Eine andere Bohnenkrautart, die gelegentlich im Handel anzutreffen ist, ist die indianische Minze (Satureja douglasii).

Merkmale des Bohnenkrauts

Das Sommer-Bohnenkraut ist eine einjährige, krautige Pflanze, gegenüber dem Winter-Bohnenkraut welches zwei- und mehrjährig sein kann. Das Winter-Bohnenkraut wird mit maximal 70 cm meist etwas größer als das Sommer-Bohnenkraut, welches Wuchshöhen um die 55 cm erreicht.

Die Blätter der beiden Bohnenkrautarten ähneln sich ziemlich. Die Blätter können bis zu 3 cm lang werden und nehmen meist eine lanzettliche Form ein. Die Blätter sind kurz gestielt und gegenständig angeordnet. Beim Winterbohnenkraut sind die Blätter meist ledrig, wohingegen sie beim Sommerbohnenkraut meist eher flaumig und etwas behaart sind. Die Sprossachse (bzw. der Stängel) kann von unten verholzen.

Zur Blütezeit, die meist zwischen Juni bis Anfang Oktober andauert, bilden sowohl das Winter- als auch das Sommerbohnenkraut weiße, blauviolette bis zartrosa Blüten aus. Als Blüten erscheinen klassische zweigeteilte Lippenblüten. Zur Fruchtreife entwickeln sich die meist dunkelbraunen Samen.



Bohnenkraut aussäen und pflanzen

Bohnenkraut ist ein sogenannter Lichtkeimer. Um aus dem Samen Pflanzen zu ziehen, werden die Bohnenkrautsamen nur leicht auf die Anzuchterde gedrückt und an einen hellen Platz gestellt. Optimal ist die Fensterbank, wo am besten mit der Aussaat im April begonnen wird. Im Freien wartet man die Eisheiligen ab und sät Bohnenkraut ab Ende Mai direkt auf die Erde aus. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass zwischen den Pflanzen genügend Abstand eingehalten wird, da Bohnenkraut voluminös wächst. Die Erfahrung zeigt, dass 20 cm Entfernung zur nächsten Pflanze ausreichen.

Ferner kann Bohnenkraut über Stecklinge oder Teilung der Pflanze am Wurzelballen vermehrt werden. Allerdings gilt dieser Schritt nur für das mehrjährige Winterbohnenkraut alias Bergbohnenkraut (Satureja montana). Sommerbohnenkraut - auch Sommersatureja genannt – ist einjährig.

Beide Bohnenkrautarten eignen sich sowohl für den Anbau im Garten wie auch für die Topfkultur in Blumenkästen oder größeren Pflanztrögen. Wichtig ist, dass Bohnenkraut sonnig und warm steht und der Boden wasserdurchlässig und leicht kalkhaltig ist. Staunässe wirkt sich ungünstig auf das Wachstum aus und sollte vermieden werden. Bei dichten bzw. lehmhaltigen Böden sollten daher Zuschlagstoffe wie Quarzsand, Bims oder Zeolith eingearbeitet werden, um den Wasserabfluss zu unterstützen. Zusätzlich empfehlenswert sind gelegentliche Kalkgaben.

Gedüngt wird Bohnenkraut lediglich zu Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr. Das Kraut ist an eher nährstoffarme Standorte angepasst und relativ sensibel gegenüber übermäßigem Düngen. Ebenso sparsam wird beim Gießen umgegangen. Trockene Phasen übersteht Bohnenkraut einfacher als zu feuchte Erde. Ist die oberflächlich trockene Erde auch in etwa 2 cm Tiefe trocken, wird gewässert.

Bohnenkraut, das in Topfkultur wächst, wird im Winter in den Wintergarten oder ins kühle Treppenhaus geholt. Auch wenn das mehrjährige Bergbohnenkraut immergrün ist, empfiehlt es sich, im Frühjahr einen Rückschnitt vorzunehmen, um das buschige Wachstum zu fördern.

Bohnenkraut und dessen Verwendung

Bohnenkraut ist ein vielseitiges Würzkraut, das aber auch bei Bauchschmerzen und Hautproblemen hilft.

Bohnenkraut in der Küche

Bohnenkraut ist ein Klassiker im Gewürzschrank. Verwendet wird die Pflanze sowohl frisch wie auch getrocknet. Anders als es bei vielen anderen Kräutern ist Bohnenkraut auch in der getrockneten Version sehr aromatisch und kann bei guter Qualität sein Aroma sogar intensiveren. Der beste Zeitpunkt, um besonders geschmacksintensives Bohnenkraut zu ernten, ist die Phase unmittelbar vor der Blüte.

Der Geschmack von Bohnenkraut ist kräftig und herb mit einer leicht scharfen Note – entfernt vergleichbar mit einer Mischung aus Rosmarin und Thymian; wobei Winterbohnenkraut intensiver schmeckt als das Sommerbohnenkraut. Verantwortlich für den recht intensiven Geschmack sind die enthaltenden ätherischen Öle, allem voran Thymol und Carvacrol.

Nach Bohnen schmeckt Bohnenkraut nicht, harmoniert aber perfekt zu Bohnen in jedweder Version: egal, ob als Bohnensalat oder Bohnengemüse. Doch auch anderes Gemüse wird durch Bohnenkraut fein aromatisiert, allen voran Erbsen und Linsen sowie Kartoffel- und Kohlgerichte. Hervorragend macht sich Bohnenkraut ebenso zu Lammfleisch und Fischgerichten, insbesondere wenn man die zitronenfrische Varietät Satureja citridona verwendet.

Eine weitere Verwendung von Bohnenkraut ist die Zubereitung herzhafter Quark- und Buttergerichte. Ausgezeichnet schmeckt Bohnenkraut beispielsweise in selbstgemachter Kräuterbutter. Lohnenswert kann auch die Verfeinerung von Kräuterquark oder Frischkäsespezialitäten sein. Bohnenkraut harmoniert im übrigen sehr gut mit anderen mediterranen Kräutern wie Lavendel, Oregano oder Salbei.

In der Küche findet meist das Sommer-Bohnenkraut Verwendung, welches insgesamt etwas milder schmeckt als das Winter-Bohnenkraut. Grundsätzlich können allerdings beide Arten verwendet werden; letztere passen mitunter zu deftigen Gerichten.

Da Bohnenkraut ein recht kräftiges Aroma hat, sollte es als Gewürz immer nur sehr sparsam verwendet werden. Bohnenkraut sollte nicht erst zum Schluss beigefügt werden. Beim Mitkochen gehen die Aromen nicht verloren sondern werden gut verteilt.

Bohnenkraut als Heilkraut

Bohnen als Vertreter der Hülsenfrüchte sind nicht immer leicht verdaulich. Durch das Verfeinern mit Bohnenkraut wird Blähungen und Krämpfen in Magen und Darm zeitgleich vorgebeugt. Ein Tee. zubereitet aus dem frischen oder getrockneten Kraut (Ziehzeit frisches Bohnenkraut ca. 10 min und getrocknet ca. 5 min) hat den gleichen krampflösenden Effekt und hilft durch den Gerbstoffanteil im Bohnenkraut auch gegen Durchfall. Ebenso wirksam ist Bohnenkraut bei Husten – hierfür wird mit abgekühlten Tee gegurgelt. Bewährt hat sich Bohnenkraut auch in der Pflege fettiger, unreiner Haut. Ein Gesichtsdampfbad mit Bohnenkraut reguliert die Sebumproduktion (Sebum = Hautfett, Talg) und hilft, entzündliche Unreinheiten zu behandeln.

Beide Bohnenkrautarten haben antibakterielle Eigenschaften. Einige Quellen berichten darüber hinaus, dass Sommer-Bohnenkraut bei der Behandlung von Krankheiten, die durch Candida albans und Aspergillus (Schimmelpilze) ausgelöst wurden, unterstützend eingesetzt werden kann 1).

Schon im Mittelalter war Bohnenkraut ein bekanntes Heilkraut, welches vor allem unterstützend zu Speisen oder allgemein für Verdauungsbeschwerden verwendet wurde. So finden sich im Kräuterbuch von P. A. Matthioli Anweisungen, Bohnenkraut (welches dort als Saturey bezeichnet wurde) z.B. als Tee oder mit Honigwasser zuzubereiten. Weiterhin wurde Bohnenkraut gegen Kopfschmerzen und gegen Schlafbeschwerden verwendet.




Bohnenkraut kaufen - Was gibt es zu beachten?

Frisches Bohnenkraut lässt sich meist in Töpfen in den meisten Gartencentern und Baumärkten beschaffen. Gelegentlich findet sich Bohnenkraut auch in Supermärkten. Wenn Sie lange Freude an Bohnenkraut haben möchten, kaufen Sie das mehrjährige Winterbohnenkraut, das im Gartenhandel auch als Bergbohnenkraut oder unter dem lateinischen Namen Satureja montana geführt wird. Im Gegensatz dazu hält sich das Sommerbohnenkraut nur eine Saison und geht zum Herbst ein. Für Verwendung in der Küche, wird jedoch meist das Sommerbohnenkraut verwendet.

Viele Kräuterläden oder Onlineshops bieten auch getrocknetes Bohnenkraut an. Da sich das Aroma von Bohnenkraut recht gut konservieren lässt, gibt es kaum Risiken beim Einkauf. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter aromaversiegelt verpackt sind.

Literaturnachweise

  • Diba, K. et al. (2013): Antifungal activity of Satureja hortensis alcoholic extract against Aspergillus and Candida species. In: Journal of Medicinal Plants Research, Vol. 7, S. 2271-2274
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